Bundesratswahlen
Die Mitte hat keine Lust auf Knatsch mit der SVP

Die Unzufriedenheit über das SVP-Dreierticket ist gross. Doch eine Sprengkandidatur ist wohl chancenlos. Denn als nötiges Pulver fehlen den Mitte-Parteien die Verbündeten.

Sven Altermatt und Stefan Schmid
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Die Mitteparteien wollen keinen Knatsch. Einzig Mitte-Links könnte ein Zeichen setzen.

Die Mitteparteien wollen keinen Knatsch. Einzig Mitte-Links könnte ein Zeichen setzen.

Keystone

Herbeigewünscht wird er schon seit Wochen. Und noch ist offen, ob ein Kandidat des SVP-Dreiertickets in den Bundesrat gewählt wird.

Doch einen Tag vor der Wahl ist es kaum mehr wahrscheinlich, dass ein Sprengkandidat die offiziellen Kandidaten aussticht. Selbst dann nicht, wenn sich SP und Grüne noch zu einem Störmanöver durchringen. Um damit erfolgreich zu sein, fehlen ihnen die Verbündeten.

Angefangen bei den Freisinnigen. Auch wenn die Unzufriedenheit mit den offiziellen SVP-Kandidaten Guy Parmelin, Norman Gobbi und Thomas Aeschi bis weit hinein in ihre Fraktion reicht: Fast alle FDP-Parlamentarier werden jemanden aus dem Trio wählen.

Manche mehr, manche weniger zähneknirschend. Der Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni bringt die Stimmung in seiner Partei auf den Punkt: «Begeistert ist niemand von den Vorschlägen. Aber wir werden jemanden wählen und die SVP so in die Pflicht nehmen.»

CVP-Präsident ist genervt
Links und rechts scheinen die Pläne absehbar – und in der Mitte? Sie könnte bei der Bundesratswahl mal wieder das berühmte Zünglein an der Waage spielen.

Würden die SP, die Grünen und die Mitte-Parteien geschlossen für einen Sprengkandidaten stimmen, wäre dieser wohl gewählt. Entscheidend sind dabei die 43 Stimmen der CVP-Fraktion.

Tatsächlich sind es Parlamentarier des linken CVP-Flügels, die ihrer Fraktion einen Sprengkandidaten schmackhaft machen wollen. Ihren Plan haben sie mit linken Politikern sondiert. Doch in den eigenen Reihen dürften sie damit kaum auf Gegenliebe stossen.

Nach Informationen der «Nordwestschweiz» sind sich das Parteipräsidium und die Fraktionsspitze einig, keinen Sprengkandidaten zu lancieren. «An dieser Haltung lässt sich nicht rütteln», sagt ein langjähriger CVP-Parlamentarier.

Das wissen selbst Christdemokraten, die regelmässig mit harter Kritik an der SVP auffallen. Glücklich sei kaum jemand mit dem SVP-Dreierticket, sagt die Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin.

«Aber ändern lässt sich daran nicht viel.» Der Obwaldner Nationalrat Karl Vogler stellt derweil die Frage, welchen Nutzen ein Sprengkandidat wie Thomas Hurter oder Hannes Germann überhaupt bringen würde. Seine Antwort: «Letztlich ist der Mehrwert der bekannten Alternativen zu klein.»

Auch Parteipräsident Christophe Darbellay scheint genervt wegen der Planspiele. Auf Anfrage spricht er ein Machtwort: «Es wird mit uns keine Spielchen geben.» Mindestens einer der drei offiziellen SVP-Kandidaten gelte als wählbar. Zu einzelnen Namen will sich Darbellay nicht äussern.

Mitte-Favorit Parmelin?
Konkreter wird ein CVP-Parlamentarier aus dem Mittelland. «Guy Parmelin geniesst die grössten Sympathien in der Fraktion», sagt er.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich, spiegeln aber vor allem Eigeninteressen: Die mächtigen CVP-Vertreter aus der Innerschweiz sind nicht interessiert an einem Innerschweizer Bundesrat Thomas Aeschi – wegen ihren eigenen Ambitionen.

Das Gleiche gilt für die Unterstützer von Fraktionschef Filippo Lombardi, dem Norman Gobbi als Tessiner Bundesrat im Weg stehen würde. Andere favorisieren Parmelin, weil dieser als umgänglich und konziliant gilt.

Die kleinen Mitteparteien GLP und BDP werden wohl ebenfalls einen der offiziellen Kandidaten wählen. Ein führender GLP-Nationalrat prognostiziert, einer der Offiziellen werde «zu hundert Prozent gewählt».

Während Guy Parmelin in der BDP-Fraktion offenbar am meisten Sympathien geniesst, werden sich die Grünliberalen voraussichtlich für Norman Gobbi aussprechen.

Allen gescheiterten Plänen zum Trotz: Ein Zeichen setzen könnte Mitte-Links trotzdem. So ist es denkbar, dass etwa der von seiner Partei übergangene Thomas Hurter in den ersten Wahlgängen mit vielen Stimmen bedacht wird – aus Protest gegen die umstrittene Ausschlussklausel der SVP.

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