Corona-Virus

Das Leben in der Schweiz zu Zeiten von Corona-Virus – diese Auswirkungen spüren wir bereits jetzt in unserem Alltag

Asiatische Touristen mit Schutzmasken vor dem Chateau de Chillon.

Asiatische Touristen mit Schutzmasken vor dem Chateau de Chillon.

Neben dem Veranstaltungsverbot sind in der Schweiz auch andere Auswirkungen des Corona-Virus spürbar. Ein Überblick.

Grossanlässe werden abgesagt

Am Montag entschied die National League, die Hockey-Playoffs zu verschieben. Eigentlich hätten sie am kommenden Samstag, 7. März starten sollen. Am 13. März will man sich wieder treffen und weitere Entscheide fällen. Kurze Zeit später kommunizierte die Swiss Football League, dass die Super League bis auf Weiteres unterbrochen werde.

Grund dafür ist das Veranstaltungsverbot des Bundesrates. Alle Anlässe, bei denen mehr als 1000 Personen über längere Zeit auf engem Raum zusammen sind, wurden bis zum 15. März verboten. In gewissen Kantonen wurden Organisatoren von Events mit unter 1000 Besucher angehalten, Personen, die sich in den letzten zwei Wochen in China (inkl. Hongkong), Südkorea, Iran, Norditalien und Singapur aufgehalten haben, von den Veranstaltungen auszuschliessen.

Ebenso Besucher, die Grippesymptome haben. Zusätzlich wurde in verschiedenen Kantonen den Veranstalter vorgeschrieben, die Personalien der Besuchenden zu notieren. Dass die Handhabung der kleineren Veranstaltungen von Kanton zu Kanton variiert, wird von den Event-Organisatoren kritisiert. Deshalb wollen die Behörden nun bis spätestens Mitte Woche Richtlinien und Kriterien für Anlässe mit unter 1000 Personen festhalten.

Hamsterkäufe

Nicht nur Lebensmittel werden «gehamstert», sondern auch Desinfektionsmittel und Masken. Ein Schild in einer Apotheke in Chiasso weist darauf hin, dass keine Schutzmasken mehr erhältlich sind.

Nicht nur Lebensmittel werden «gehamstert», sondern auch Desinfektionsmittel und Masken. Ein Schild in einer Apotheke in Chiasso weist darauf hin, dass keine Schutzmasken mehr erhältlich sind.

Obwohl im Gegensatz zu Italien in der Schweiz keine Orte abgeriegelt wurden, kaufen viele Schweizer für ihren Notvorrat ein. Zahlreiche Bilder von leeren Coop- und Migrosregalen kursierten auf Social Media. Die Nachfrage steigt vor allem bei Lebensmitteln in Konservendosen, Teigwaren, UHT-Milch, Babynahrung, Eier und Desinfektionsmittel, so die Detailhändler.

Von einem Engpass könne derzeit aber keine Rede sein, sagt die Migros zu CH Media. Die aktuellen Entwicklungen würden aber in die Planung der Warenbeschaffung einbezogen. Sie hätten ein Basissortiment definiert, das in der Logistik nun priorisiert behandelt werde.

Denn das Dosensortiment müsse nicht wie normal alle zwei, drei Tage aufgefüllt werden, sondern täglich oder sogar mehrmals am Tag, sagt Marcel Oswald, Konserven-Verantwortlicher bei der Migros, gegenüber dem Migrosmagazin. Einen solchen Ansturm wie in den letzten Tagen habe er noch nie erlebt.

Leere Tourismus-Hotspots

Normalerweise reihen sich hier Reisecars aneinander, wegen des Coronavirus ist seit Wochen nichts los.

Normalerweise reihen sich hier Reisecars aneinander, wegen des Coronavirus ist seit Wochen nichts los.

Die Fluggesellschaften Lufthansa, Austrian und Swiss fliegen bis Ende April nicht mehr nach China. Zudem hat die chinesische Regierung ihren Landsleuten untersagt, nach Europa zu reisen. So sind im Februar die Hotellogiernächte aus China um 50 Prozent eingebrochen. Der Umsatz der Tourismusbranche in der Schweiz musste ein Minus von 19 Millionen verzeichnen. Im vergangenen Monat gingen ausserdem die Hotellogiernächte von der gesamten Anzahl Gästen um zwei Prozent zurück. Die Hälfte der HotellerieSuisse-Mitglieder haben oder erwarten Annullationen, wie Schweiz Tourismus auf ihrer Webseite schreibt.

In Luzern zeigt sich seit Wochen ein ungewohntes Bild: Wo die Tourismus-Hotspots wie der Schwanenplatz, das Löwendenkmal oder die Kapellbrücke sonst vollkommen überlaufen sind, herrscht jetzt komplette Leere. «Wir verzeichnen derzeit einen Umsatzrückgang von 70 bis 80 Prozent», sagt ein Restaurantbesitzer gegenüber der «Luzerner Zeitung» . Ausserdem sind im Kanton Luzern dreizehn Gesuche um Kurzarbeitsentschädigung eingegangen.

In Interlaken sieht es ähnlich aus: Das beliebte Reiseziel ist seit Tagen wie ausgestorben. Wie «Der Bund» schreibt, geht Christoph Leibundgut von Interlaken Tourismus «deutlichen Einbussen» bei den chinesischen Gästen aus.

Geringeres Verkehrsaufkommen

Für den öffentlichen Verkehr gelten aktuell noch keine Einschränkungen. Das Bundesamt für Gesundheit begründet es damit, dass man am Bahnhof zwar vielen Menschen begegnet, das sei aber nur für eine kurze Zeit. Im Zug würde man zwar länger neben einer Person sitzen, es seien jedoch nicht 1000 Personen in einem Abteil.

Dass nun viele lieber aufs Auto umsteigen und die öffentlichen Verkehrsmittel meiden, kann die SBB nicht bestätigen. «Für eine Bilanz zum Reiseverhalten ist es derzeit noch zu früh», so ein SBB-Sprecher zu watson. Die Anfragen von Kundinnen und Kunden würden vor allem mögliche Annullationen von bereits gebuchten Reisen betreffen.

Die Verkehrsinformationszentrale «ViaSuisse» informierte auf ihrer Facebook-Seite, dass sie wegen des Veranstaltungsverbots mit einem geringeren Verkehrsaufkommen rechnen würden.

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