Guide Michelin
Die Schweiz hat so viele «Michelin»-Sterne wie noch nie

Die Spitzengastronomie in der Schweiz boomt. Die Tester des französischen Gastroführers «Guide Michelin» zeichnen 110 Adressen mit einem oder mehreren Sternen aus. Damit hat die Schweiz die höchste Sternendichte Europas.

Silvia Schaub
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Der Gastroführer unterstützt relativ junge Köche. (Symbolbild)

Der Gastroführer unterstützt relativ junge Köche. (Symbolbild)

Keystone

Nenad Mlinarevic vom Restaurant Focus im Park Hotel Vitznau kann sich freuen. Der Koch wird im Gastro-Führer Guide Michelin neuerdings mit zwei Sternen aufgeführt. Kein Wunder, bei Lehrmeistern wie Andreas Caminada vom Schloss Schauenstein in Fürstenau und René Redzepi vom Noma in Kopenhagen.

Mlinarevics Karte ist schnörkellos und zählt nur die Hauptzutaten auf statt sich in ausufernden, französisch inspirierten Ausführungen zu verlieren. Was er dann aber auf den Tisch zaubert, ist wie ein Gesamtkunstwerk, das die einzelnen Komponenten nicht in einem Einerlei versinken lässt, sondern ihre einzelnen Geschmacksnoten voll zur Geltung bringt.

Die Aufsteiger im Michelin 2014

Am Donnerstag, 21. November, erscheint die neueste Ausgabe des «Guide Michelin». Die Zahl der Schweizer 3-Sterne-Häuser bleibt mit zwei Adressen (Andreas Caminada, Schloss Schauenstein, Fürstenau und Benoît Violier, Hôtel de Ville, Crissier) auf dem Niveau des Vorjahres.

Neu mit zwei Sternen ausgezeichnet wurde Nenad Mlinarevic vom Focus in Vitznau. Neu mit einem Stern bewertet sind: Locanda Barbarossa, Ascona, Vivanda, Brail, Amrein's Seehofstübli, Davos, Funkes Obstgarten - Gourmetstübli, Freienbach, Bayview, Genf, Il Lago, Genf, Le Flacon, Genf, Sommet, Gstaad, Walserhof - Walserstube, Klosters, Nocturne, Kreuzlingen, Da Vittorio, St. Moritz, Pearl, Winterthur, After Seven, Zermatt, Mesa, Zürich, Pavillon, Zürich.

Guide Michelin Schweiz 2014, Fr. 33.-

Mlinarevic überzeugte auch die Inspektoren des Guide Michelins mit seiner nordisch inspirierten Küche. «Er versteht es meisterhaft, Aromen harmonisch miteinander zu kombinieren», schreibt der Guide Michelin.

Trend folgen

Damit folgt der Gastroführer weiter einem Trend, den er hierzulande schon seit ein paar Jahren zeigt: Er unterstützt relativ junge Köche - Mlinarevic ist erst 32 - , die modern bis sogar avantgardistisch kochen. Wie etwa Tanja Grandits vom Stucki Basel, die im letzten Jahr den zweiten Stern erhielt. Auch bei den neuen, mit einem Stern aufgeführten Restaurants findet man auffallend viele Junge.

Tobias Funke von Funkes Obstgarten in Freienbach, Dario Cadonau vom In Lain in Brail und Joachim Fecht vom Nocturne in Kreuzlingen gehören alle zu einer jungen aufstrebenden Garde. «Diese jungen Köche bringen trotz ihres Alters eine handwerklich fundierte Ausbildung und schon Erfahrung mit», sagt Ralf Flinkenflügel, Chefredaktor des «Guide Michelin» für Deutschland und die Schweiz. «Sie setzen ihr Können mit viel Engagement und Eifer um. Und diese Entwicklung macht uns viel Freude.»

Sterne-Restaurants im Einzugsgebiet der Nordwestschweiz:

2 Sterne:
Cheval Blanc und Stucki, Basel
Lampart's, Hägendorf SO

1 Stern:
Bel Etage und Matisse, Basel
Osteria Tre, Bubendorf BL
Wirtshaus Zur Säge, Flüh SO
Traube, Trimbach SO
Zum Alten Stephan, Solothurn
Usagiyama, Widen AG

Höchste Sternen-Dichte Europas

Damit hat die Schweiz die höchste Sternen-Dichte Europas - mit insgesamt 110 Adressen mit einem oder mehreren Sternen. Das zeigt allein der Vergleich mit Deutschland. Die Schweiz hat mit rund 8 Millionen Einwohnern 19 Zwei-Sterne-Restaurants. Deutschland bringt es mit der zehnfachen Einwohnerzahl gerade mal auf 38. Flinkenflügel begründet das damit, dass in der Schweiz neben den hochmotivierten Köchen auch ein grosses Interesse an guter Küche vorhanden sei.

Doch der seit 1908 erscheinende Gastroführer listet nicht nur Spitzen-Restaurants auf, sondern unter der Kategorie Bib Gourmand auch Restaurants, die ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Ein 3-Gang-Menü (Vorspeise, Hauptgang, Dessert) ist hier bereits für 65 Franken erhältlich. Zusammen mit den zwölf neuen Bib Gourmand-Adressen verzeichnet die aktualisierte Auflage des Guide Michelin Schweiz 94 Häuser dieser Kategorie.

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