Im Wortlaut
Das Rücktrittsschreiben von Bundesrätin Doris Leuthard

Das von Nationalratspräsident Dominique de Buman (CVP/FR) am Donnerstagvormittag verlesene Rücktrittsschreiben von Bundesrätin Doris Leuthard im Wortlaut:

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"Sehr geehrter Herr Nationalratspräsident

Ich bitte sie hiermit höflich davon Kenntnis zu nehmen, dass ich von meinem Amt als Bundesrätin per Ende 2018 zurücktreten werde. Ich wurde am 14. Juni 2006 von der Vereinigten Bundesversammlung als Bundesrätin und Vertreterin der CVP gewählt und stehe somit in meinem 13. Amtsjahr. Während dieser Zeit durfte ich dem EVD und seit November 2010 dem Uvek vorstehen.

Als Mitglied des Bundesrates hat man eine grosse Verantwortung für das Land, aber auch Gestaltungsraum zusammen mit dem Parlament und dem Volk die Schweiz mit all ihren Errungenschaften in die Zukunft zu begleiten. Ich habe diese Arbeit sehr gern gemacht, sie war fordernd, aber auch bereichernd und äusserst vielfältig. Ich durfte dabei auf kompetente, motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen, die mich unterstützt haben und meinen Mann, der alle Belastungen mitbekam und mir Kraft gab.

Es sollten nun aber neue, unverbrauchte Kräfte in der Regierung Einsitz nehmen.

Schon heute möchte ich mich bedanken bei der Bundesversammlung für das Vertrauen, die diversen Wahlen, so vor allem auch die Ehre der Bundespräsidentin 2010 und 2017 wie auch die stets respektvolle Zusammenarbeit. Es hat in der Summe viel Freude gemacht!

Ich wünsche ihnen allen für ihre Arbeit als Gesetzgeber Elan, Unabhängigkeit und Weitsicht. Angesichts der immer komplexeren Fragestellungen und dem oft unwägbaren aussenpolitischen Einfluss ist für unser Land Weitsicht in den kommenden Jahren besonders wichtig. Pflegen sie daher den intensiven Austausch und die lustvolle Debatte, sie halten die Demokratie lebendig!

Mit vorzüglicher Hochachtung

Doris Leuthard, Bundesrätin"

Etwas längere Amtszeit als der Durchschnitt

Doris Leuthard hat im Vergleich mit den in den letzten Jahren zurückgetretenen Bundesratsmitgliedern eine eher überdurchschnittlich lange Amtszeit hinter sich. Sie war zwölf Jahre im Amt.

Johann Schneider-Ammann, der seinen Rücktritt am Dienstag bekanntgegeben hatte, wird den Bundesrat Ende Jahr nach einer Amtszeit von etwas mehr als acht Jahren verlassen. Damit liegt er im Mittel der Regierungsmitglieder.

Die letzten vor Leuthard und Schneider-Ammann zurückgetretenen Regierungsmitglieder, Didier Burkhalter und Eveline Widmer-Schlumpf, waren ebenfalls acht Jahre im Amt. Micheline Calmy-Rey blieb ein Jahr länger.

Etwas weiter zurück gibt es grössere Unterschiede: Moritz Leuenberger blieb 15 Jahre im Amt, Hans-Rudolf Merz lediglich sechs Jahre und zehn Monate. Die bisher längste Bundesrats-Amtszeit der Geschichte hat Carl Schenk. Er verunfallte 1895 nach 32 Jahren im Amt tödlich.

Adolf Deucher (gestorben 1912) war 29 Jahre lang Bundesrat, Giuseppe Motta (gestorben 1940) nur ein Jahr weniger. Philipp Etter (bis 1959) brachte es auf 25 Amtsjahre und erhielt dafür den Spitznamen "Der Ewige".

Die kürzeste Amtszeit hatte bisher Louis Perrier der 1913 nur 14 Monate nach seiner Wahl verstarb. Christoph Blocher wurde nach vier Jahren im Amt 2007 abgewählt, Ruth Metzler vier Jahre vor ihm nach etwas mehr als vier Jahren. Elisabeth Kopp (bis 1989) und Alphons Egli (bis 1986) hatten bis zu ihren Rücktritten ebenfalls vier Amtsjahre, Rudolf Friedrich (bis 1984) dagegen nicht einmal zwei.

Die 55-jährige Leuthard verlässt die Regierung neun Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter, im Gegensatz zu ihrem 66-jährigen Kollegen Schneider-Ammann, der seinen Sessel nach dem Erreichen des Rentenalters räumt. Auch Hans-Rudolf Merz ging mit 68 Jahren. Moritz Leuenberger dagegen entschied sich 64-jährig für den Rücktritt. (sda)

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