Tourismus
Der Schweizer Tourismus auf Talfahrt: Sonnenschein im Jammertal

Der Schweizer Tourismus ist in der Krise. Franken-Stärke, Wirtschaftskrise, Struktur-Schwäche. Aber wie ist es als Tourist in der Schweiz? Die az reiste für zwei Tage durch die Alpen. Vom Wallis ins Bündnerland. Auf Berge und durch Täler.

Benno Tuchschmid
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Impressionen von der Reise von Zermatt nach Davos
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Impressionen von der Reise von Zermatt nach Davos
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Sonnenschein im Jammertal: Ein Fahrt von Zermatt nach Davos
Impressionen von der Reise von Zermatt nach Davos
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Impressionen von der Reise von Zermatt nach Davos

Impressionen von der Reise von Zermatt nach Davos

Benno Tuchschmid

Der Schweizer Tourismus ist in der Krise. Franken-Stärke, Wirtschaftskrise, Struktur-Schwäche. Aber wie ist es als Tourist in der Schweiz? Die az reiste für zwei Tage durch die Alpen. Vom Wallis ins Bündnerland. Auf Berge und durch Täler.

Die Tour beginnt in Zermatt. Zermatt ist hässlich. Man kann es nicht anders sagen. Als sich der grosse amerikanische Autor Mark Twain 1878 Zermatt näherte, musste er durch «arme» Ortschaften und «übel riechende Dorfgassen» wandern. Heute ist Zermatt stinkreich, eine Aneinanderreihung von Chalet-Imitaten und Uhren-Boutiquen.

Beim Versuch, seinen Besuchern einen möglichst guten Blick auf die Schönheit der Bergwelt zu erbauen, ist das Dorf ein hässlicher Haufen geworden und ein teurer dazu: Eine günstige Übernachtung kostet 200 Franken. Inbegriffen sind da ein hübsches Frühstücksbuffet und ein weniger hübsches Zimmer. Das Badezimmer ist in Beige gehalten, vom Lavabo, über die Badewanne, die Kacheln bis zum WC-Deckel. Optischer Mief aus einer Epoche zwischen der Einführung des Frauenstimmrechts und der Kopp-Abwahl.

Kafi Luz kostet 6.50 Uhr

Aber man kommt ja auch nicht fürs Badezimmer nach Zermatt. Zum Glück. Sondern fürs Matterhorn. Und das gerät nie aus der Mode. Mark Twain musste den Gornergrat per Maultier erklimmen. Heute fährt einen eine Zahnradbahn. Die Reise auf den Gornergrat kostet keine Mühe mehr. Nur noch viel Geld. 80 Fran-ken retour, 40 Franken mit Halbtax. Der Walliserteller im Bergrestaurant 26 Franken, der Kafi Luz 6.50. Das Matterhorn ist trotzdem schön. Sehr schön.

Zermatt hat Glück. Die Gäste hier sind so reich, dass sie sich von einer Wirtschaftskrise nicht die Skiferien versauen lassen. Aber der Glacier-Express, der Zermatt um 9.52 Uhr verlässt, ist verdächtig leer. Nur ein paar Chinesen, ein, zwei Schweizer Rentner und ein dicker Angelsachse. Der tamilische Kellner tänzelt mit Tagesteller und Gerstensuppe durch den Gang und ercharmiert sich Trinkgeld.

Überhaupt: Wie nett alle sind. Die deutsche Frau vom Hotel in Zermatt, die sich noch vor der Anreise per Telefon für die Reservierung bedankt. Die portugiesische Kellnerin, die die Pfeffermühle mit den Worten «wie können Sie Fondue ohne essen» bringt, der italienische Taxifahrer. Vielleicht muss man dankbar sein, dass im Tourismus so viele Ausländer arbeiten. Mark Twain hatte 1878 mit den Schweizern andere Erfahrungen gemacht:

«Der grämliche Portier und die grämlichen Angestellten boten uns den mürrischen Empfang, mit dem diese Leute in guten Zeiten aufwarten, aber wir besänftigten sie durch ein Extraaufgebot an Unterwürfigkeit und Kriecherei und brachten sie schliesslich dazu, uns zu dem Zimmer zu führen.» Mark Twain (1878), Bummel durch Europa

Eine weisse Wüste

Die Zugfahrt von Zermatt nach Davos ist eine Reise durch die verschiedenen Stadien des Schweizer Tourismus. Vom High-End-Zermatt über das sanfter bebaute, von lieblichen Nadelwäldern überzogene Goms. Und dann ist der Zug plötzlich im Kanton Uri. In Andermatt. Eine weisse Wüste. Irgendwie wundert es einen nicht, dass es einen Ägypter brauchte, um auf die Idee zu kommen, hier ein Resort zu bauen. Das Militär passt besser hierher als das Fünfsternhotel, das jetzt im Rohbau in der Dorfmitte steht. Nach dem Oberalppass wird es wieder hübscher und die Chinesen zücken vor Entzücken wieder die Kamera. Die Surselva.

Mark Twain hat es nie in die Surselva geschafft. Das Bündnerland leidet heute an seiner Abhängigkeit von europäischen und Schweizer Touristen. Während gerade das Wallis seit langem asiatische Touristen umwirbt, ist das Bündnerland erst spät auf den Zug aufgesprungen.

In Filisur umsteigen nach Davos.

Agglomeration in der Stadt

Davos ist ernüchternd ehrlich in seiner Hässlichkeit. Hier haben sich die Architekten nicht einmal die Mühe gemacht, die Zersiedelung mit ortsüblichem Architektur-Kitsch zu kaschieren. Davos ist Agglomeration in der Stadt.

Davos wirkt leerer als Zermatt. Das Restaurant serviert das Raclette in der Pizzeria, die zum Restaurant gehörende Fonduestube hat gar nicht erst geöffnet. Das Restaurant ist leer. Aber die Zeiten werden wieder ändern. Denn nicht einmal Wucher-Beizen, veraltete Hotelzimmer oder Zersiedelung werden die Menschen davon abhalten, in die Alpen zu reisen. Das hat sich seit Mark Twains Zeiten nicht geändert.

«Ich habe Dutzende von Leuten kennen gelernt, fantasiereiche und fantasiearme, gebildete und ungebildete, die aus fernen Ländern gekommen waren und Jahr für Jahr die schweizerischen Alpen durchstreiften – sie konnten nicht erklären, warum.» Mark Twain (1878), Bummel durch Europa

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