Das sind die grössten Baustellen der Armee

Neue Kultur, Erneuerung der Luftwaffe, Milliarden für Artillerie und Panzer, Zivildienst und Bestandesfrage: In der Armee gibt es viele Baustellen. Eine Übersicht.

Doris Kleck
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F/A-18-Flugzeuge. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

F/A-18-Flugzeuge. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Eine neue Kultur muss her

Die Armee hat es zu wenig geschafft, auf die Veränderungen in der Gesellschaft und namentlich bei den Jugendlichen zu reagieren. Sie wurde zunehmend inkompatibel mit den heutigen gesellschaft­lichen Realitäten. Folge waren Nachwuchsprobleme, schwindender Rückhalt in der Bevölkerung, Frauenmangel. Das alles hängt auch mit der oft als überheblich empfundenen Mentalität hoher Offiziere und Funktionäre zusammen. Veralteter Führungsstil, Spesenexzesse, fehlende Sensibilität im Umgang mit Steuergeldern waren Folgen. Viola Amherd arbeitet nun auf einen Kulturwandel hin: mehr Bescheidenheit, mehr Transparenz, zeitgemässere Führung. Aber auch strengere Regeln etwa im ­Umgang mit Steuergeldern oder bei der Annahme von Einladungen.

Erneuerung der Luftwaffe

Der Schweiz gehen bald einmal die Kampfflugzeuge aus: Die F/A-18 sind nicht nur oft nicht einsatzfähig, sie erreichen laut Armeeangaben im Jahr 2030 ihr Lebensende. Gleichzeitig braucht das Land eine wirksame bodengestützte Luftverteidigung. Für neue Kampfjets und neue Abwehrraketen will der Bundesrat insgesamt rund 8 Milliarden Franken ausgeben. In den nächsten Wochen beginnen die Flug- und Bodenerprobungen der Flugzeuge, die als F/A-18-Nachfolger in Frage kommen. Es sind der Eurofighter (Airbus), der F/A-18 Super Hornet (Boeing), der Rafale (Dassault), der F-35A (Lockheed Martin) sowie erneut der Gripen (Saab). Den Typenentscheid wird der Bundesrat fällen. Vermutlich nächstes Jahr kommt es zu einer Volksabstimmung über die Zukunft der Luftwaffe. Details über den Fahrplan dürfte VBS-Chefin Viola Amherd bis zum Sommer präsentieren. Anzunehmen ist, dass das Volk sich nur im Grundsatz äussern kann.

Milliarden für Artillerie und Panzer

Alle reden von den Milliarden für die neuen Kampfjets. Doch im Hintergrund laufen bereits Vorbereitungsarbeiten für ein nächstes grosses Beschaffungsprojekt. Dieses Mal geht es um den Ersatz veralteter Waffensysteme der Bodentruppen wie Kampfpanzer, Schützenpanzer oder Aufklärungsfahrzeuge und die Entwicklung neuer Fähigkeiten, zum Beispiel im Cyberbereich. Kostenpunkt: noch einmal sieben Milliarden Franken. Der als «Grundlagenpapier Boden» bekannte Investitionsplan ist ein gutgehütetes Geheimnis in Bundesbern – in Armeekreisen wird die Publikation sehnlichst erwartet. Zusammen mit den Investitionen in die Erneuerung der Luftwaffe könnte 2019 also das teuerste Jahr in der Geschichte der Armee werden. Dass die Politiker die Einkaufsliste durchwinken, ist eher unwahrscheinlich. Eine wichtige Aufgabe des neuen Armeechefs wird es sein, diese Investitionen der Öffentlichkeit zu erklären.

Zivildienst und Bestandesfrage

Der nun abtretende Armeechef Philippe Rebord startete sein Amt mit einer klaren Ansage. Die Armee habe ein Rekrutierungsproblem, verantwortlich dafür sei der boomende Zivildienst, sagte der Romand, als er im Herbst 2016 der ­Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Ob der Zivildienst allein am Rekrutierungsproblem schuld ist, sei dahingestellt. Zumindest will der Bundesrat aber die Hürden für den Zivildienst erhöhen, das Geschäft kommt demnächst ins Parlament. Tatsächlich zeigt aber der neuste Bericht zur Umsetzung des Reformprojekts Weiterentwicklung der Armee, dass der Effektivbestand Anfang 2023 auf 123000 Mann absinken wird. Dabei brauchte es eigentlich 140000 Soldaten. Der Präsident der Offiziersgesellschaft sagte kürzlich in dieser Zeitung: «Die Situation entgleitet uns völlig.» Er forderte gar die Wiedereinführung der Gewissensprüfung. Das Rekrutierungsproblem bleibt eine Herausforderung.

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