Bundesratswahl
Der Tessiner Kandidat Norman Gobbi rückt von den SVP-Positionen ab

Asyl, Schengen, Sparpolitik: Der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi weicht bei zentralen Themen von den Haltungen seiner Mitbewerber Thomas Aeschi (ZG) und Guy Parmelin (VD) ab.

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Die drei Bundesratskandidaten Thomas Aeschi, Norman Gobbi und Guy Parmelin (v.l.) sind sich nicht überall einig.

Die drei Bundesratskandidaten Thomas Aeschi, Norman Gobbi und Guy Parmelin (v.l.) sind sich nicht überall einig.

KEYSTONE

Asyl, Schengen, Sparpolitik: Der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi weicht bei zentralen Themen von den Haltungen seiner Mitbewerber Thomas Aeschi (ZG) und Guy Parmelin (VD) ab. Das zeigt das gemeinsame Interview der drei SVP-Bundesratsanwärter, welches die Zeitung «Schweiz am Sonntag» geführt hat.

Während Aeschi einen Protest der Schweiz bei der EU einfordert, weil diese die Schengen/Dublin-Verträge nicht einhalte, will Gobbi ein dezenteres Vorgehen. «Wir müssen pragmatische Wege gehen», sagt der Lega-Regierungsrat, der erst seit kurzem SVP-Mitglied ist. «Die Migration ist ein Problem. Es muss gelöst werden, auch in Zusammenarbeit mit anderen Ländern.»

Es brauche «Solidarität»: «Ich meine die Verteilung der Flüchtlinge. Innerhalb der Schweiz funktioniert das solidarisch. Innerhalb Europas fehlt es noch an einer fairen Verteilung.» In einem «letzten Schritt» halte er ein solches Verteilsystem für richtig, sagt Gobbi. «Ohne Verteilung bleiben alle Flüchtlinge in Italien und Griechenland hängen. Das kann auch nicht sein.»

Mit dieser Positionierung stösst Gobbi auf Widerstand bei seinen zwei Kollegen. «Ich bin dagegen, dass sich die Schweiz an diesem EU-Verteilsystem beteiligt», sagt Aeschi im „Schweiz am Sonntag“-Gespräch. «Es kann nicht sein, dass die Asylbewerber und Wirtschaftsmigranten solidarisch auf die EU-Länder inklusive Schweiz verteilt werden. Das Signal wäre verheerend: Kommt alle nach Europa.»

Auch Parmelin betont, die Schweiz müsse «die Probleme selber lösen». Differenzen zwischen Gobbi und Aeschi/Parmelin sind auch anderswo auszumachen. Für Gobbi ist Sparen bei der Landwirtschaft kein Tabu. Er spricht als Vertreter des Mindestlohns auch davon, dass er bei unkontrollierter Zuwanderung soziale Spannungen befürchtet.

Gobbi ist im Mitte-Lager im Aufwind. Hinter den Kulissen weibelt der Berner Regierungspräsident Hans-Jürg Käser (FDP) für Gobbi. Als Präsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren kenne er Gobbi «sehr gut», schreibt Käser den FDP-Parlamentariern in einer Mail, aus die die „Schweiz am Sonntag“ zitiert. Als Vorstandsmitglied der Konferenz sei Gobbi «offen in der Diskussion, lösungsorientiert, verantwortungsbewusst und hat einen stark ausgeprägten Sinn für verhältnismässige Lösungen».

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