Kosovo
Die Krönung einer Tellerwäscherkarriere

Behgjet Pacolli dürfte diese Woche neuer Staatspräsident des Kosovo werden. Der 59-jährige schweizerisch-kosovarische Doppelbürger hat eine schillernde Karriere hinter sich.

Gerhard Lob, Lugano
Merken
Drucken
Teilen
Steht bald an der Spitze des Kosovo: Doppelbürger Behgjet Pacolli

Steht bald an der Spitze des Kosovo: Doppelbürger Behgjet Pacolli

Die Wahl an die Spitze des jungen Staates Kosovo durch das Parlament ist wahrscheinlich, nachdem es eine entsprechende Koalitionsvereinbarung zwischen Pacollis Allianz Neues Kosovo (AKR) und der Demokratischen Partei von Regierungschef Hashim Thaci gab. Für Pacolli wäre es die Vollendung seiner kurzen politischen Karriere und die Realisierung eines Traums. Denn das Amt passt in die aussergewöhnliche Biografie eines Mannes, der sich aus ärmlichsten Verhältnissen ganz nach oben gearbeitet hat. Pacolli gilt als weltweit reichster Kosovo-Albaner. Jüngst gab er sein Vermögen mit 420 Millionen Euro an. Die von ihm gegründete Mabetex-Gruppe mit Sitz in Lugano soll in ihren Filialen rund um den Globus 16000 Personen beschäftigen.

Seit 1990 selbstständig

Aufgewachsen ist Pacolli in Marevc bei Pristina zusammen mit neun Geschwistern. Im Alter von 17 Jahren schickte ihn die Mutter nach Deutschland. In Hamburg jobbte er als Arbeiter und absolvierte gleichzeitig eine Handelsausbildung. Als er nach drei Jahren in den Kosovo zurückkehrte, sprach er nach eigenen Angaben sechs Sprachen. Er arbeitete zuerst als Dolmetscher und ging dann zu einer Textilmaschinen-Fabrik nach Österreich. Von dort kam er 1977 in die Schweiz und war für das Generalunternehmen Interplastica tätig, bevor er sich mit der Mabetex Engineering 1990 selbstständig machte. Die Gruppe ist als Generalunternehmen auf grosse Bauwerke spezialisiert. Doch der 1992 im Kanton Tessin eingebürgerte Pacolli interessiert sich nicht nur fürs Bauen. Auch eine Plattenfirma und einen TV-Kanal nennt er sein Eigen. Er gilt als international sehr gut vernetzt.

Nicht immer konnte sich Pacolli im Erfolg sonnen. 1999 wurde sein Name zum Synonym für einen vermeintlichen Schmiergeldskandal, der international für Schlagzeilen sorgte. Millionensummen sollen von Mabetex bis in die höchsten Machtzentralen rund um den russischen Präsidenten Boris Jelzin geflossen sein, um sich Renovationsarbeiten im Kreml zu sichern. Pawel Borodin, ein Freund Pacollis, war damals Leiter der Kremlliegenschaften. Er habe ihm die Arbeiten zugeschanzt. Die damalige Bundesanwältin Carla Del Ponte liess den Mabetex-Sitz in Lugano durchsuchen. Die Rede war auch von Kreditkarten, welche Pacolli den Töchtern Jelzins bereitgestellt hatte. Pacolli widersprach stets und erhielt am Ende Recht. Doch der Schatten dieser Affäre ist geblieben. Insbesondere italienische Zeitungen mutmassten immer wieder, dass im Business des Kosovo-Albaners nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Im Tessin hat Pacolli in Vico Morcote das Luxushotel Swiss Diamond Oivella erstellt, in dem viel Kundschaft aus Osteuropa verkehrt, und das historische Tanzlokal Romantica auf dem Damm von Melide erworben. Ein Mega-Projekt für eine neue Therme im Bleniotal blieb aber ein Papiertiger.

Viel humanitäre Hilfe

Aus dem operativen Geschäft der Mabetex verabschiedete sich Pacolli, seit er sich mit der von ihm mitbegründeten Allianz Neues Kosovo (AKR) in der Politik seiner Heimat engagiert. Dort wird er bewundert, auch weil er viel humanitäre Hilfe geleistet hat. Er ist aber politisch umstritten und de facto ist seine AKR mit 7,1 Prozent nur die fünfte politische Kraft im Parlament.

Immerhin sind die Zeiten, in denen auch Pacollis Privatleben viel Anlass zu Diskussionen gab, vorbei. Von 1999 bis 2002 war er mit Anna Oxa, der berühmten italienischen Popikone mit albanischen Wurzeln verheiratet und geriet so ins Visier der italienischen Klatschpresse. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Auf seiner Website steht: «Behgjet Pacolli ist einer der anerkanntesten Geschäftsleute auf der ganzen Welt.»