Schweiz

Daniel Koch warnt: «Wir sind noch lange nicht aus der Gefahrenzone heraus»

Daniel Koch präzisiert am Freitag vor den Medien in Bern die Pläne des Bundesrates zum Ausstieg aus dem Coronalockdown.

Daniel Koch präzisiert am Freitag vor den Medien in Bern die Pläne des Bundesrates zum Ausstieg aus dem Coronalockdown.

Am Tag, nachdem der Bundesrat seine Pläne für den Ausstieg aus dem Corona-Lockout vorgestellt hat, präzisieren dessen Beamte die Ausstiegspläne. Und sie warnen vor vorschnellen Lockerungen.

Zwar ist die Zahl der Infizierten am Freitag erneut lediglich um knapp 350 auf 27'000 gestiegen. Doch damit bewege sich die Schweiz erst wieder «etwa auf dem Stand von Anfang und Mitte März», kommentierte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern vor den Medien. «Wir sind also noch lange nicht aus der Gefahrenzone heraus.»

Epidemiologisch betrachtet bleibe das Risiko einer Ansteckung mit allenfalls schwerer Erkrankung bestehen. So müssten derzeit beispielsweise noch immer etwa 300 Patienten in Spitälern beatmet werden. «Es ist wichtig», betonte Koch, «dass wir uns dies immer wieder in Erinnerung rufen, wenn wir jetzt über Lockerungen der Corona-Massnahmen diskutieren.»

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Nach den Lockerungen der Lockdown-Massnahmen informierten heute die Fachleute des Bundes über die Auswirkungen auf die einzelnen Branchen. Boris Zürcher betont, das bei der Wiedereröffnung die Verantwortung für die Schutzkonzepte bei den jeweiligen Betrieben liegt.

Daniel Kochs drei Präzisierungen

Zu den am Donnerstag vom Bundesrat publizierten ersten Schritten aus dem Corona-Lockdown präzisierte Daniel Koch drei Punkte:

  • Es sei nicht so, dass die grossen Detailhändler ab dem 27. April einfach alle Produkte, die auch kleine und mittlere Läden anbieten, wieder verkaufen dürften. Es gehe um Lockerungen in einzelnen Bereichen, die nun geklärt werden müssten. Die drohende Verzerrung des Wettbewerbs werde der Bundesrat und die Verwaltung nun in den Erläuterungen der Verordnung klären, ergänzte Boris Zürcher, Leiter Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).
  • Auch die Anliegen der Gastrobranche wird die Verwaltung laut Daniel Koch «sicher nochmals genau anschauen». Klar sei allerdings, dass etwa bei einem Restaurantbesuch «Distanzhalten schwierig» sei. Und Koch erinnerte daran, dass die Einhaltung der Beschränkung auf 50 Personen zu Beginn der Coronakrise «bereits einmal nicht wirklich funktioniert» habe. Dieser Fehler dürfe sich nicht wiederholen.
  • Drittens betonte der BAG-Delegierte für Coronafragen, dass Kinder mit «ganz grosser Sicherheit nicht Treiber dieser Epidemie sind». Neueste Erkenntnisse verwiesen darauf, dass sie sich wenn überhaupt meist bei ihren Eltern angesteckt haben. Darum stehe auch der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen ab dem 11. Mai nichts im Weg. Zudem fallen die kleinen Kinder laut Koch auch nicht unter das Versammlungsverbot. Jedoch deren Eltern, weshalb sie sich auch nur höchstens zu fünft auf Spielplätzen aufhalten dürfen. Zu Grosseltern empfiehlt der Bund jedoch, weiter Abstand zu halten. Koch: «Weil es immer noch Kinder gibt, die infiziert sein können.»

Zur vieldiskutierten Frage, weshalb der Bund bislang keines der von Branchenverbänden eingereichten Schutzkonzepte bewilligt hat, sagte Daniel Koch, dies sei gar nicht dessen Aufgabe. «Wir werden Grundlagen bereitstellen, können aber nicht für jede erdenkliche Arbeit ein Schutzkonzept erstellen.» Branchen und Betriebe könnten die Grobkonzepte des Bundes adaptieren. Für die Kontrolle, ob deren Feinkonzepte eingehalten werden, seien dann die Kantone zuständig.

Zunahme der Arbeitslosen verlangsamt sich

Wie Boris Zürcher vom Seco erklärte, wird die Möglichkeit zur Voranmeldung für Kurzarbeit weiterhin rege benutzt. Es lägen nun gut 130'000 Gesuche von Firmen für 1,76 Millionen Mitarbeitende vor. Das entspreche gut einem Drittel aller Angestellten schweizweit. Mit 52 Prozent weiterhin am höchsten ist die Quote im Tessin. Mit monatlich 33'200 Personen etwas abgeflacht habe sich dagegen die Zahl der Gesuche für Arbeitslosengeld. Laut Zürcher sind dies vorab jüngere Menschen, aber auch Leute, die Ende letzten oder Anfang dieses Jahres ihre Stelle ohne Anschlusslösung gekündigt hätten und nun vor dem Nichts stünden. «Der Arbeitsmarkt ist zum Erliegen gekommen», bilanzierte Zürcher.

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