Hornkuh-Initiative

Den Kühen zuliebe berühmt: Wie der Bergbauer Armin Capaul zum Medienstar wurde

© Mario Heller

Was mit einem Brief an ein Bundesamt begann, endete in einer Volksinitiative. Der 67-jährige Bergbauer Armin Capaul sagt: «Ich habe nie davon geträumt, hier zu sitzen. Ich wollte nur den Kühen und Geissen eine Stimme geben.»

Leicht gebückt sitzt Armin Capaul im orangefarbenen Sessel des Bundeshaus-Medienzentrums. Eine grüne Mütze mit gelb-roten Streifen hat er aufgesetzt. Weisser Zauselbart, weisses Zauselhaar. Der Hornkuh-Rebell im sterilen Raum der Bundeshauptstadt. Ich habe nie da- von geträumt, hier zu sitzen», sagt der 67-jährige Capaul. «Ich wollte nur den Kühen und Geissen eine Stimme geben.»

Die Journalisten erhörten den Bergbauern. Viele fuhren in den Berner Jura, besuchten Armin Capaul im abgelegenen Valengiron, um mehr über seine Geschichte zu erfahren. Sein Naturell und seine Worte machten ihn zu einem begehrten Helden. «Wenn die Kühe wählen könnten, hätten sie Hörner», sagt Capaul. In der Schweiz haben neun von zehn Kühen keine Hörner mehr. Der Bergbauer spricht: «Zeichnen Sie einmal eine Kuh ohne Hörner.»

Initianten eröffnen Abstimmungskampf zur Hornkuh-Initiative

Initianten eröffnen Abstimmungskampf zur Hornkuh-Initiative

Die Hornkuh-Initiative kommt am 25. November zur Abstimmung. Die Initianten haben am Dienstag in Bern die Kampagne für die finanzielle Unterstützung von Bauern mit horntragenden Kühen eröffnet. Initiant Armin Capaul erklärt, woher die nötigen Stimmen für das Anliegen kommen sollen.

Was mit einem Brief an ein Bundesamt begann, endete in einer Volksinitiative. In seinem ersten Schreiben hatte er vorgeschlagen, dass behornte Kühe mit einem Franken pro Tag subventioniert würden.

Dann liess er über zwei Politiker in Bern Motionen einbringen, die ebenfalls scheiterten. Also lancierte er eine Volksinitiative; das stärkste direktdemokratische Instrument. Am 25. November stimmt die Schweiz darüber ab, ob Landwirte für Kühe mit Hörnern Direktzahlungen erhalten sollen.

Schon 2015 reiste «Der Spiegel» zu Capaul und berichtete über den «Alm-Öhi», der für die Würde der Kuh kämpft. Wenige Monate später kam die Initiative mit 119'626 gültigen Unterschriften zustande. Sowohl Bundesrat wie auch Parlament sprachen sich gegen die Initiative aus.

Einen indirekten Gegenentwurf der Landwirtschaftskommission des Nationalrats lehnte die analoge Ständeratskommission ab. Vor der Niederlage soll Capaul laut der «Weltwoche» gegenüber Bundesrat Johann Schneider-Ammann gesagt haben: «Ich habe die Bevölkerung und die Medien hinter mir.» Der abtretende Wirtschaftsminister habe erwidert: «Ja, es scheint so.»

Der begabte Protagonist

Über 3800 Medienberichte seien in der Schweiz zur Hornkuh- Initiative bereits erschienen, sagte Capaul gestern vor den Medien stolz. Das Interesse an der Initiative und am Protagonisten bleibt ungebrochen gross: Am kommenden Freitagabend strahlt der deutsch- französische TV-Sender Arte einen Dokumentarfilm über den Bergbauern aus.

Im Zusammenhang mit der Hornkuh-Initiative erschienen zwei Bücher. Vergangene Woche referierte Capaul an einer internationalen Konferenz der Agrarjournalisten und besuchte in diesem Rahmen einen Alpabzug im Entlebuch. In Schüpfheim, so Capaul, habe keine einzige Kuh Hörner gehabt.

Weshalb seine Hornkuh-Initiative durchkomme, nachdem das Volk soeben zwei Agrarinitiativen verworfen habe, fragt ihn ein Journalist im Medienzentrum. «Weil es bei mir bloss um zwei Hörner geht», sagt Capaul. Als er damit begonnen hatte, Unterschriften zu sammeln, belächelte ihn die Politik. Die Medien dagegen begannen ihn zu feiern.

Capaul weiss um deren Wirkung. «Dank den Medien bin ich hier, sie waren so begeistert», sagt er und lächelt mit leuchtenden Augen von seinem orangenfarbenen Stuhl. Die Stimmen zugunsten der Kühe sind zahlreicher geworden, Capaul könnte mit seiner Initiative an der Urne tatsächlich einen Coup landen.

Eher überraschend beschloss der Bauernverband Stimmfreigabe. Die SP-Delegierten beschlossen am vergangenen Samstag die Ja-Parole. Die Bauernpartei SVP ist gespalten; zwei Drittel der Delegierten stimmten gegen Capauls Anliegen.

Als SVP-Präsident Albert Rösti im Medienzentrum auftaucht, um die Kampagne zur Selbstbestimmungsinitiative zu lancieren, grüsst er «Armin» – wie ihn alle nennen – herzhaft. «In der ‹Arena› werde ich sagen, dass die SVP keine Bauernpartei mehr ist», sagt der Bergbauer zu Rösti. Dann prophezeit Capaul selbstbewusst: «Es gibt ein 80-Prozent-Ja bei 100 Prozent Ständemehr.» Dies sei seine Vision.

Sollte es anders kommen, würden die Kühe und Ziegen verlieren, nicht er, meint Capaul. Seine Aufgabe sei getan. Und weil er all dies für die Kühe getan habe, sei ihm die Energie nie ausgegangen. «Wenn ich müde bin, fasse mit der Hand ans Horn der Kuh und tanke frische Kraft», sagt Capaul. Ein druckfrischer Satz, der die Journalisten verzückt. Der Bergbauer wiederholt sich: «Es ist unglaublich, dass die Medien so mitmachen.»

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