Ruth Müri

«Die Pfadi war für mich Lebensschule»

Ruth Müri

Ruth Müri

Etwas Schicksalhaftes hat die Karriere von Ruth Müri an sich: 1992 stiess sie durch ihren Kantilehrer Jörg Weber zum «team». Nach seinem frühen Tod rutschte sie 1994 für ihn nach. Jetzt ist sie nach ihm das zweite «team»-Mitglied auf dem Präsidentenstuhl.

Roman Huber

An einem ihrer beiden kinderfreien Vormittage, die für Politik und Einkauf reserviert sind, hat sich die «höchste Badenerin» gern zu einem Gespräch bereit erklärt. Nach wenigen Sekunden ist man mit Ruth Müri bereits mitten in der politischen Debatte. Sie argumentiert, erzählt, gestikuliert und verliert in keinem Moment ihr Strahlen.

Viel beschäftigt und stets voll Energie

«Ohne die kräftige Unterstützung meines Mannes – er hat eine 80%-Stelle – sowie meiner Mutter und der Schwiegereltern könnte ich das Ratspräsidium nicht ausüben», schickt sie voraus. Die 39-Jährige ist neben ihrer Leidenschaft als Politikerin 60% berufstätig und Mutter zweier Kinder, die in den Kindergarten und die 1. Klasse gehen. Darum verrichtet sie viel ihrer politischen Arbeit – wie das Aktenstudium und nun auch das Vorbereiten der Ratssitzungen – zu nächtlicher Stunde. «Dass ich mit relativ wenig Schlaf auskomme, hilft mir dabei», sagt Müri.

Trotz dem grossen Pensum strotzt sie vor Energie. «Ich glaube, dass ich meine Batterien jeweils in Beruf und Politik für den Familienalltag und zu Hause umgekehrt wiederum für Beruf und Politik aufladen kann.» Halbheiten kennt sie nicht. Das habe sie zweifellos bei der Pfadi gelernt.

Dort habe sie als junge Leiterin erfahren, wie toll es sei, Verantwortung zu übernehmen, mitzubestimmen und in einem geschützten Feld Erlebnisse zu bewirken. «Ich habe dabei auch gelernt, vor einer grossen Gruppe aufzutreten und Lösungen im Team zu finden», fügt Müri an. Die Pfadi sei wie eine Lebensschule gewesen. Gegenseitiger Respekt und die Fähigkeit, zuhören zu können, das seien schon im Elternhaus vorgelebt worden, sagt die Pfarrerstochter, die ihre ersten drei Lebensjahre in Kulm verbrachte und dann in Baden aufgewachsen ist und die Schulen besucht hat. In der Kantonsschule hätten die ersten politischen Diskussionen stattgefunden. «Damals ging es um die Armeeabschaffungsinitiative», sagt Müri, die heute noch kritisch gegenüber der Armee eingestellt ist. «Wir könnten auch auf andere Weise in Krisengebieten wirken», ist sie überzeugt. Politisch richtig los ging es bei ihr im Studium. «Als junge Frau bin ich bei der Demo zur Nichtwahl von Christiane Brunner
allein nach Bern gereist», erzählt sie. Dieses Erlebnis bzw. der Verzicht von SP-Mann Francis Matthey auf das Bunderatsmandat habe ihr gezeigt, dass man etwas bewirken könne.

Ruth Müri ist dann aber doch nicht bei der SP, sondern beim «team» gelandet; eine Partei, die ihr zusage, weil sie zwischen pragmatisch und aufmüpfig, visionär und realpolitisch und stets mit regionalem Fokus politisiere. Darum könne sie in der Stadt Baden etwas bewirken, was ihr viel bedeute. Die schönen Spielplätze sind nicht zuletzt auf einen ihrer Vorstösse zurückzuführen. Tagesstrukturen und die städtebauliche Entwicklung würden ihr ebenfalls am Herzen liegen.

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