Verstösse

Direktor des Circus Royal angeklagt – Berner Veterinäramt schreitet ein, Tiere sollen umplatziert werden

Watussi-Rinder gehörten neben Ponys lange zum Programm des Circus Royal. Jetzt ist eine Annonce aufgetaucht, welche die Tiere zum Verkauf anpreist. So weit dürfte es aber kaum kommen.

Watussi-Rinder gehörten neben Ponys lange zum Programm des Circus Royal. Jetzt ist eine Annonce aufgetaucht, welche die Tiere zum Verkauf anpreist. So weit dürfte es aber kaum kommen.

Die Staatsanwaltschaft Thurgau hat beim Bezirksgericht Kreuzlingen gegen den Direktor des Circus Royal Anklage erhoben. Es geht um Verstösse gegen das Ausländerrecht sowie Betreibungs- und Konkursdelikte. Derweil werden einige Zirkustiere im Internet zum Verkauf angeboten – das Berner Veterinäramt will laut gut unterrichteten Quellen am Donnerstag die ersten Tiere umplatzieren.

Was bisher geschah:

«Sie suchen etwas Spezielles? Dann werden Sie hier eventuell fündig.» Die Internet-Annonce, die so beginnt, preist drei Watussi-Rinder zum Verkauf an. Die Tiere seien sich das Verladen im Transporter gewohnt, heisst es in der Anzeige weiter. Der Standort der exotischen Zirkustiere: Roggwil BE im Oberaargau. Der Verdacht, dass es sich um Tiere aus dem Circus Royal handelt, erhärtet sich rasch. Die angegebene Telefonnummer wurde in der Vergangenheit bereits in diversen Inseraten aufgeführt, mithilfe derer Zirkusmitarbeiter gefunden werden sollten.

In Roggwil BE betreibt Daniel Gasser, der Bruder des 2018 verstorbenen ehemaligen Royal-Direktors Peter Gasser, einen Mini-Freizeitpark. Auf Anfrage hält Daniel Gasser aber fest, dass die Tiere nicht bei ihm seien. Er sagt:

Dass die Tiere ausgerechnet in Roggwil BE untergebracht wurden, sei reiner Zufall.

Veterinärdienst führt am Montag Kontrolle durch

Zum Verkauf der drei Watussi-Rinder wird es aber wohl nicht mehr kommen. Recherchen dieser Zeitung ergeben, dass der Berner Veterinärdienst am vergangenen Montag eine Kontrolle der Tierhaltung des Circus Royal in Roggwil durchgeführt hat.

Dabei sind insbesondere bei den Kamelen Mängel festgestellt worden. Kritisiert wurde offenbar neben dem zum Teil schlechten körperlichen Zustand der Tiere auch die Örtlichkeit, an der sie zurzeit untergebracht sind.

Verzichtserklärung oder Beschlagnahmung

Die Konsequenz: Ein Teil der Tiere wird bis Ende dieser Woche umplatziert, der Rest soll später abtransportiert werden. Falls der Zirkus nicht selbst einen tierschutzkonformen Ort findet, bleiben laut Recherchen unserer Zeitung nur zwei Alternativen: Der Zirkus verzichtet auf die Tiere – und unterschreibt eine entsprechende Verzichtserklärung. Oder aber: Der Zirkus verzichtet nicht auf die Tiere. Das würde bedeuten, dass einige Tiere noch diese Woche vom Veterinärdienst beschlagnahmt würden. In beiden Fällen müsste der Zirkus die Kosten tragen.

Falls die restlichen Tiere bis Ende Monat nicht weggebracht würden, würde auch bei ihnen der gleiche Weg beschritten werden.

Beim Veterinärdienst des Kantons Bern heisst es am Mittwoch auf Anfrage lediglich: «Dem Veterinärdienst des Kantons Bern ist die Tierhaltung in Roggwil bekannt. Der Veterinärdienst kennt die Situation vor Ort und ist aktiv. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir uns nicht weiter zu diesem Fall äussern.»

Bezirksgericht bestätigt Anklage

Rückblende: Am 26. Juni 2018 ist der Konkurs über die Circus Royal Betriebs GmbH eröffnet worden. Nur zwei Wochen vor diesem Datum hat Direktor Oliver Skreinig eine neue Firma im Handelsregister eintragen lassen. Skreinig will nichts vom Konkurs gewusst haben, wie er damals zu dieser Zeitung sagte. Er hatte sich gerade von seinem langjährigen Partner Peter Gasser getrennt und wollte den Zirkus alleine fortführen.

Das Thurgauer Konkursamt prüfte darauf hin, welche Aktiven der Direktor von der alten in die neue Firma fliessen liess. Mittlerweile sind die Untersuchungen abgeschlossen und die Staatsanwaltschaft Thurgau hat Anklage erhoben, wie Mediensprecher Marco Breu am Mittwoch auf Anfrage sagt.

Die Liste der Delikte ist lang

Das Bezirksgericht Kreuzlingen bestätigt den Eingang der Anklage. Die Liste der Delikte, die dem Zirkusdirektor vorgeworfen werden, ist lang: mehrfache Misswirtschaft, mehrfache Unterlassung der Buchführung, mehrfache Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung, mehrfache Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie Zweckentfremdung von Arbeitgeberbeiträgen. Der Termin für die Verhandlung ist noch nicht bekannt, es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Thurgau gegen Oliver Skreinig fordert keine Haftstrafe, wie Breu sagt. Auch hatte die Staatsanwaltschaft keine Untersuchungshaft oder andere Zwangsmassnahmen beantragt. Mit der Anklageerhebung liegen die Akten nun beim zuständigen Bezirksgericht. Haft und andere Massnahmen müsste das Gericht somit selbst beantragen.

Marco Breu, Mediensprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft.

Marco Breu, Mediensprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft.

Weitere Meldungen seien bei der Staatsanwaltschaft bisher nicht eingegangen: «Anzeigen im Zusammenhang mit der zuletzt aktuellen Betriebsgesellschaft liegen der Staatsanwaltschaft soweit aus der Datenverwaltung ersichtlich nicht oder noch nicht vor.»

Mehrmals Arbeiter ohne Bewilligung angestellt

Auch bei den Arbeitsverträgen lief nicht alles korrekt. Im am 17. September führte die Kantonspolizei Thurgau im Auftrag des Amts für Arbeit und Wirtschaft beim Zirkus in Kreuzlingen eine Kontrolle durch. Dabei wurden vier moldawische Staatsangehörige ohne gültige Arbeitsbewilligung festgenommen.

Ein weiterer Vorfall dieser Art hatte sich bereits im August 2018 ereignet, wie nun klar wird. Schon damals beschäftigte der Zirkus illegal Ausländer ohne Bewilligung. Dies wurde in der Anklageschrift festgehalten, wie Breu sagt. Der Vorfall vom September 2019 sei derweil noch hängig. Sie könne aber bei Bedarf nachträglich der Anklageschrift hinzugefügt werden.

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