Finanzdirektor
Der Finanzdirektor tritt ab

Regierungsrat Urs Gasche (BDP) wird bei den Regierungsratswahlen 2010 nicht mehr antreten. Er macht familiäre und berufliche Gründe für seinen Rückzug aus der Kantonsregierung geltend. Sie wogen stärker als die Interessen der Partei.

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Urs Gasche

Urs Gasche

Berner Rundschau

Johannes Reichen

BDP mit Einerkandidatur

Die BDP äusserte gestern Bedauern über den Rückzug von Urs Gasche aus dem Regierungsrat. Sie wertete den Entscheid allerdings als «Zeichen gegen Routine und Abstumpfung in der Politik». Seine Regierungszeit sei von einer intensiven und erfolgreichen Sanierungspolitik geprägt. Gasches Verzicht wird aber auch als Chance für die BDP gewertet. «Mit ihm hätten wir es sicher einfacher gehabt», sagt Präsidentin Beatrice Simon. «Aber wir haben auch andere fähige Leute innerhalb und ausserhalb der Grossratsfraktion.» Die bisherigen Wahlergebnisse hätten gezeigt, dass die BDP grossen Rückhalt in der Bevölkerung habe. «Wenn wir es schaffen, dann haben wir unsere Legitimation, die uns bisher von der SVP stets abgesprochen wird.» Nun ist Ständerat Werner Luginbühl damit beauftragt worden, eine Kandidatur vorzubereiten, die am 24. August der Generalversammlung präsentiert werden soll. Zuoberst auf der Liste stehen laut Luginbühl Präsidentin Simon (Seedorf), Vizepräsident Samuel Leuenberger (Trubschachen), die Grossräte Lorenz Hess (Stettlen), Dieter Widmer (Wanzwil), Therese Rufer (Zuzwil) und Heinz Siegenthaler (Rüti bei Büren), weiter auch Vizestaatsschreiber Renato Krähenbühl (Rubigen) und die Berner Stadträtin Vania Kohli. Auch mit Nationalrätin Ursula Haller (Thun) werde er sprechen, sagte Luginbühl. Ohne sie würde die BDP im Parlament allerdings die Fraktionsstärke verlieren. Praktisch ausgeschlossen ist, dass die BDP einen Kandidaten aus dem Jura aufstellt. (joh)

Das Amt lasse wenig Spielraum, sagt Urs Gasche über seinen Posten als Finanzdirektor des Kantons Bern. Etwas von dem wenigen Freiraum, den es ihm lässt, hat er sich nun also genommen. Wie er gestern bekannt gab, tritt er nicht mehr zu den Regierungsratswahlen vom 28. März 2010 an. «Es ist richtig, jetzt zu gehen», sagte der BDP-Politiker vor den Medien. Die Sommerferien hatte er zwar noch genutzt, um über seine Entscheidung nachzudenken. Sie war allerdings schon zuvor gefallen. «Ich habe gespürt, dass ich aufhören möchte.» Der Entscheid sei ihm allerdings nicht leichtgefalllen.

Familie und Beruf

Gasche macht insbesondere berufliche Gründe für seinen Rückzug geltend. Wäre er noch einmal angetreten, hätte er sich für vier Jahre verpflichtet, sagte der 54-Jährige. «Ich will aber noch beruflich tätig sein und nicht mit 60 in Pension gehen.»

Der Jurist will wieder in seinen früheren Beruf zurückkehren. Vor dem Amtsantritt war er als selbstständiger Anwalt tätig; jetzt stehe er mit mehreren Advokaturen im Gespräch. «Ich bin überzeugt, dass ich die juristische Ausbildung mit meiner Amtserfahrung verknüpfen kann.» Gegenüber seiner Partei hat Gasche aber auch signalisiert, dass er für neue Aufgaben zur Verfügung steht.

Auch familiäre Gründe gaben den Ausschlag. Gasche hat zwei Kinder unter zehn Jahren aus zweiter Ehe. «Ich will mehr an ihrer Entwicklung teilhaben.» Gasche hatte seinen Entschluss nach Gesprächen mit seiner Familie, aber auch mit Parteiexponenten und ihm nahe stehenden Politikern, Freunden und Wirtschaftsleuten gefällt. Von seinem Amt habe er noch nicht genug, sagte er. «Es ist ein wunderbares Amt, aber es ist vor allem fremdbestimmt.»

Stets schwarze Zahlen

Seit acht Jahren ist Gasche nun im Amt. 2001 wurde er als Nachfolger des neuen Ständerats Hans Lauri in die Berner Regierung gewählt und stand seither immer der Finanzdirektion vor. Schon kurz nach der Wahl liess er aufhorchen, als er erklärte, dass der Kanton Bern kein Geld für den Swissair-Rettungsplan zur Verfügung stelle.

Bei den Wahlen 2002 und 2006 schaffte er jeweils mit dem zweitbesten Restultat aller Kandidaten problemlos die Wiederwahl in die Regierung. Damals stand er noch auf der Liste der SVP. Vor einem Jahr wechselte er in die abgespaltene BDP.

Stets konnte der Finanzdirektor Jahresrechnungen mit schwarzen Zahlen präsentieren. Und es gelang, stetig Schulden abzubauen. «Wir haben den Trend geschafft», blickte er gestern zurück. Seit Beginn seiner Amtszeit wurden die Schulden beinahe halbiert, auf derzeit 5,8 Milliarden Franken. Eine Schuldenbremse wurde eingeführt, vor kurzem auch ein Fonds zur Deckung von Investitionsspitzen.

In Gasches Regierungszeit fiel eine Hochkonjunktur. «Das ist das Schwierigste», sagte er gestern. Dann müsse man am restriktivsten sein. Und Gasche steht für eine restriktive Finanzpolitik. Sie begann 2002 mit der Strategischen Aufgabenüberprüfung (SAR) und damit verbundenen massiven Sparmassnahmen. Die Forderungen nach Steuersenkungen aus den eigenen Reihen teilte er aber oft nicht.

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