«Quarantäne»
Ein Buch über sich selbst: Jetzt will Pierre Maudet seine Sicht der Dinge erzählen – mit einem klaren Ziel

Nachdem erst vor einem Jahr bereits ein Buch über den berüchtigten Genfer Politiker erschienen ist, folgt nun bereits ein zweites. Dieses Mal stammt es allerdings aus der Feder von Maudet selbst.

Benjamin Weinmann
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Der Genfer Ex-Staatsrat Pierre Maudet will noch lange nicht aufgeben und sich im März wieder in die Regierung wählen lassen.

Der Genfer Ex-Staatsrat Pierre Maudet will noch lange nicht aufgeben und sich im März wieder in die Regierung wählen lassen.

Valentin Flauraud / KEYSTONE

Es ist noch nicht lange her, da erschien eine Biografie des Genfer Polit-Wunderkinds Pierre Maudet. Doch das kritische Buch, aus der Feder des «Tages-Anzeiger»-Journalisten Philippe Reichen, war vom Staatsrat nicht autorisiert. Nun, etwa ein Jahr später, folgt bereits das zweite Werk über Maudets Aufstieg und Fall. Doch dieses Mal agiert der 42-Jährige selbst als Autor. Erscheinen wird es im selben Westschweizer Verlag wie jenes des «Tagi»-Redaktors.

Wie das Genfer Regionalblatt GHI berichtet, trägt das Buch den doppeldeutigen Titel «Quarantäne». Maudet musste sich im November – kurz nach seinem Rücktritt als Staatsrat - tatsächlich wegen seiner Corona-Erkrankung in Isolation begeben. Und während dieser Zeit hat er auch das 96-seitige Buch verfasst. Doch die politische Isolation dauert für ihn schon deutlich länger als bloss zwei Wochen. Seit dem Auffliegen der Abu-Dhabi-Affäre kämpft der einstige Bundesratskandidat und der Liebling der Medien um sein politisches Überleben. Und kurz vor seinem Rücktritt wurde er von seinen Ratskollegen seiner Aufgaben enthoben.

Ersatzwahlen im März im Visier

Laut GHI schreibt Maudet, der verheiratete Vater von drei Kindern, nicht nur über sein Fehlverhalten im Abu-Dhabi-Fall, das im Februar vor Gericht behandelt wird, sondern auch über Privates. Nicht zuletzt spreche der Ex-FDPler aber auch über seine Erfolge als Politiker. Kein Wunder, schliesslich hat sich Maudet nach seinem Rücktritt aus der kantonalen Exekutive gleich selbst als Kandidat für seine Nachfolge portiert.

Sprich: Das Buch ist für Maudet auch ein Wahlkampfmittel, um sich als tatkräftiger Politiker bei der Leserschaft in Erinnerung zu rufen. Die Ersatzwahl findet im März statt.

Der Verleger Eric Caboussat sagt auf Anfrage, dass ihm das erste Buch über Maudet zwar gefallen, ihm aber die Innenansicht von Maudet selbst gefehlt habe. Er habe den Magistraten deshalb vor einigen Monaten für ein zweistündiges Gespräch getroffen und mit ihm die Möglichkeit einer Buchpublikation diskutiert. «Als er dann wegen Corona in die Quarantäne musste, meldete er sich bei mir und begann zu schreiben», sagt Caboussat. Das Buch mit einer Auflage von 4000 Exemplaren ist ab morgen in Westschweizer Buchhandlungen erhältlich.

Maudet selbst will auf Anfrage zu seinen Schreib-Beweggründen, dem Inhalt und seinem Wahlkampf keine weitere Auskunft geben, sondern schreibt - ganz der Vermarkter - bloss: «Sie finden alle Antworten auf Ihre Fragen im Buch.»