Staatsbesuch

Die Rote First Lady: In ihrer Heimat ist die Präsidenten-Gattin ein Star

Xi Jinping hat bei seinem Staatsbesuch eine schillernde Persönlichkeit an seiner Seite: seine Gattin Peng Liyuan. In China war sie bis vor kurzem bekannter als ihr Gatte.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ist im eigenen Land den meisten ein Begriff. Er ist ja immerhin seit vier Jahren ihr Staatsoberhaupt. Und trotzdem: Wenn man auf Pekings Strassen Passanten fragt, was sie denn Persönliches über ihn wissen, wird meistens die Antwort erhalten: «Na, das ist doch der Mann von Peng Liyuan.»

Xi bekleidete schon lange vor seiner Präsidentschaft eine Reihe hochrangiger Ämter. Zu wirklicher Prominenz schaffte er es nicht. Das ist im Wesentlichem dem politischen Gefüge der Volksrepublik geschuldet. Die Parteikader lassen sich nur selten über die Schulter schauen. Über ihr Privatleben geben sie meist gar nichts bekannt. Mit Xis Gattin Peng Liyuan ist das anders: Sie war viele Jahre lang ein landesweit bekannter Schlagerstar.

Die heute 54-Jährige wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 18 trat sie der Volksbefreiungsarmee bei – damals üblich für ihre Generation, versprach das Militär doch Aufstiegschancen und ein lebenslanges Auskommen. Mit 20 wurde sie als Sängerin entdeckt. Sie trat der Kommunistischen Partei bei und hatte 1983 ihren musikalischen Durchbruch auf der berühmten Fernsehgala zum chinesischen Neujahrsfest, die Sendung mit der jährlich höchsten Zuschauerzahl der Welt.

Peng Liyuan, Chinas singende First Lady

Peng Liyuan, Chinas singende First Lady

Und sie wusste schon damals ihr Publikum zu beeindrucken. Mal trat sie in prächtigen Seidenroben auf, mal im grünen Militär-Look. Mit herzzerreissenden Lobeshymnen auf die Partei und volkstümlichem Liedgut begeisterte sie das Publikum. «Wer hat uns befreit? Der Stern der Kommunistischen Partei! Wer baut unsere Strassen und Brücken – die Volksbefreiungsarmee!», sang sie etwa im «Lied vom Wäschewaschen». Auch im Musical «Mulan» ist sie schon als Sopranistin aufgetreten.

Mit Peng Liyuan gibt es zum ersten Mal in der Geschichte der Volksrepublik eine First Lady, die diese Bezeichnung nicht nur verdient, sondern auf die die meisten Chinesen auch stolz sind. Mao Zedongs Ehefrau Jiang Qing war zwar ebenfalls bekannt, aber verhasst. Sie gehörte zur sogenannten «Viererbande», die selbst nach der Macht greifen wollte und das Land in den 1970er-Jahren in die blutige Kulturrevolution trieb. Nach Maos Tod wurde sie verhaftet und zum «Tod auf Bewährung» verurteilt. 1991 beging sie Selbstmord. Alle nachfolgenden Präsidentengattinnen hielten sich bedeckt und blieben selbst bei Staatsbesuchen im Hintergrund.

In wohltätiger Mission

Nicht so Peng Liyuan. Seit ihr Mann Staatsoberhaupt ist, tritt sie zwar nicht mehr bei der Neujahrsgala auf. Stattdessen nimmt sie eine Reihe ehrenamtlicher Tätigkeiten wahr. Sie ist Sonderbotschafterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bekämpft das Passiv-Rauchen und setzt sich für mehr Aufklärung von Tuberkulose-Erkrankungen und Aids ein – Letzteres für viele Chinesen noch immer ein Tabu. Seit 2014 ist sie zudem Sonderbotschafterin der Unesco und wirbt für das Recht auf Bildung für Mädchen und Frauen. Auch das ist in China insbesondere im ländlichen Raum noch immer nicht selbstverständlich.

Beim Besuch in der Schweiz versteht sie sich daher nicht nur als Begleiterin ihres Mannes, sondern ist auch in eigener Mission unterwegs. Bei ihrer Station in Genf will sie der WHO-Zentrale einen Besuch abstatten.

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