Jacqueline Fehr

Die Zürcher Regierung wollte den Papst beeinflussen

Jacqueline Fehr sorgt sich um das Verhältnis zwischen Landeskirche und dem Bistum Chur.

Jacqueline Fehr sorgt sich um das Verhältnis zwischen Landeskirche und dem Bistum Chur.

Geht der künftige Churer Bischof auf Konfrontationskurs mit den Landeskirchen? Ein solches Szenario wollte Jacqueline Fehr mit einem Brief an den Papst vereiteln. Doch andere Bistumskantone lassen die Zürcher Regierungsrätin im Regen stehen.

Noch immer wirkt Pierre Bürcher im Bistum Chur als Apostolischer Administrator, eine Art Übergangsbischof. Noch immer bleibt die Nachfolge von Vitus Huonder ein ungelöstes Rätsel. Nach immer befürchten reformorientierte Katholiken, es könnte erneut ein konservativer Gottesmann Bischof werden.

Die Sorge vor einer «falschen» Wahl und anhaltenden Spannungen umtreibt auch die Jacqueline Fehr. Die Zürcher Justizdirektorin, zuständig für kirchliche Angelegenheiten, setzte deshalb einen Brief auf, der via Bundesrat zum Papst gelangen sollte.

Die SP-Politikerin befürchtet, der künftige Bischof könnte das duale System mit den demokratisch organisierten Landeskirchen noch stärker ablehnen als Huonder – und damit eine Krise zwischen den Landeskirchen und der Katholischen Kirche heraufbeschwören. Sie bangt sodann um die ökumenische Kooperation.

Bangen um das «friedliche Miteinander»

Die Regierungsrätin wollte deshalb den Bundesrat bitten, «dem Heiligen Stuhl gegenüber diese Bedenken zum Ausdruck zu bringen und ihm aufzuzeigen, welche Bedeutung die Besetzung des Bischofsstuhls in Chur für die Beziehungen zwischen Staat und Kirche in der Schweiz und für das friedliche Miteinander der Religionsgemeinschaften zukommt».

Fehr unterstützt mit ihrer Haltung die Vereinigung der Landeskirchen im Bistum Chur. Sie bat zudem die anderen Bistumskantone (GR, GL, SZ, UR, NW, OW), das Schreiben mitzuunterzeichnen.

Die Landeskirchen, eine Eigenheit der Schweiz, sind vom Staat geschaffene Körperschaften. Sie verwalten die Kirchensteuern und verwenden sie für die kirchliche Arbeit, mehr oder weniger in Zusammenarbeit mit den Bischöfen.

Dass sich Fehr wegen der Churer Bischofspersonalie an den Papst wendet, kommt nicht von ungefähr. Die NZZ wollte nun neulich wissen, dass derzeit lauter Namen im Rennen sind, welche für progressive Katholiken ein Albtraum seien – darunter Martin Grichting. Der Generalvikar des Bistums Chur gilt als Bruder im Geiste von Huonder und hat sich schon mehrfach kritisch bis ablehnend zu den Landeskirchen geäussert.

Wann der neue Bischof installiert wird, ist offen. Der Nuntius in Bern, Thomas Gullickson, unterbreitet Franziskus eine Liste mit möglichen Kandidaten. Daraus erstellt der Papst ein Dreierticket, aus dem schliesslich das Churer Domkapitel, bestehend aus 24 Domherren, den neuen Oberhirten kürt.

Das Bistum Chur zeigt sich derweil «schockiert» über Fehrs Beeinflussungsversuch, wie Sprecher Giuseppe Gracia sagt. «Ihr Versuch, vom Papst einen Bischof zu bekommen, der dem Staat genehm ist, verstösst gegen die Trennung von Staat und Religion. Wir betrachten das als Amtsmissbrauch», ergänzt er.

Und: «Das ist, als würde umgekehrt der Papst dazu aufrufen, in der Schweiz nur Regierungsräte zu wählen, die der Kirche genehm sind, und Abtreibung oder Sterbehilfe ablehnen. Das gäbe einen Aufschrei.»

Schwyz sieht keinen Grund für Intervention

Fehr kommentiert die scharfe Kritik nicht. Ihr Gegenüber sei gemäss dem kantonalen Kirchengesetz die katholische Körperschaft, nicht das Bistum, lässt sie via eine Sprecherin ausrichten. Den Brief wird Fehr indes ohnehin nicht abschicken. Der Grund: Sie konnte die anderen Bistumskantone nicht um sich scharen. Mehrere lehnen eine staatliche Einmischung in eine Kirchenpersonalie ab.

Der Kanton Schwyz etwa sieht keinerlei Veranlassung für irgendeine Intervention, wie das die Zürcher Justizdirektorin angestrengt habe, sagt Landammann Kaspar Michel (FDP). Und: «Die Wahl des Diözesanbischofs ist eine innerkirchliche Angelegenheit und folgt eigenen Regeln. Diese Regeln werden unseres Wissens eingehalten.»

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