Bei einer Umfrage der SonntagsZeitung in 20 Kantonen gaben 14 Korps an, schon solche Videos bei der Aufklärung von Delikten genutzt zu haben. Meist bei Verkehrsdelikten, aber auch bei Verbrechen nach Strafgesetz.

Erst kürzlich rief zum Beispiel die Aargauer Kantonspolizei die Bevölkerung auf, «Aufnahmen von Dashcams zur Verfügung zu stellen», um einen Raubüberfall aufzuklären. Eine problematische Taktik.

Hugo Wyler, Sprecher des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten: «Der Einsatz dieser Kameras verletzt in der Regel die Persönlichkeitsrechte.» Es fehle sowohl die Transparenz als auch die Verhältnismässigkeit. «Die Überwachung im öffentlichen Raum darf grundsätzlich nur durch eine staatliche Behörde gestützt auf eine gesetzliche Grundlage erfolgen», sagt Wyler.

Er hält fest: «Solche Aufnahmen von Dashcams bilden einen schwerwiegenden Verstoss gegen das Datenschutzgesetz.» Gleiches gelte für Aufnahmen mit Drohnen und privaten Überwachungskameras, die den öffentlichen Raum filmen. Entsprechend heikel sei ein öffentlicher Aufruf der Polizei nach solchen Bildern.

Absurd: Die Polizei setzt selbst immer mehr auf die umstrittenen Aufnahmen - geht gleichzeitig aber auch immer öfter gegen die Filmenden vor. 396 Beschuldigte gab es letztes Jahr wegen «Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte». Im Jahr 2010 waren es noch dreimal weniger gewesen.