Pensumreduktion für Lehrer
Die Pausenglocke soll früher klingeln

Jetzt fordert auch der Solothurner Lehrerverband LSO eine Reduktion der Pflichtlektionenzahl. Grund: Die Lehrer in der Schweiz machen drei Wochen Überzeit. Die Forderung des LSO würde den Kanton etliche Millionen kosten.

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Lehrerpensum

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Keystone

Stefan Frech

Am Dienstag hat der Schweizerische Lehrerverband eine Studie präsentiert, gemäss welcher Lehrerinnen und Lehrer drei Wochen unbezahlte Überzeit pro Jahr leisten. Deshalb sei es höchste Zeit, dass die Kantone die Wochenpensen senken. Nun doppelt der Verband Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO) mit einer konkreten Forderung nach: Das Pflichtpensum einer Klassenlehrperson in der Solothurner Volksschule soll von heute 29 auf 27 Lektionen und dasjenige der Fachlehrer von 29 auf 28 Lektionen pro Woche gesenkt werden.

«Wir überlegen uns, eine entsprechende Eingabe beim Regierungsrat zu deponieren oder über den Kantonsrat einen Vorstoss zu lancieren», erklärt LSO-Geschäftsführer Roland Misteli.

«Enorme Belastungen im Beruf»

Neben der hohen Anzahl Pflichtpensen - schweizweit liegt sie zwischen 28 und 33 - nennt Misteli verschiedene Gründe, die zu einer Überlastung der Lehrpersonen führen: «Die zunehmenden Ansprüche an die Schule und die Lehrpersonen (Reparaturwerkstatt der Gesellschaft), die Verschlechterung der Rahmenbedingungen (Klassengrössen), die zahlreichen und teilweise unausgegorenen Reformprojekte (integrative Schulung) sowie die periodischen Sparpakete haben die Belastungen im Lehrerberuf in den letzten Jahren enorm erhöht.»

Krankheitsbedingte Ausfälle (Burnouts) und Frühpensionierungen hätten deshalb zugenommen. Dies gelte für die ganze Schweiz, die Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Solothurn seien aber besonders stark unter Druck, weil dort sehr viele Reformprojekte «zeitlich geballt» vorangetrieben werden.

Die hohen Pflichtpensen und die hohe Belastung schmälern laut Misteli zudem die Attraktivität des Lehrerberufs. «Angesichts des bereits bestehenden qualitativen Lehrermangels (ungenügend ausgebildete Lehrpersonen) wirkt sich das fatal aus.» Diese Problematik werde sich in den nächsten Jahren zusätzlich verschärfen, weil viele Lehrer pensioniert werden und zu wenig Nachwuchs ausgebildet wird. «Das Bildungsdepartement, die Gemeinden und die Politik schauen dieser Entwicklung seit Jahren mehr oder weniger untätig zu.»

«Weit über 20 Mio. Franken»

Der Kanton nehme die Forderung des LSO ernst und werde diese prüfen, verspricht Andreas Walter, Chef des Amts für Volksschule und Kindergarten. Eine Pensenreduktion sei aber ein altes Postulat, das aus finanziellen Gründen schwierig zu realisieren sei. «Die konkrete Forderung des LSO würde den Kanton weit über 20 Mio. Franken pro Jahr kosten.»

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