Meyer/Wermuth

Die Unterschätzte und der Wahlkämpfer: Das sind die zwei einzigen Anwärter fürs SP-Präsidium

Mattea Meyer und Cédric Wermuth kandidieren gemeinsam für das SP-Präsidium.

Mattea Meyer und Cédric Wermuth kandidieren gemeinsam für das SP-Präsidium.

Mattea Meyer und Cédric Wermuth werden aller Voraussicht nach im Herbst von den Delegierten ins Präsidium gewählt. Wer sind die beiden? Zwei Kurzporträts.

Mattea Meyer: die Humorvolle mit «Pfadiführerinnen-Qualitäten»

Die Zürcher Nationalrätin Mattea Meyer kandidiert für das SP-Präsidium.

Die Zürcher Nationalrätin Mattea Meyer kandidiert für das SP-Präsidium.

«Als ob es falsch wäre, von einer besseren Zukunft für uns alle zu träumen»: So machte Mattea Meyer im Frühjahr 2020 in einem Blogbeitrag ihrem Ärger über die Medienberichterstattung zur gemeinsamen Kandidatur mit Cédric Wermuth Luft. Sie werde als «junge linke Frau ohne Ahnung» abgestempelt, ohne Verständnis für die Sorgen der arbeitenden Menschen. Als «Anhängsel von Cédric Wermuth, als Frau im Schatten eines Mannes».

Solche Charakterisierungen greifen tatsächlich zu kurz. Auch wenn Viel- und Schnellredner Wermuth national bekannter sein dürfte: Innerhalb der zukünftigen SP-Spitze ist Meyer keinesfalls die Nummer zwei. Bei der Parteibasis kommt Meyers zugängliche und humorvolle Art besser an als Wermuths manchmal dozierende Intellektualität. Zudem ist ihr die Solidarität der SP-Frauen sicher, die in den letzten Jahren kein nationales Spitzenamt besetzen konnten.

Mattea Meyers politische Karriere verlief steil nach oben: 2009 Juso-Vizepräsidentin, 2010 Gemeinderätin in Winterthur, 2011 Zürcher Kantonsrätin, 2015 schafft sie den Sprung in den Nationalrat, im Herbst 2019 gelingt ihr die problemlose Wiederwahl mit dem zweitbesten Ergebnis auf der Zürcher SP-Liste. Als Co-Präsidentin der SP Winterthur gelingt ihrer Partei die Wiedereroberung der Regierungsmehrheit.

Eine ihr wohlgesonnene SP-Nationalratskollegin attestiert Meyer «Pfadiführerinnen-Qualitäten». Sie werde die Partei motivieren können und sei ein Organisationstalent. Im Nationalrat gelangt ihr während der ausserordentlichen Session im Mai beinahe ein Coup: Die grosse Kammer stimmte ihrer Motion für ein Dividendenverbot für Firmen zu, die Kurzarbeit beantragt haben. Erst im Ständerat scheiterte das Anliegen – wo ihr bürgerliche Männer vorwarfen, «von Wirtschaft keine Ahnung zu haben».

Cédric Wermuth: mit der Provokation erfolgreich geworden

Der Aargauer Nationalrat Cédric Wermuth will mit Meyer ins Co-Präsidium an der SP-Spitze gewählt werden.

Der Aargauer Nationalrat Cédric Wermuth will mit Meyer ins Co-Präsidium an der SP-Spitze gewählt werden.

Cédric Wermuth trat 13-jährig der Juso bei und legte seither eine steile Politkarriere hin. Zunächst als Zentralsekretär, dann als Präsident krempelte er die Juso Schweiz zu einer politisch relevanten Kraft um. 2011 gelang dem Aargauer dann der Sprung in den Nationalrat, mit 25 Jahren.

Jetzt, als 34-Jähriger will er zusammen mit der Zürcherin Mattea Meyer die zweitgrösste Partei des Landes führen. Die beiden kennen sich gut – und lange. Während Juso-Zeiten waltete Wermuth als Präsident und Meyer als dessen Vize. Sogar im innerparteilichen Wahlkampf sieht sich Wermuth mit dem Vorwurf konfrontiert, nie einer regulären Erwerbsarbeit nachgegangen zu sein. Nach der Kantonsschule Wohlen studierte er Politikwissenschaften und Geschichte, 2015 schloss er ab. Da sass er bereits im Nationalrat. Nebenher arbeitet er als Strategie- und Kommunikationsberater für Spinas Civil Voices GmbH.

Cédric Wermuth: "Ich freue mich auf den Wahlkampf"

Cédric Wermuth: "Ich freue mich auf den Wahlkampf"

  

Was er in seinem jüngsten Wahlkampf leistete, könnte als Blaupause der Zukunft dienen: Mit seiner Crowd-Kampagne erreichte er viele Wähler. Zwar schaffte er den angestrebten Einzug in den Ständerat nicht. Aber ihm gelang, wovon andere Kantonalsektionen nur träumen konnten: Die SP Aargau legte zu und konnte sogar einen Sitz gewinnen.

Jahrelang befeuerte Wermuth seine politische Karriere mit Provokationen, als er an einem Parteitag einen Joint anzündete oder in Baden das altehrwürdige Hotel Verenahof besetzte. Längst ist es ruhiger um den zweifachen Vater geworden. Doch kann er auch bei älteren Parteimitgliedern punkten? Und auf dem Land? Zumindest auf die letzte Frage weiss er eine klare Antwort: Er sei im Aargauer Freiamt zwischen zwei Bauernhöfen aufgewachsen. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Zofingen, in einer Genossenschaft mit Minergie-P-Eco-Zertifikat und teilt mit zwei anderen Parteien ein Auto.

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