Drug Checking

Drogentests als Schweizer Exportschlager: Der geprüfte Rausch

In Schweizer Städten kann man seine Drogen anonym auf schädliche Substanzen testen lassen.

In Schweizer Städten kann man seine Drogen anonym auf schädliche Substanzen testen lassen.

Die offizielle Schweiz propagiert im Ausland das straffreie Testen von Drogen. Gesundheit vor Legalität, lautet die Devise.

Es ist, wie man so schön sagt, eine Erfolgsgeschichte Made in Switzerland: Drogenpolitisch hat das Land einiges zu bieten. Ein wichtiges Stichwort lautet Schadensminderung. Was steckt genau drin in Kokain, Ecstasy oder Amphetaminen? Viele illegale Substanzen sind gestreckt, verunreinigt oder zu hoch dosiert. Damit Konsumenten zumindest solche Gefahren verhindern können, gibt es Drug Checking: Fachstellen, bei denen die Rauschmittel kostenlos auf ihre Inhaltsstoffe geprüft werden.

Im Jahr 2006 eröffnete Zürich als erste Stadt ein amtliches Drogeninformationszentrum, inzwischen gibt es solche auch in Basel, Bern und Genf. In Luzern soll bald ein Pilotprojekt starten. Die Tests von Pillen und Pülverchen sind an obligatorische Beratungsgespräche gebunden. In externen Labors werden die Proben untersucht, die Konsumenten können das Ergebnis ein paar Tage später abfragen. Alles läuft anonym ab. Gesundheit vor Legalität, heisst die Devise.

Für das Aussendepartement ist das Drug Checking eine richtige «Swiss Story». Unter diesem Label publiziert das Ministerium von Bundesrat Ignazio Cassis regelmässig Beiträge über helvetische Errungenschaften. Die Onlineartikel sind Teil der sogenannten Landeskommunikation. Sie finden sich auf der departementseigenen «House of Switzerland»-Website und werden unter anderem über die Kanäle der Schweizer Botschaften rund um die Welt verbreitet.

Eine neue «Swiss Story» erklärt, warum Drug Checking «eine pragmatische Antwort ist auf die Tatsache, dass sich ein Teil der Bevölkerung trotz Verboten und Präventionsangeboten nicht vom Konsum dieser Substanzen abhalten lässt». Es handle sich um einen «innovativen Schweizer Ansatz». Konsumenten erhielten mehr Gesundheitskompetenz, wenn sie über die Zusammensetzung der Substanzen informiert und sich der Risiken bewusst seien.

Im Beitrag aus dem Hause Cassis erfährt das ausländische Publikum, wie das Ganze genau funktioniert. Nicht zuletzt trage Drug Checking als «Monitoring des illegalen Drogenmarktes» dazu bei, Trends und Dynamiken zu verstehen, heisst es. Über das Testangebot erhalten die Drogenberater einen guten Überblick, welche Pillen sich gerade grosser Beliebtheit erfreuen. Fachstellen aus ganz Europa sind auf Schweizer Daten angewiesen.

Deutsche prüfen Schweizer Modell

Drogen straffrei testen lassen – und erst dann abheben: Das Modell gibt es unterdessen in mehreren europäischen Ländern. In Frankreich, den Niederlanden und in Teilen Österreichs sind die Drogentests etabliert.

Nun könnte es sie bald auch in Deutschland geben: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), wirbt für die Einführung eines Modells à la Schweiz. «Damit können Konsumenten erreicht werden, die von der klassischen Suchtberatung nicht angesprochen werden», sagte die Politikerin jüngst der «Rheinischen Post». Der neue Pragmatismus der deutschen Verantwortlichen überrascht. Denn: «Drogensüchtige waren für die Christsozialen lange Zeit potenziell Kriminelle», wunderte sich «Die Welt».

Bereits in den Startlöchern steht das Drug Checking in Berlin. Die links-grüne Regierung hat die Einführung der Tests in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Konzeptionell ähnelt ihr Projekt jenem in der Schweiz. Laut den zuständigen Behörden sprechen die Erfahrungen im Nachbarland für die Einführung. «An bis zu drei Standorten der Drogenberatung soll das Drug Checking angeboten werden. Beim ersten Gespräch mit einem Mitarbeiter der Einrichtung wird die Probe genommen und ein Beratungsgespräch angeboten», erklärte die zuständige Berliner Senatsverwaltung der Deutschen Presse-Agentur. Der Starttermin für das Projekt steht allerdings nicht fest.

Drogenchecks in Osteuropa angepriesen

In welche Länder könnte die eidgenössische Drogenpolitik noch exportiert werden? Zu den Schweizer Vertretungen im Ausland, die via soziale Medien die Erfolgsstory des Drug Checking verbreitet haben, gehören die Botschaften in Bulgarien und Rumänien.

Die Bemühungen sind bemerkenswert, schliesslich verfolgen die beiden Gaststaaten eine restriktive Linie. Wer Drogen besitzt, muss mit drakonischen Konsequenzen rechnen. Bulgarien-Touristen warnt das Berner Aussendepartement gar in seinen Reisehinweisen: «Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden schon bei geringen Mengen und bei jeder Art von Drogen hart bestraft.» Man müsse mit bis zu 30 Jahren Gefängnis und zusätzlichen Bussen rechnen.

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Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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