Wintertourismus

Die Talsohle im Tourismus ist erreicht: Skination entdeckt das weisse Pulver wieder

Das Matterhorn als grandiose Kulisse Skifahrer am Gornergrat. Zermatt profitiert vom Titel «Best Ski Resort» in den Alpen.

Das Matterhorn als grandiose Kulisse Skifahrer am Gornergrat. Zermatt profitiert vom Titel «Best Ski Resort» in den Alpen.

In den Bergen macht sich nach Jahren der Flaute wieder vorsichtiger Optimismus breit. Die grossen Schweizer Skigebiete melden gute Buchungszahlen. Sogar der starke Franken hält Touristen aus Europa weniger davon ab, in der Schweiz Ferien zu machen.

Zermatt ist «gut ausgelastet.» Arosa «gut gebucht». Das gleiche gilt für Engelberg. «Gut bis sehr gut» ist der Buchungsstand auf der Lenzerheide. Gstaad richtet aus: «Aktuell entwickeln sich die Zahlen positiver als erwartet.» Sedrun und Disentis bezeichnen den Buchungsstand als «zufriedenstellend».

In der Aletsch Arena mit Rieder- und Bettmeralp sind die 11 600 Betten in Ferienwohnungen in den kommenden Wochen zu 88 bis 98 Prozent ausgelastet. St. Moritz ist fast voll (siehe Box). Muss auch so sein: Ab der kommenden Woche wetteifern unsere Ski-Cracks auf der Corviglia um Weltmeisterschaftsmedaillen.

Kurzentschlossene finden Zimmer

Gleichzeitig sind Sportferien. Die «Nordwestschweiz» fragte deshalb in einem Dutzend Tourismusorten nach dem Buchungsstand in Hotels und von Ferienwohnungen in den kommenden vier Wochen. Positiv für Kurzentschlossene ist: Gut ausgelastet bedeutet nicht ausgebucht. Wer bis zum 4. März ein Zimmer in einem Hotel oder eine Ferienwohnung auf Buchungsportalen sucht, beispielsweise auf denjenigen der Skiorte, findet etwas.

Je nach Tag betrage der Buchungsstand «zwischen 56 und 95 Prozent», sagt Daniel Luggen von Zermatt Tourismus: «Die Weekends sind gut gebucht. Von Sonntag bis Freitag hat es noch genügend Kapazitäten.» In Engelberg (OW) sind gemäss Tourismusdirektor Frédéric Füssenich die Hotels zu 70 Prozent ausgebucht. Damit liegt der Buchungsstand aktuell über sieben Prozent höher als im Vorjahr.

Die Umfrage zeigt obendrein: Die vom harten Franken gebeutelten Touristiker in den Alpen jammern weniger als auch schon. Der Buchungsstand sei gut, bestätigt Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus: «Wir sind ungefähr auf Vorjahresniveau, vielleicht etwas darüber.»

Selbstverständlich ist das nicht: Ein Euro kostete vor einem Jahr 1.11 Franken. Gestern waren es noch 1.07. Der Franken ist also erneut stärker geworden. Das bedeutet: Für Gäste aus der Eurozone ist die Schweiz teurer als im vergangenen Februar. Dennoch sagt Yvonne Wüthrich, Sprecherin von Arosa Tourismus: «Der starke Franken ist deutlich weniger ein Thema als auch schon.» Die Gästezahlen aus Deutschland nähmen wieder zu: «Bereits im Sommer war ein solcher Trend spürbar.» Dies gilt auch für Engelberg, sagt Füssenich: «Deutschland kommt wieder.»

Lesen Sie hier auch den Kommentar von az-Chefredaktor Patrik Müller.

Für andere Destinationen gilt dies – noch? – nicht. So sagt Hans-Kaspar Schwarzenbach, Leiter von Sedrun Disentis Tourismus: «Die traditionell starken Gästezahlen aus Holland und Deutschland vermissen wir nach wie vor.» In Zermatt hat sich der Gästemix verändert. Es reisen, so Luggen, «mehr Schweizer, Asiaten und Amerikaner» an, aber «weniger Deutsche, Franzosen und Holländer».

Dafür lassen sich wieder mehr Russen und Engländer am Fuss des Matterhorns blicken. Grossbritannien ist der drittwichtigste Markt der Walliser. Auch Gstaad Saanenland verzeichnet «ein leichtes Plus» bei den Briten. «Zudem sehen wir einen Aufwärtstrend bei den Gästen aus den Golfstaaten», sagt Sprecherin Kerstin Sonnekalb. Arosa profitiert laut Yvonne Wüthrich «von einem leichten Anstieg der Gäste aus Skandinavien und China».

Noch wichtiger für die Skiorte sind und bleiben Schweizer. Sie sind gemäss Jürg Schmid das «starke Rückgrat der Wintersaison». Auf der Lenzerheide machen sie 90 Prozent aller Gäste aus. Auch in der Aletsch Arena tummeln sich in den Sportferien vor allem Schweizer. «Sehr viele sind Stammgäste und daher sehr loyal», sagt Sprecherin Monika König-Gottsponer.
Auch wenn die Branche für die kommenden Wochen eher optimistisch gestimmt ist: Ob die gesamte Wintersaison gut verlaufen wird, hängt noch von vielen Faktoren ab. Zum einen natürlich vom Wetter: Ist es gut, schnellt kurzfristig die Zahl der Buchungen in die Höhe. Ist es schlecht, die Zahl der Stornierungen. Heute komme es gar vor, dass Gäste an drei verschiedenen Orten zugleich buchen, sagt ein Touristiker. Anreisen tun sie dann dort, wo die äusseren Bedingungen stimmen.

Schwieriger Saisonstart

Die waren anfangs Winter je nach Skiort eher durchzogen. Das Wetter war zwar blendend, doch fehlte der Schnee. Der schwierige Start in die Saison hinterliess teilweise Spuren. So konnten Disentis und Sedrun laut Hans-Kaspar Schwarzenbach die im Vergleich zum Vorjahr schwachen Weihnachtstage «bisher nicht wettmachen». Daher rechnet er mit einer «unterdurchschnittlichen» Wintersaison.

Schlechter gestartet sei diese auch auf der Lenzerheide. Kompensiert werden könne dies möglicherweise, weil erst Mitte April Ostern sei. Dafür hofft die Destination laut Sprecherin Marlen Schwarz «auf noch etwas mehr Naturschnee, an schliessend viele sonnige Tage und kalte Temperaturen». Zumindest auf Vorjahreshöhe dürften Arosa und Gstaad-Saanen abschneiden.

Zermatt gibt sich Bestnoten

Es hängt eben sehr viel von den Schneeverhältnissen ab. Kunstschnee und viel Sonne sei Dank arbeiteten die Titlisbahnen im Dezember gut. In der Aletsch Arena starteten die Bergbahnen die Saison am 19. November. Bis Ende Januar resultierte ein Umsatzplus von sieben Prozent. In Zermatt konnten die Bergbahnen die Frequenzen laut Luggen um sechs Prozent steigern. Wegen der Schneesicherheit Zermatts seien die Übernachtungen selbst im November und im Dezember leicht höher gewesen als im Vorjahr. Die aktuelle Saison dürfte um vier bis fünf Prozent besser ausfallen als im Vorjahr, schätzt Luggen.

Die Touristiker am Matterhorn blicken mit geschwellter Brust in die Zukunft. Die Region wurde zum zweiten Mal von Schneesport-Fans zum «Best Ski Resort» in den Alpen gekürt. Daniel Luggen sagt, sie benötigten keine Aktionen: «Wir hängen die ausländische Konkurrenz mit einem Top-Produkt und einer Super-Gastgeberleistung ab.» Das sind Attribute, mit denen in der Regel die österreichische Konkurrenz versehen wird.

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