Arme Atomlobby
Die Atomlobby läuft auf dem letzten Zacken

Die Aves (Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz) spürt Morgenluft. Ein Mitgliederschwund nach der Katastrophe von Fukushima habe eigentlich gar nie stattgefunden. Trotzdem mangelt es den Atomfreunden an finanziellen Mitteln.

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Aves-Freunde unter sich: vor dem Modell eines eingelagerten Behälters mit abgebrannten Brennelementen. (Archiv)

Aves-Freunde unter sich: vor dem Modell eines eingelagerten Behälters mit abgebrannten Brennelementen. (Archiv)

zvg

«Wir kämpfen aus Leidenschaft und mit Überzeugung für die Zukunft des Atomstroms», erklärt der Sekretär der Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz (Aves) Bruno Fäh trotzig. «Finanziell laufen wir zwar auf dem letzten Zacken. Doch wir sind noch richtige Milizionäre.» Fäh kann sich die Zeit für sein freiwilliges Engagement selber einteilen, betreibt er doch ein eigenes Werbebüro in Steinhausen.

Auch der Aves-Geschäftsführer und Zuger Alt-Kantonsrat Konrad Studerus (CVP) kann sich seine Lobbyarbeit leisten: Als Pensionär und diverse Ämter bekleidend spinnt er als Atomlobbyist im Bundeshaus die Fäden. Er bestätigt: «Aves lebt von der Hand in den Mund.»

Noch 55 Parlamentarier

Laufen der Atomlobby die Mitglieder davon oder bezahlen sie ihre Beiträge und Spenden nicht? Fäh wie Studerus verneinen. Die Mitgliederzahl sei stabil, bei etwa 6000. Nebst Abgängen habe die Atomkatastrophe von Fukushima auch Neuzugänge gebracht: vor allem durch die Atomausstiegsdiskussion aufgeschreckte Atombefürworter. Die Organisation sei finanziell schon immer auf dünnem Eis gestanden. Man wolle mit Herzblut überzeugen ohne einen teuren administrativen Apparat zu schaffen.

Doch was ist mit jenen Parlamentariern, die vor der Katastrophe in Japan noch auf der Liste der Aves-Mitglieder figurierten? Über 90 waren es einst. Der Blick in die aktuelle Liste zeigt aber, dass davon nur noch 55 übrig sind. Fast die Hälfte kehrte der Aves den Rücken.

Viel Platz unter dem Aves-Dach

Das habe mehr mit den vergangenen National- und Ständeratswahlen als mit Fukushima zu tun, erklärt Konrad Studerus. Viele der vermeintlich ausgetretenen Politiker seien von dieser Liste verschwunden, weil sie schlicht nicht wiedergewählt wurden oder gar nicht erst für das Amt in Bern kandidierten.

Austritte habe es dagegen nur wenige gegeben. Ursula Haller etwa. Oder Ida Glanzmann und Barbara Schmid-Federer. Windfahnen also? Studerus zeigt ein «gewisses Verständnis», dass sich Politiker anpassen und schauen, woher der Wind weht. Von seiner Partei ist er trotzdem enttäuscht. Doris Leuthards Kehrtwende in der Energiepolitik vom letzten Jahr habe ihn geärgert. Sie sei wahlpolitisch motiviert gewesen.

Und was ist mit Politikern, die zwar weiterhin bei Aves mitmachen, gleichzeitig aber für den Atomausstieg sind? Die CVP-Exponenten Urs Schwaller oder Pirmin Bischof etwa? Zum jetzigen Zeitpunkt habe es bei Aves sogar für solche Politiker Platz, auch wenn die Position der Aves die andere sei. Direkter, wenn auch schmunzelnd, sagt es Sekretär Bruno Fäh: Das seien halt «Lus-Cheibe». (dfu)

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