«Tatort»
Das Spannendste am neuen «Tatort» war diese Frau

Der zweite Fall des Luzerner «Tatorts» mit Kommissar Flückiger wurde mit Spannung erwartet. Gespannt war man vor allem auf die neue Kollegin an Reto Flückigers Seite. Wer ist diese Liz Ritschard?

Claudia Landolt
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Der zweite Luzerner «Tatort»-Krimi
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Dreharbeiten zum neuen Schweizer «Tatort»-Folge «Skalpell»
Stefan Gubser und Sofia Milos Wurde von der Kritik total verrissen: Stefan Gubser als Ermittler Reto Flückiger und Sofia Milos als Austauschkommissarin Abby Lanning. SRF
Portrait des Schweizer Schauspielers Stefan Gubser (Archiv) Setfan Gubser, der Schweizer George Clooney?
An sie kommen sie nicht ran: Sie sind die beliebtesten "Tatort"-Ermittler: Axel Prahl alias Frank Thiel (rechts) und Kollege Jan Josef Liefers alias Professor Karl-Friedrich Börne (Archiv)

Der zweite Luzerner «Tatort»-Krimi

Keystone

Im mit Spannung erwarteten neuen, zweiten Schweizer «Tatort» (Titel: «Skalpell») ging es um den Mord an einen Kinderchirurgen. Dr. Lanther nimmt an einem Spendenlauf teil und muss abseits der Strecke, in einem dunklen Wald pinkeln. Unschönerweise hat er danach ein Skalpell in der Halsschlagader. Keine Sympathiefigur war er, dieser Dr. Lanther, weder für seinen Stellvertreter, der in den engeren Kreis der Verdächtigen rückt, weil er mit dessen Frau ein Verhältnis hat, und erst recht nicht für seine Patientinnen und Patienten. Denn Lanther war Plastischer Chirurg, sein Spezialgebiet die Behebung von Geburtsfehlern.

Sehen Sie hier einen Ausschnitt aus dem neuen «Tatort» mit Delia Mayer

Doch dazu gelangt der Film unter der Regie von Tobias Ineichen (Drehbuch: Urs Bühler) erst nach mannigfaltigen Randepisoden. Das Thema «Intersexualität», also Menschen, die als Zwitter geboren und deren Geschlecht nicht eindeutig zuweisbar ist, ist das Kernthema des Films. Genitalangleichende Operationen sind die Folge, die unter Lanthers Regie bereits im Alter von zwei Jahren, viel zu früh, vorgenommen wurden, weshalb Jugendliche depressiv wurden und sich töteten. Entsprechend sauer sind die betroffenen Eltern auf Lanther.

Der Kommissar in der zweiten Reihe

Stefan Gubser als Kommissar Reto Flückiger - die «Welt» nennt ihn «eine Mischung aus George Clooney und Markus Lanz», und tatsächlich kürten ihn die Leserinnen der «Annabelle» vor Jahren einmal zum «sexiest man» der Schweiz - muss viele Verdächtige abklappern und kriegt dabei auch eins aufs Maul. Wenig später geht es ihm aber bereits wieder so gut, dass der Kommissar flugs die Lösung aus dem Hut zaubert. Der Mörder ist ein Vater eines intersexuellen Kindes, das von Lanther operiert wurde und sich später umgebracht hat. Flückiger kombiniert rasend schnell, der Täter ist ein C&C-Feinmechaniker und ausgezeichneter Hobby-Armbrustschütze.

Während Flückiger für einmal etwas behäbig daherkommt, den ewigen Single («mir ist wohl so»), der sich abends am Bahnhof fliegend verpflegt und anders als seine deutschen Kollegen keine Nobelkarosse, sondern einen uralten VW Passat («er ist treu») fährt, steht ganz und gar im Schatten seiner neuen Kollegin Liz Ritschard, gespielt von Delia Mayer (44). Sie ist die Nachfolgerin der teuer eingekauften und jämmerlich abservierten und botoxgestählten US-amerikanischen Schauspielerin Sofia Milos, deren erster Schweizer Tatort wegen Qualitätsmängeln verschoben worden war.

Ein Krokodil namens Köbi als Haustier

Mayer gibt die neue Polizistin an Gubsers Seite erstaunlich wortkarg. Etwas ruppig, dem leitenden Kommissar aber an Schnelligkeit etwas voraus, bleibt ihr Charakter und auch ihr Privatleben sehr im Vagen, zugunsten des Drehbuchs und auch zugunsten weiterer Tatort (zwei sind schon abgedreht). Im richtigen Leben ist Delia Mayer Musikerin und Sängerin, lebt mal von der Musik, mal vom Theater, hat eine Tochter und ist aufgewachsen in einem Künstlerhaushalt (der Vater Kontrabassist, der Bruder Schlagzeuger), geboren aber in Hongkong, bis es sie schliesslich nach Rüschlikon ZH zog, wo sie ihre Schulzeit verbrachte. Der «Bz» erklärte die in Berlin lebende Künstlerin: «Mein Vater ist als Musiker viel durch die Welt gezogen. Ich bin in Hongkong auf die Welt gekommen, wir sind viel durch Asien gereist und durch Europa. Erst danach wurde meine Familie etwas sesshafter und als Ersatz gab es die exotischen Tiere. Wir hatten ein Krokodil namens Köbi, aber auch Schlangen, Skorpione und Vogelspinnen».

Die Österreicher haben ihren Harald Krassnitzer (Oberst Meisner), die Bayern ihr Duo (Udo Wachtweichtl und Miroslav Nemec) und die Münsteraner ihre skurriles Duo mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers. Scheint ganz so, als haben auch wir endlich ein Gespann, an das man sich gewöhnen könnte. Der Anfang war zumindest vielversprechend.

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