Coronavirus

Daniel Koch warnt: «Die Schweiz hat den Peak mit Sicherheit noch nicht erreicht»

Daniel Koch, Corona-Delegierter des Bundes, mit Christoph Flury (l.) und Raynold Droz am Samstag vor den Medien in Bern.

Daniel Koch, Corona-Delegierter des Bundes, mit Christoph Flury (l.) und Raynold Droz am Samstag vor den Medien in Bern.

In der Schweiz hat die Pandemie die Spitze noch nicht erreicht. Das sagte am Samstag Daniel Koch, der Corona-Delegierte des Bundes. Darum könnten Lockerungen der Massnahmen derzeit auch noch kein Thema sein.

«Wir haben weiterhin konstant steigende Zahlen», erklärte Daniel Koch vor den Medien in Bern. «Das heisst, die Ansteckungen nehmen nicht mehr exponentiell zu.» Konkret meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Samstag 975 zusätzliche Infektionen innert Tagesfrist. Damit wurden dem Bund seit Beginn der Coronakrise total 20'278 bestätige Ansteckungen gemeldet.

Klar ist damit laut Daniel Koch aber auch, dass die Schweiz «mit Sicherheit noch nicht an einem Peak angelangt» ist. Erst da könnte man laut dem Delegierten des Bundes für Corona-Fragen «daran denken, an den Massnahmen etwas zu ändern».

Medizin- und Pflegeberufe können sich schützen

Erstmals legte das BAG am Samstag zudem Details vor, wie sich die Coronakrise auf das Gesundheitspersonal auswirkt. Zahlen zu Ansteckungen hat der Bund zwar keine. Laut Daniel Koch ist aber bekannt, dass derzeit 2,6 Prozent des Personals in den Pflege- und Medizinalberufen hospitalisiert ist. «Das ist eine tiefe Zahl», konstatierte Koch. «Das Personal kann sich also gut schützen.»

Und auch Details zu den bislang dem BAG gemeldeten 540 Todesfälle wurden am Samstag bekannt: 6 Prozent der Verstorbenen sind unter 65 Jahre alt, der Median aller Verstorbenen liegt bei 83 Jahren. Von den Verstorbenen litten 97 Prozent mindestens bereits an einer anderen Erkrankung; davon die meisten an Bluthochdruck (67 Prozent), Herz-Kreislauferkrankungen (55 Prozent) und Diabetes (29 Prozent).

Es sind die Verletzlichen, die Spitalpflege benötigen

«Diese Zahlen zeigen, dass es vor allem die vulnerablen Personen sind, die das Gesundheitswesen schliesslich beanspruchen», folgerte Daniel Koch. Sprich: Es gehe weiterhin darum, diese Risikogruppen und Verletzlichen zu schützen. Dazu müssten die seit Wochen vom BAG propagierten Social-Distancing-Regeln «wirklich von allen eingehalten» werden, so Koch.

Umgekehrt warb Daniel Koch dafür, dass Eltern sich nicht in falscher Zurückhaltung üben und bei Symptomen ihre Kinder abklären lassen sollten. «Wir haben bereits Meldungen erhalten, wonach Eltern ihre Kinder zu spät zum Kinderarzt oder in Kinderspitäler bringen.» Das sei gefährlich und sicher nicht das Ziel der Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Von Meldungen des klinischen Notfall- und Rettungspersonals, dass seit Ausbruch der Coronapandemie auf den Notfällen der Spitälern die Zahl der Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten zurückgingen, wusste Daniel Koch nichts.

Keine falsche Bescheidenheit bei Krankheitssymptomen

Allerdings bat er generell: «Gehen Sie bei Krankheitssymptomen zum Arzt!» Glücklicherweise seien «in Teilen der Schweiz die Spitalbetten derzeit teilweise sogar stark unterbelegt», erklärte Koch. Das hänge damit zusammen, dass sich die Epidemie weniger rasch auf die ganze Schweiz ausbreite als angenommen. Noch immer sind das Tessin und die Romandie – dabei insbesondere die Waadt – besonders stark betroffen.

Das zeigen auch die Einsatzzahlen des Zivilschutzes: Total sind derzeit rund 5000 Zivilschützer im Einsatz. Der Grossteil davon ist laut Christoph Flury, Vizedirektor des Bundesamts für Bevölkerungsschutz, in der Romandie (2900 Angehörige) eingeteilt, gefolgt von der Ostschweiz (1100), der Nordwestschweiz (800) und der Zentralschweiz (200).

1000 weitere Sanitätssoldaten stehen bereit

Der Fokus der Einsätze liege nach wie vor vorab bei der Unterstützung des Gesundheitswesens und beim Betrieb von Hotlines. Zunehmend würden nun aber auch Alters- und Pflegeheime Unterstützung nachfragen. Und erste Zivilschützer helfen der Polizei dieses Wochenende in Genf die Einhaltung der Sozial-Distancing-Regeln in Pärken und auf Plätzen zu überwachen.

Ebenfalls vorab im Gesundheitsbereich eingesetzt werden die derzeit im Einsatz stehenden 4900 Soldaten. Lediglich 600 davon sind laut Raynold Droz im Sicherheitseinsatz. Falls erforderlich könnten laut dem Brigadier zudem 1000 Sanitätssoldaten rasch aufgeboten werden.

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