Auf der einen Seite reden Exponenten des türkischen Kulturvereins in Wangen bei Olten von «gegenseitigem Respekt» und «Dialog». Auf der anderen Seite hissen sie die Flagge der «Grauen Wölfe», einer Organisation, die vor Terror gegen Andersdenkende nicht zurückschreckt.

Diese «Jugendorganisation» der nationalistischen Türken beruht auf der pantürkischen Ideologie. Die Idee: Alle türkischen Völker sollen in einer türkischen Nation vereint werden, ein Territorium, das sich von China bis nach Spanien erstrecken sollte.

Der Gründer war Nazi-Sympathisant

Zentrale Figur bei den Grauen Wölfen war der rechtsradikale türkische Oberst Alparsan Türks. Während dem 2. Weltkrieg war er die Kontaktperson der Nazis in der Türkei. Er war überzeugt von der rassischen Überlegenheit der Türken und zog es vor, in seinen Reden immer wieder aus Hitlers Buch «Mein Kampf» zu zitieren.

Nach dem Krieg stellte er Kontakte zum US-Geheimdienst CIA her.

Putschist und CIA-Verbindungsoffizier

Ende Mai 1960 putschten Militärs die türkische Regierung, mitten dabei: CIA-Verbindungsoffizier Oberst Alparsan Türks. Der rechtmässige Premierminister wurde verurteilt und ermordet, Türks war damals die rechte Hand des Putschgenerals Cemal Gürsel.

Wegen seinen radikalen Ansichten wurde Türks später von der politischen Bühne entfernt und in Indien Militärattaché der türkischen Botschaft. Kurz nach seiner Rückkehr 1963 versuchte er erneut, die türkische Regierung zu stürzen.

Die Fahne der Terrororganisation Graue Wölfe sorgt weiter für Ärger

Die Fahne der Terrororganisation Graue Wölfe sorgt weiter für Ärger

Diesmal aber schlug der Putsch fehl und Türks landete im Gefängnis. Doch er hatte Glück und gute Beziehungen: «Mangels Beweisen» liess man ihn laufen.

Sofort schmiss sich der Oberst wieder in die Politik und gründete die rechtsradikale Partei Milietci Hareket Partisi (MHP). Gleichzeitig führte er die rechtsextreme bewaffnete Gruppe als «Jugendorganisation» der MHP, die Grauen Wölfe (Bozkurt).

Diese «Jugendorganisation» war nichts anderes als ein brutales Netzwerk ausgebildeter bewaffneter Männer, die bereit waren, Gewalt anzuwenden, um die pantürkische Ideologie zu verbreiten.

Als Oberst Türks 1997 verstarb, wurde er wie ein Nationalheld zu Grabe getragen. An der Ideologie seiner Nachfolger änderte sich nichts.

«Überlegenheit der türkischen Rasse»

In ihrer eigenen Zeitschrift beschrieben sich die Wölfe folgendermassen:

«Wer wir sind? Wir sind die Mitglieder des Grauen Wolfs (Bozkurtcu). Was ist das Credo der Bozkurtcu? Sie glauben an die Überlegenheit der türkischen Rasse und der türkischen Nation. Was ist die Quelle dieser Überlegenheit? Das türkische Blut.»

Weiter ist in der Zeitschrift zu lesen: «Es ist das heilige Ziel der Bozkurt-Türken, dafür zu sorgen, dass der türkische Staat zu einer Nation mit 65 Millionen Bürgern heranwächst.»

In der Vergangenheit gingen Mitglieder der Grauen Wölfe gegen politische Gegner immer wieder mit äusserster Brutalität vor.

Wegen Massenmords international gesucht

Der Graue Wolf Haluk Kirci etwa wurde international wegen Massenmordes gesucht und beschrieb in seinen Memoiren, wie er unliebsame Personen ermordete: «Ich ging hin, holte die beiden aus dem Auto und legte sie mit dem Gesicht nach unten auf den Boden. Dann feuerte ich jeweils drei Kugeln in ihren Kopf. Dann gingen wir zurück in die Wohnung. Die anderen fünf lagen bewusstlos auf dem Boden... Erst versuchte ich einen von ihnen mit einem Kabel zu erwürgen, doch das funktionierte nicht. Dann erstickte ich ihn mit einem Handtuch.»

Frei trotz siebenfacher Todesstrafe

Kirci wurde der Führer der Grauen Wölfe, als deren Vorgänger Abdullah Catli nach einem Autounfall starb. Kirci wurde diesen Mai zum wiederholten Male aus dem Gefängnis entlassen. Er kassierte in seiner Karriere bisher siebenmal die Todesstrafe, die aber nie vollstreckt wurde.

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht existierten in der Türkei etwa 1700 Organisationen der Grauen Wölfe. Etwa 200 000 Mitglieder zählte die Vereinigung mit zirka einer Million Sympathisanten. Graue Wölfe waren in der Türkei in Todesschwadronen aktiv und scheuten auch nicht vor Morden an Journalisten und Justizbeamten zurück.