Gripen-Nein

«Die Leute in Linköping sind sehr enttäuscht»

Die Zusammenarbeit ist vorerst beendet: Schweizer Fahne im Saab-Werk von Linköping

Die Zusammenarbeit ist vorerst beendet: Schweizer Fahne im Saab-Werk von Linköping

Viele Schweden haben die Gripen-Abstimmung in der Schweiz mitverfolgt. Vor allem für die Saab-Mitarbeiter ist das Nein eine herbe Enttäuschung. watson sprach mit Radiokorrespondent Daniel Alling.

Herr Alling, waren Sie überrascht über das Nein der Schweiz zum Gripen?

Daniel Alling: Ja, ein bisschen schon.

Was hat Sie am meisten überrascht bei der Gripen-Abstimmung?

Zuerst natürlich das Resultat, und dann die Tatsache, dass die Nein-Seite es praktisch ohne eigene Mittel geschafft hat, die Befürworter zu bodigen. Das hätte ich nicht erwartet. Und mancher Schwede auch nicht.

Entsprechend gross war die Aufmerksamkeit der schwedischen Medien heute. Wie waren die Reaktionen der Bevölkerung in Ihrem Heimatland?

Die Leute sind teilweise sehr enttäuscht. Vor allem in Linköping, wo der Gripen gebaut wird, ist die Enttäuschung gross. Für das Industrieland Schweden wäre der Auftrag der Schweiz wichtig gewesen.

Was bedeutet es für die Region um Linköping?

Der Bürgermeister hat gesagt, es gebe zwar nicht gerade eine Krise, aber für die Bevölkerung wäre ein Ja der Schweiz besser gewesen. Und die schwedische Verteidigungsministerin sprach von einem «Rückschlag».

Sind Arbeitsplätze gefährdet?

Nein, das nicht gerade. Saab stehen noch die Verhandlungen mit Brasilien bevor. Die Brasilianer wollen 100 Gripen-Flugzeuge kaufen. Doch auch dieser Deal ist noch unsicher.

Ein soeben fertig gebauter Gripen im Saab-Werk im schwedischen Linköping.

Ein soeben fertig gebauter Gripen im Saab-Werk im schwedischen Linköping.

Versteht man in Schweden, warum die Schweiz Nein zum Gripen gesagt hat?

Ja, die Schweden verstehen die direkte Demokratie und die Bevölkerung wusste immer, dass es bei einem Referendum die Möglichkeit eines Neins gibt.

Gibt es auch Verständnis?

Ja, die Armeekritiker freuen sich natürlich. In Schweden findet die gleiche Diskussion um die Beschaffung von Kampfjets und anderem Kriegsmaterial statt. Es gibt ebenso eine pazifistische Bewegung.

Wie wurde die Abstimmung in Schweden verfolgt?

Viele Schweden haben das Geschäft seit 2011 verfolgt, die Medien - darunter der öffentlich-rechtliche Rundfunk - haben laufend darüber berichtet. Aber am Sonntag war das Interesse an der Schweiz noch viel höher.

Wie waren die Reaktionen zu den Enthüllungen rund um die Lobbyarbeit des schwedischen Botschafters?

Auch da war die Aufmerksamkeit in Schweden sehr hoch. Viele Leute waren fasziniert und gleichzeitig ein bisschen überrascht über die Lobby-Arbeit der schwedischen Regierung.

Wie beurteilen Ihre Landsleute die Rolle von Verteidigungsminister Ueli Maurer?

Sie sehen in ihm zum Teil den Verantwortlichen für das Gripen-Geschäft - und auch für den Ausgang der Abstimmung.

Sind die Beziehungen zwischen der Schweiz und Schweden jetzt belastet?

Nein, da hat sich nichts verändert. Die schwedische Regierung wusste, welches Risiko sie eingeht, und dass die Schweizer Bevölerung Nein sagen kann zum Gripen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf watson.ch

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