Der 45-jährige A.W.* musste sich wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz respektive der mehrfachen Gehilfenschaft dazu und wegen mehrfacher, eventuell versuchter Geldwäscherei verantworten. Er hatte Flugtickets gebucht und Geldtransfers veranlasst, die mutmasslich dem Drogenhandel dienten. Zudem hatte er am 15. Dezember 2014 am Flughafen in Kloten einen Drogenkurier aus Brasilien abgeholt, den er samt 3 Kilo Kokain im Gepäck nach Basel chauffieren sollte. Da schnappten die Polizisten zu.

Die Staatsanwältin fordert eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 27 Monaten - 8 Monate davon soll er absitzen, für die übrigen 19 soll eine Probezeit von 2 Jahren gelten.

Sie nannte ihn Papi

Als Mittäterin ebenfalls angeklagt war eine 30-jährige Frau aus Biel, die als Drehscheibe für den Drogenhandel ihres Mannes in Brasilien agierte. Den aus Deutschland stammenden Pfarrer spannte sie für die illegalen Aktivitäten ein.

Sie nannte ihn «Papi», er war für sie wie der Vater, den sie nie hatte – und ein gutmütiger Helfer, der keine Bitte ausschlug. Immer wieder brach die gläubige Frau, die derzeit mit ihrer einjährigen Tochter im vorzeitigen Strafvollzug in Hindelbank sitzt, während der Verhandlung in Tränen aus, als sie über ihre Beziehung zu A.W. sprach.

Kennen gelernt hatten sie sich in einem Café in Biel. Sie suchte Beistand, und er, der unerschütterlichen Überzeugung, «dass ein Pfarrer Gutes tut» und kein Mensch Böses will, war immer für sie da.

Den Verdacht, dass seine Dienste missbraucht wurden, habe er zwar gehabt. «Aber sicher war ich nicht.» Der 45-Jährige lieh der Frau ständig Geld. Wofür es verwendet wurde, fragte er nie. So erfuhr er auch nicht, dass die 10'000 Franken, die er ihr vorstreckte – anders als vorgegeben – für Drogengeschäfte, statt für eine geplante Hochzeit verwendet wurden. Einen Teil erhielt er bar zurück: in kleinen Noten, teils in Euro.

Ob es da nicht auf der Hand gelegen habe, dass das Geld aus Drogendeals stammt, wollte Richter Andreas Fischer wissen. «Ich wusste nicht, aber ich konnte es mir schon vorstellen.»

Immer wieder wandten sich der Theologe und die Frau im Gerichtssaal einander zu. «Ich habe ihn nie ausgenutzt, sondern immer nur auf Anweisungen meines Mannes gehandelt», schluchzte die 30-Jährige. A.W. nickte dazu, als ob er noch immer seine schützende Hand über sie halten müsste.

Prozess vor Berzirksgericht Bülach ZH: Ist der «Drogenpfarrer» A.W. auf die Frau wütend, wegen der er in die Drogengeschäfte verwickelt wurde?

Ist A.W. auf die Frau wütend, wegen der er in die Drogengeschäfte verwickelt wurde?

Für die Frau gelten die gleichen Anklagepunkte mit Ausnahme der Gehilfenschaft. Ihr wird Mittäterschaft vorgeworfen, ausserdem Anstiftung zur Geldwäscherei. Laut Staatsanwältin hat die Frau «schamlos und ohne Skrupel» den Pfarrer in die Drogengeschäfte hineingezogen. Sie selbst habe in der Organisation eine wichtige Funktion als Drehscheibe in der Schweiz gehabt. Ihr Motiv bleibe allerdings «einigermassen unklar», auch sie habe keinen namhaften Vorteil aus den Geschäften gezogen. Laut Anklägerin sind 48 Monate Freiheitsentzug angemessen.

Der Verteidiger der Frau betonte, seine Mandantin habe stets nur auf Anweisung ihres Ehemannes, einem Drogendealer in Brasilien, gehandelt, «blind vor Liebe». Ihre Rolle in der Organisation sei eine untergeordnete gewesen. Angemessen sei eine bedingte 24-monatige Freiheitsstrafe.

Der Verteidiger des Pfarrers sieht in nur einem Fall einen Schuldspruch angebracht. Er plädierte auf 18 Monate bedingt. Es sei nicht erwiesen, dass mit den von ihm gebuchten Tickets Drogenkuriere gereist seien und dass das Geld, das er ins Ausland überwies, Drogengeld war.

«Krankhaftes Helfersyndrom»

Über die Persönlichkeit des umfassend geständigen Pfarrers A.W. waren sich Anklage und Verteidigung einig. Sie zeichneten ein Bild eines naiven gutherzigen Mannes. Laut Staatsanwältin hat er «ein krankhaftes Helfersyndrom». Laut Verteidiger ist er «von Grund auf ehrlich».

Von der Mitbeschuldigten habe er sich trotz unguten Gefühlen immer wieder für Hilfsdienste einspannen lassen, buchte Tickets für Drogenkuriere und überwies Gelder, von denen er annehmen musste, dass sie aus dem Drogenhandel stammten. Sein Verschulden wiege nicht leicht, sagte die Staatsanwältin.

In ihren Schlussworten beteuerten beide Beschuldigten ihre Reue. A.W. versicherte, sich künftig besser abgrenzen zu können - wenn er auch weiterhin offen bleibe gegenüber Menschen in Not. Die Frau entschuldigte sich beim Beschuldigten, dass sie ihn da hineingezogen habe. Künftig werde sie andere Prioritäten setzen und nur noch für ihre Tochter leben.

Während der Pfarrer auf freiem Fuss ist, sitzt die 30-Jährige seit einem Jahr in Haft, zusammen mit ihrem gut einjährigen Töchterchen. Das Urteil wird am 11. Mai eröffnet.

In Subingen nichts mehr zu holen

In einer Praxisfirma absolviert der Ex-Pfarrer heute eine kaufmännische Ausbildung. Er hofft, dereinst wieder einer reformierten Gemeinde vorzustehen. Er wolle für Menschen in Schwierigkeiten weiter eine offene Tür haben, sagte er im Schlusswort. «Künftig werde ich mich aber besser abgrenzen.» (crs/sda)

* Name der Redaktion bekannt