Methan

Ein Bonus für ältere Kühe, die weniger furzen: Ist das das dümmste Gesetz?

Eine Mutterkuh mit einem vier Tage alten Stierkalb.

Eine Mutterkuh mit einem vier Tage alten Stierkalb.

Ältere Kühe stossen weniger klimaschädliches Methan aus. Der Bund will sie deshalb finanziell fördern. Dies könnte dem Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft den  «rostigen Paragraphen 2020» bescheren. Die IG Freiheit nimmt aber auch Schneemann-Baubewilligungen oder Risikoanlysen für Räbeliechtli-Umzüge ins Visier.

Auch die IG Freiheit beugt sich dem Seuchendiktat. Die Kämpferin wider die staatliche Regulierungswut, präsidiert vom Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz, kann den «rostigen Paragraphen 2020» nicht an einem Anlass mit Publikum verleihen, sondern wird die Preisverleihung am 29. Mai coronakonform online übertragen. An diesem Freitag wird bekannt, wer die 35 Zentimeter hohe und etwa zwei bis drei Kilogramm Trophäe für das dümmste und unnötigste Gesetz sein Eigen nennen darf.

Zuoberst auf der Nominationsliste figuriert Christian Hofer, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft. Mit der Agrarpolitik 22+ möchte der Bund neue Anreize zur Reduktion klimaschädlicher Landwirtschaftsemissionen schaffen. Forscher haben herausgefunden, dass ältere Kühe beim Furzen und Rülpsen weniger Methan ausstossen als jünger. Ergo sollen Bauern belohnt werden, deren Kühe etwas häufiger kalbern. Sie landen damit vielleicht mit 7 oder 8 Jahren als auf der Schlachtbank als schon mit 5 oder 6. Im Behördenjargon hört sich der Plan so an:«Mit einem Beitrag für eine überdurchschnittliche Anzahl Abkalbungen pro Kuh innerhalb eines Betriebes kann die Nutzungsdauer der Kühe und damit die Reduktion der Treibhausemissionen gefördert werden.» Die IG-Freiheit betitelt diese Direktzahlung als Kuh-«Überbrückungsrente».

Bewilligung für Schneemann

Der Klimawandel befeuert nicht nur hitzige politische Debatten, sondern weckt auch den Beamteneifer. So musste Klimaaktivistin Alexandre Neumann der Stadt Baden 155 Franken Bewilligungsgebühren entrichten, um auf öffentlichem Grund einen Schneemann mit Reinigungsmaterial einer Kunsteisbahn zu formen. Die Gewerbepolizei mahnte, der Schnee dürfe nach der Veranstaltung nicht liegen bleiben. Worauf Neumann auf das Gesuchsformular schrieb: «Schneemann schmilzt rasch von selber. Warme Witterung erwartet.» Auf die Frage des «Badener Tagblatt», ob auch eine Bewilligung nötig wäre, falls es wider Erwarten schneien würde, sagte die Stadtpolizei: «Gute Frage, die wir nicht diskutiert haben.» Dem Badener Stadtammann Markus Schneider könnte die Schneemann-Bürokratie den rostigen Paragraphen bescheren.

Mit einer Auszeichnung muss auch die Genfer Stadtpräsidentin Sandrine Salerno rechnen. Sie betreibt Gleichstellungspolitik via Verkehrsschilder. Die Hälfte Piktogramme vor Fussgängerstreifen will sie mit Frauen anstatt mit männlichen Strichmännchen ausstatten.

Die Verkehrsbetriebe der Stadt Schaffhausen gaben dem öffentlichen Druck nach. Sie annullierten die Busse für ein fünfjähriges Mädchen. Trotz der Kulanz am Ende einer Posse ist Direktor Bruno Schwager Anwärter für Bürokratiepreis. Grundlage für die Basis war ein Reglement, das besagt, dass Kinder unter sechs Jahren nur gratis mitfahren dürfen, wenn ihre Begleitperson mindestens 12-jährig ist. Die Schwester der fünfjährigen war erst - 10-jährig.

Risikoanalyse für Räbeliechtli-Umzug

Um Kinder geht es auch bei der letzten Nomination, die Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei Zürich, gilt. Im Herbst schnitzen Tausende Kinder kunstvolle Räben, die sie dann in einem Umzug vorführen. In Zürich dürften die Kinder aber nicht ohne Risikoanalyse durch die Strassen marschieren – weil dies bei Veranstaltungen von 500 bis 5000 Teilnehmern neu nötig ist. Im Formular, abzugeben bei der zuständigen Fachstelle Crowd-Management, finden sich Rubriken wie «Zelt-/Bühneneinsturz», «Bombendrohung» oder «Wildurinierer». Gewisse Veranstalter garnierten Risikoanalyse mit Humor: Sie schilderten, wie sie einen Schoggibrötchenengpass oder kaputte Kinderwagen managen täten. Übrigens: Der Gewinner der 14. Auflage des rostigen Paragraphen wird in einem Online-Voting auf der Internetseite der IG Freiheit erkoren. Abstimmen kann man bis am 15. Mai.

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Autor

Kari Kälin

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