Auf den nächsten Winter hin führt die Tourismusregion «Engadin St. Moritz» ein Dynamic-Pricing-System ein. Frühbucher werden neu mit Abschlägen auf die Vorjahrespreise belohnt: 44 Prozent in der Nebensaison, noch 10 Prozent in der Hauptsaison. Dagegen könnte bis zu 20 Prozent mehr auslegen müssen, wer in der Hochsaison erst am Skitag das Ticket kauft, also zum Beispiel 105 Franken.

Oder es könnte noch teurer werden: «Die Preise werden sich bei uns strikt nach der Nachfrage richten, nach oben sind sie offen», sagt Markus Meili, Chef der «Engadin St. Moritz Mountains AG». Damit betritt das Oberengadin schweizerisches Neuland. «Unseres Wissens setzt kein anderes Skigebiet das dynamische Pricing so konsequent um.» Das Knowhow dazu hat Meili beim Berliner Start-up «Smart Pricer» eingekauft, das auch die Zermatter Bergbahnen berät.

Dass dieses neue Modell nicht überall auf überschwängliche Freude stossen könnte – das ist in der Strategie bereits eingeplant. «Wir versuchen, es allen Gästen früh zu erklären. Aber ein gewisses Erschrecken wird sich nicht immer vermeiden lassen», sagt Meili. Gleichwohl will man überzeugen. «Die Gästen profitieren von Rabatten, wenn sie früh buchen. Auf den Pisten wird es in der Hochsaison mehr Platz haben, die Pisten werden besser sein – kurzum es wird mehr Freude bereiten.»

Reaktion auf mässige Zahlen

Damit stellt das nächste Skigebiet auf ein dynamisches Preissystem um. Erst Mitte März hatten die Zermatter Bergbahnen einen Wechsel angekündigt. Zuvor hatten Lenzerheide, Arosa oder Andermatt verschiedene Varianten von Dynamic-Pricing eingeführt. Andere Regionen setzten auf stark verbilligte Saisonkarten, so das Berner Oberland mit dem «Top4Saisonabo». Am Anfang der Preisschlacht stand eine von Saas-Fee als «Hammerdeal» angepriesene Saisonkarte. «Es gibt kaum noch ein Skigebiet, das seither nicht sein Preismodell angepasst hat», schreibt das Fachblatt «Hotel Revue».

Mit ihren Preisoffensiven reagieren die Skigebiete auf die zuletzt mässigen Geschäftszahlen. Zwar verlief der letzte Winter vergleichsweise erfolgreich. Die Bergbahnen konnten 6,9 Prozent mehr Ersteintritte verbuchen als im Vorjahr. Doch dies dürfe «nicht überbewertet werden», schrieb der Verband «Seilbahnen Schweiz». Denn die Jahre zuvor seien «ausserordentlich schwach» gewesen.

So gab es in der Saison 16/17 rund einen Viertel weniger Ersteintritte zu zählen im Rekordwinter 08/09. Wetterpech und der starke Franken hielten die Gäste fern. Die Bergbahnen im Oberengadin konnten sich diesem Trend nicht entziehen. Im letzten Winter gelang nur ein Plus von 1,2 Prozent mehr Ersteintritten.