Ungleichgewicht

Diese Politikerinnen wollen verhindern, dass der Ständerat endgültig zum Männerclub wird

Nur eine der sieben Ständerätinnen tritt im Herbst erneut an. Eine Reihe prominenter Politikerinnen will in ihren Kantonen dafür sorgen, dass der Frauen-Anteil in der kleinen Kammer trotzdem nicht ins Bodenlose fällt.

Es sah lange nicht gut aus für den Frauen-Anteil im Ständerat. Nur eine einzige der sieben Ständerätinnen tritt im Herbst wieder an: Die Thurgauerin Brigitte Häberli-Koller (CVP). Die anderen sechs, darunter klingenden Namen wie Pascale Bruderer (SP/AG), Anita Fetz (SP/BS) oder Karin Keller-Sutter (FDP/SG), werden sich aus der kleinen Kammer zurückziehen - oder haben das im Fall von Keller-Sutter, die in den Bunderat gewählt wurde, bereits getan.

7 Frauen, 39 Männer: Besonders ausgeglichen verteilt waren die Ständeratssitze schon bisher nicht. Nach den Rücktritten der sechs Frauen droht nun gar eine weitere Verschlechterung. Doch in den letzten Wochen und Monaten hat sich eine ganze Reihe von prominenten Politikerinnen entschieden, eine Sitz im Ständerat anzupeilen.

Zum Beispiel im Kanton Uri. Dort will Heidi Z'graggen den Sitz der CVP verteidigen, nachdem Isidor Baumann angekündigt hat, im Herbst nicht mehr anzutreten. Die Urnerin hat Ende des letzten Jahres nationale Bekanntheit erlangt, als sie im Rennen um die Nachfolge von Doris Leuthard im Bundesrat gegen Viola Amherd unterlag. Auch in einem anderen Innerschweizer Kanton tritt eine CVP-Frau an: In Luzern will Nationalrätin Andrea Gmür die Nachfolgerin von Konrad Graber werden.

Im Nordwesten der Schweiz haben drei Frauen eine  Chance auf den Einzug in den Ständerat. In Basel-Stadt wirft sich die derzeitige Finanzdirektorin Eva Herzog (SP) ins Rennen um die Nachfolgen von Anita Fetz. Nebenan, im Baselbiet, will mit Maya Graf eine langjährige Nationalrätin den Sprung in die kleine Kammer schaffen. Die Grüne trifft dabei mit Daniela Schneeberger aus der FDP auf eine weitere Frau mit Erfahrung in Bundesbern.

Im Kanton Aargau werden nach den Rücktritten von Pascale Bruderer und Philipp Müller (CVP/AG) beide Sitze frei. Marianne Binder, CVP-Grossrätin, trifft dort auf starke Konkurrenz: Cédric Wermuth von der SP, Thierry Burkart von der FDP und Hansjörg Knecht von der SVP.

Regula Rytz hat sich als Präsidentin der Grünen einen Namen gemacht. Sie peilt nun im Kanton Bern den Einzug in den Ständerat an. Im Rennen um den linken Berner Sitz trifft sie auf Hans Stöckli, der den Sitz seit 2015 für die SP hält.

Auch in der Westschweiz tritt eine Reihe bekannter Frauen-Gesichter an. Da sind etwa Lisa Mazzone von den Grünen und Céline Amaudruz von der SVP im Kanton Genf. In der Waadt will SP-Nationalrätin Ada Marra den Sitz ihrer Parteikollegin Géraldine Savary erben.

Der Frauenanteil im Ständerat ist in den letzten Legislaturperioden stets zurückgegangen. Seinen Höhepunkt erreichte er bereits im Jahr 2003. Damals betrug er fast ein Viertel - oder 11 Sitze. Vorangegangen waren diesem Rekord eine Zeit der mehr oder weniger stetigen Zunahme.

1975 war noch gar keine Frau Mitglied der kleinen Kammer, 1987 waren es dann bereits 5. Seit der Rekordmarke von 2003 ist die Zahl wieder rückläufig. Die grosse Trendwende, das steht schon jetzt fest, wird es auch dieses Jahr nicht geben - trotz der prominenten Kandidatinnen.

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