Ein Spitzenbeamter in der Regierung von US-Präsident Donald Trump ist mit der Schweiz auf besondere Weise verbunden: T. Ulrich Brechbuhl besetzt im Aussendepartment als «Counselor of the Department» einen der wichtigsten Posten. Der enge Wegbegleiter und Berater von Aussenminister Mike Pompeo ist in der Schweiz geboren, spricht fliessend Berndeutsch und kennt das Land bestens. Das hat die Redaktion von CH Media enthüllt.

Im Alter von zwei Jahren kam Brechbuhl mit seiner Familie in die USA. Die Brechbühls – in der Schweiz schrieben sie sich noch mit Umlaut – stammen aus dem Berner Oberland. Wirtschaftsvertreter hoffen aktuell, dass der mit der Schweiz vertraute Beamte dem schweizerisch-amerikanischen Freihandelsabkommen endlich zum Durchbruch verhelfen kann.

Die Geschichte weckt Erinnerungen an einen Mann, der erstaunliche Parallelen zu Brechbuhl aufweist. Denn schon einmal gab es im Umfeld eines US-Präsidenten einen Spitzenpolitiker, in dessen Adern Schweizer Blut floss; er war als Kabinettsmitglied sogar noch deutlich ranghöher als Brechbuhl. Und schon einmal glaubten die Vertreter der Eidgenossenschaft, dass ihnen ein amerikanischer Freund zu einem Freihandelsabkommen verhelfen könnte.

Rob Portman heisst der Mann, dessen Wurzeln über die väterliche Seite in den Kanton Solothurn führen. Der heute 63-jährige Jurist gehörte dem Kabinett von US-Präsident George W. Bush an, er war als Handelsvertreter der Regierung zuständig für die amerikanische Aussenwirtschaftspolitik und führte später als Direktor des Haushaltsbüros die grösste Präsidialbehörde. Der Republikaner hatte Ende der 1980er-Jahre bereits für Bushs Vater George senior als Berater im Weissen Haus gearbeitet, die Präsidentenfamilie gab ihm einst den Übernamen «Robby Bobby».

Nach einem kurzen Intermezzo in der Privatwirtschaft vertritt er seit dem Jahr 2011 den Bundesstaat Ohio mit seinen 11,7 Millionen Einwohnern im Senat, was dem Ständerat entspricht. 2012 trainierte Portman mit dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney für Fernsehduelle. Er mimte in gestellten Debatten den damals amtierenden Präsidenten Barack Obama.

Als die Schweiz mit den USA in den 2000er-Jahren über ein Freihandelsabkommen verhandelte, sass den helvetischen Vertretern um den damaligen Wirtschaftsminister Joseph Deiss (CVP) jeweils Portman gegenüber. Doch das Abkommen scheiterte, zu gross war in der Schweiz namentlich der Widerstand der Bauern. Es blieb bei sektoriellen Vereinbarungen. Der Bundesrat und der US-Handelsbeauftragte konnten immerhin ein «Kooperationsforum» initiieren.

Unkonventionell finanzierte Ausreise

Die Familie von Portman stammt aus Herbetswil. Mit der 550-Einwohner-Gemeinde im Solothurner Bezirk Thal fühlt er sich bis heute eng verbunden. Er stehe tief in der Schuld des Dorfes und seiner Vorfahren, erklärte Portman einmal. Den Herbetswiler Behörden überliess er unter anderem eine amerikanische Flagge, die einst über dem Washingtoner Kapitol wehte. Und im Schlepptau Portmans fand sogar der US-Botschafter in Bern schon den Weg in den Solothurner Jura: Im Jahr 2002 besuchte Rob Portman, damals auch Vorsitzender der «Friends of Switzerland Caucus» im Parlament, zum bisher letzten Mal das Haus seines Ururgrossvaters Urs Viktor, der 1868 samt seiner Familie nach Ohio ausgewandert war.

Im Jahr 2002 besuchte Rob Portmann (Mitte) die Gemeinde Herbetswil SO. Der Republikaner überreichte dem damaligen Gemeindepräsidenten Hans Fluri (l.) und dem Bürgergemeindepräsidenten Robert Huber eine amerikanische Flagge, die einst über dem Washingtoner Kapitol wehte.

Im Jahr 2002 besuchte Rob Portmann (Mitte) die Gemeinde Herbetswil SO. Der Republikaner überreichte dem damaligen Gemeindepräsidenten Hans Fluri (l.) und dem Bürgergemeindepräsidenten Robert Huber eine amerikanische Flagge, die einst über dem Washingtoner Kapitol wehte.

Wegen Geldsorgen und einem Streit mit den Gemeindebehörden blieb den Portmans, die ihren Namen hierzulande noch mit zwei «N» am Schluss schrieben, nicht viel anderes übrig als die Emigration ins gelobte Land Amerika (siehe Kasten unten). Ihre Geschichte steht exemplarisch für das, was im 19. Jahrhundert an der Tagesordnung war: Armut und Arbeitslosigkeit trieben zehntausende Schweizer ins Ausland. Es wanderten mehr Leute aus als ins Land kamen.

Für die Gemeinden wiederum war es am einfachsten, armengenössigen Bürgern eine Fahrt über den Atlantik zu bezahlen. Solche Amerika-Reisen finanzierte Herbetswil auch mit dem Erlös aus Rodungen; das Dorf verfügte über einen grossen Waldreichtum. An diese eigenwillige Form der Unterstützung für Ausreisewillige erinnert bis heute der Amerikanerschlag, ein Gebiet am Schattenhang der Gemeinde.