Schweiz

Ein unmögliches Geschenk: Weshalb die Einbürgerung von WEF-Gründer Klaus Schwab scheitern wird

Fühlt sich als Schweizer: WEF-Gründer Klaus Schwab.

Fühlt sich als Schweizer: WEF-Gründer Klaus Schwab.

Der Kanton Graubünden will den Präsidenten des Weltwirtschaftsforums mit einer Einbürgerung ehren. Doch das ist gesetzlich gar nicht vorgesehen. Und Klaus Schwab selber wird sich wohl kaum darum bemühen. Denn in den 1980er-Jahren hat er etwas Sonderbares erlebt.

Die Empörung war schnell abgeholt. «Völlig unangebracht» sei es, polterte SVP-Präsident Albert Rösti, dass WEF-Gründer Klaus Schwab das Schweizer Bürgerrecht «ohne dessen Zutun» erhalten soll. Genau dies aber, so berichtete die «Sonntags-Zeitung», wolle SVP-Bundespräsident Ueli Maurer. Zum 50-Jahr-Jubiläum des Weltwirtschaftsforums im kommenden Januar solle sich die Schweiz damit bei Klaus Schwab «für sein Lebenswerk erkenntlich zeigen».

Die Meldung wirft die Frage auf: Kann einer Person mit ausländischem Pass (Schwab ist Deutscher) das Bürgerrecht geschenkt werden? Alberto Achermann, Professor für Migrationsrecht der Universität Bern, sagt: «Das ist eine nette Idee, aber rechtlich gibt es dafür in der Schweiz keine Grundlage.» Möglich wäre höchstens eine Ehrenbürgerschaft auf Gemeindeebene. Doch durch diesen symbolischen Akt wird ein Ausländer nicht zum Schweizer. Zudem besitzt Schwab dieses Geschenk bereits: Seit 20 Jahren ist er Ehrenbürger von Davos.

Beim Bund heisst es, dass eine «Würdigung von Prof. Schwab denkbar» sei. Für Fragen des Bürgerrechts sei aber der Kanton Graubünden zuständig. Dieser wiederum bestätigt, eine Verleihung des Bürgerrechts an Schwab sei in Planung. Doch diese sei nicht weit vorgeschritten, weshalb man nichts dazu sagen könne.

Gestapo lud Schwabs Mutter wegen Mundart vor

In Davos sind sich viele gar nicht bewusst, dass Schwab das Schweizer Bürgerrecht nicht hat. Und das ist auch erstaunlich, wenn man Schwabs Familiengeschichte kennt, die eng mit der Schweiz verbunden ist.

Klaus Schwab ist einer der ganz wenigen in seiner Verwandtschaft, der nicht den Schweizer Pass hat: Seine beiden Brüder sind Schweizer, und was seine Grosseltern angeht, so hatten drei der vier Personen das Schweizer Bürgerrecht. Nachforschungen im Stammbaum ergeben: Seine Mutter war Zürcherin, und sein Vater wurde in Roggwil (BE) geboren; seinerseits als Sohn einer Schweizer Mutter und eines Vaters, der sich zu jenem Zeitpunkt in Deutschland ausbürgern liess, um sich in der Schweiz niederzulassen.

Als in Deutschland Hitler an die Macht kam, wurde Schwabs Vater gebeten, die Schweizer Industrie-Interessen in Deutschland zu vertreten, und so zogen Schwabs Eltern trotz des sich abzeichnenden Krieges nach Ravensburg (D). Dort kam ein Jahr vor Kriegsausbruch Klaus Schwab zur Welt. Die Familie wurde von der Gestapo, dem Spitzeldienst der Nazis, überwacht, seine Mutter gar einmal vorgeladen, wegen folgenden «Vergehens»: Sie sprach mit ihren Kindern Schweizerdeutsch. Vielleicht auch darum, sagt Klaus Schwab, habe er sich schon als Kind als Schweizer gefühlt.

Die Familie zog dann wieder in die Schweiz, die 1. und 2. Primarschulklasse absolvierte der junge Klaus in Au/Wädenswil ZH. Später zogen die Schwabs erneut nach Deutschland. Der Vater engagierte sich in der Nachkriegszeit für gute Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland. Für den Sohn war das prägend: Er verstand sich früh als Europäer und Weltbürger – was seinen Lebenslauf als Professor und Gründer des WEF mit erklärt. Auch darum sind für Schwab Bürgerrechte einzelner Länder nicht so wichtig. Seine Frau Hilde übrigens, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist, ist Schweizerin.

Der Versuch von Bundesrat Kurt Furgler

Wer Schwab kennt, weiss allerdings auch: Er würde sich freuen, das Bürgerrecht zu erhalten. Aber aktiv darum bemühen würde er sich wohl nicht mehr, denn es gibt eine Episode, die ihm die Lust dazu verdorben hat: In den 1980er-Jahren engagierte sich Bundesrat Kurt Furgler (CVP) für Schwabs Einbürgerung. Schliesslich bekam Schwab von der Regierung des Kantons Genf, wo er bis heute wohnt, ein Paket mit den Einbürgerungsunterlagen. Zuoberst lag ein Zettel mit der Aufforderung, er müsse zu einer «sanitarischen Untersuchung» erscheinen, was für Schwab so irritierend war, dass er das Einbürgerungsprozedere gar nicht erst startete.

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