Grüne Aargau

Ein grüner Sitz in jeder Gemeinde

Zentrales Traktandum an der Vollversammlung der Grünen Aargau am 25. August in Frick ist die Neubesetzung des Parteipräsidiums. Der Vorstand schlägt Gertrud Häseli und Andi Thommen vor. Das designierte Co-Präsidium hat ambitiöse Ziele.

Mathias Küng

Es ist nahezu eine Traumkonstellation für den scheidenden Präsidenten der Grünen Aargau, Jonas Fricker. Den Medien konnte er gestern in Aarau ein neues Führungsduo präsentieren. Eine Frau und ein Mann (beide aus dem Fricktal), die bereit sind, ihn am 25. August als Präsident abzulösen. Noch besser als zwei im ländlichen Raum beheimatete Co-Präsidenten wären je ein Vertreter des städtischer und des ländlichen Raums gewesen.

Doch man kann nicht immer alles haben. Die vom Vorstand vorgeschlagenen Andi Thommen und Gertrud Häseli stehen für eine eher ländlich und bäuerlich geprägte Führung. Sie hoffen, dass dies ihrer Partei mit Blick auf ihre traditionell höheren Wähleranteile in den städtischen Gebieten nicht zum Nachteil gereicht. Schliesslich sei der Aargau ja auch eher ländlich, argumentieren sie.

Vorstand will Häseli und Thommen

Aus einem anfänglichen Kreis von gut sechs Personen sind Häseli und Thommen geblieben, die den Job machen wollen und vom Vorstand vorgeschlagen werden: Häseli (46), ist Biobäuerin, Gross- und Gemeinderätin aus Wittnau und Mutter von fünf Kindern. Sie führt mit ihrem Mann zusammen einen Bio-Betrieb mit Mutterkuh-Haltung. Thommen (43) , ist Agronom ETH. Er wohnt in Effingen, arbeitete lange für die Stiftung Pro Specie Rara und ist heute Projektleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL). Auch er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Traum von bis 20 Prozent Wähleranteil

Häseli und Thommen wollen (vorbehältlich der Zustimmung der Vollversammlung, an der kaum zu zweifeln ist) die jüngste Aargauer Regierungspartei in die Zukunft führen. Sie wollen sich themenmässig aufteilen und hoffen, dass das eben auf 50 Prozent aufgestockte Sekretariat sie in ihrem Milizamt entlasten helfen kann.

Wachstum ist kein Stichwort, bei dem Grüne in Euphorie verfallen. Besonders dann, wenn es nicht ökologisch ausfällt. Die Grünen selbst, jüngst bei Wahlen auf der Überholspur, wollen aber weiter wachsen. Thommen erachtet gar schon einen Wähleranteil von bis 20 Prozent (derzeit 8,9 Prozent) als möglich.

Warum will Gertrud Häseli die Grünen präsidieren? Häseli: «Jede Generation hatte Aufgaben zu lösen. Ich bin überzeugt, dass es die Aufgabe unserer Generation ist, sorgfältig mit Erde, Wasser, Luft und Feuer (Energie) umzugehen.» Dabei will sie ihren Beitrag leisten. Und für Andi Thommen bietet die derzeitige Wirtschaftskrise auch Chancen «für einen ökologischen Umbau der Gesellschaft», die er nutzen wolle. Im Präsidium will er verhindern helfen, dass der «Durchgangs-, Industrie- und Energiekanton Aargau noch mehr zugepflastert und verbaut» wird.

Gemeinderatssitz in jeder Gemeinde

Die neue Parteiführung will ein Schwergewicht auf die Nachwuchsförderung legen, um später auf Gemeinde- und Bezirksebene zusätzliche Mandatsträger zu bekommen, die dann auch Ämter auf kantonaler Ebene anstreben sollen. Im Visier haben die beiden nicht nur den Grossen Rat und den Regierungsrat, sondern auch Bankrat, Erziehungsrat und Obergericht.

Um auf kantonaler Ebene mehr zu sagen zu haben, wollen die Grünen weitere Mitglieder gewinnen und die Zahl der Ortsparteien erhöhen. Und Gertrud Häseli setzt sich das ehrgeizige Ziel, dass die Grünen in jeder Aargauer Gemeinde einen Gemeinderatssitz besetzen sollen. Häseli: «Wir müssen an der Basis wachsen. Das ist Knochenarbeit, aber Andi und ich wissen ja, was Zupacken heisst.»

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