Die Mauersteine fielen noch einmal
Die Mauersteine fielen noch einmal

Mit viel Politprominenz und einer symbolisch zum Einsturz gebrachten Mauer aus Dominosteinen hat am Montagabend die deutsche Hauptstadt die Öffnung der Berliner Mauer vor 20 Jahren gefeiert.

Drucken
politprominenz.jpg

politprominenz.jpg

Keystone

Benedikt Vogel, Berlin

Nach einem mehrstündigen Festakt war der letzte Stein der Berliner Mauer umgefallen. Nicht der Betonmauer natürlich, die einst die Stadt durchschnitt, sondern der letzte Stein einer symbolischen Mauer aus tausend 2,5 Meter hohen Styropor-Dominosteinen. Schüler, Künstler und Vereine hatten die Dominosteine gestaltet, die dann entlang dem früheren Grenzverlauf aufgebaut und gestern Abend zu Fall gebracht wurde.

Polen und Ungarn gewürdigt

Es war ein spielerischer und ein symbolischer Akt zugleich: Angestossen haben den nachgestellten Mauerfall gestern Abend unter anderem der frühere polnische Gewerkschaftsführer und Staatspräsident Lech Walesa sowie der damalige ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth. Damit wurden die polnische und die ungarische Oppositionsbewegung gewürdigt, welche den Boden bereitet hatten für die deutsche Protestbewegung vom Herbst 1989, die am 9. November 1989 in der Maueröffnung kulminierte.

«Was hier passiert, bewegt mich»

«Alles was hier heute passiert, bewegt mich sehr stark», sagte der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow in einem Statement vor dem Brandenburger Tor. Der deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher sprach von einer «wunderbaren Erfahrung». Zuvor war Bundeskanzlerin Angela Merkel, begleitet von einem Tross aus Staats- und Regierungschefs, durch das Brandenburger Tor geschritten. An ihrer Seite gingen auch Vertreter der vier früheren Besatzungsmächte Berlins: der russische Präsident Dmitri Medwedew, US-Aussenministerin Hillary Clinton, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier Gordon Brown. Weder Sarkozy noch Brown erwähnten in ihren Ansprachen die Skepsis, mit der ihre Amtsvorgänger (François Mitterrand, Margaret Thatcher) der deutschen Wiedervereinigung einst begegnet waren.

Das Interesse der Schaulustigen rund um das Brandenburger Tor war gross. Aber noch grösser wäre es wohl gewesen, wenn nicht ein kalter Regen die Open-Air-Feier unter Wasser gesetzt hätte. Die Staatskapelle Berlin musizierte - im Trockenen - unter der Leitung von Daniel Barenboim, dazu sang der Chor der Berliner Staatsoper. Das musikalische Gegenstück lieferte Rockstar Jon Bon Jovi mit seinem der friedlichen Revolution gewidmeten Song «We weren't born to follow». Und Techno- DJ Paul van Dyk stellte die eigens komponierte Hymne «We are one» vor. Zum Schluss stieg ein Feuerwerk in den nebligen Himmel über Berlin.

Bereits über den Tag war mit Gedenkveranstaltungen der historischen Ereignisse vor 20 Jahren gedacht worden. Merkel schritt in Begleitung von Politikern und Zeitzeugen über den ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Strasse. Das war der innerstädtische Übergang, wo die Grenze am späten Abend des 9. November 1989 als Erstes aufgegangen war. Bereits am Vormittag war an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Strasse ein neues Besucherzentrum eröffnet worden. Auch an weiteren Grenzübergängen wurde der damaligen Ereignisse gedacht. Der Künstler Martin Butler wollte am Abend den Verlauf der Mauer mit Tausenden von Menschen nachzeichnen.

Aktuelle Nachrichten