Presseschau

CVP will «Konkordanzgipfel», Jugendliche mit psychischen Problemen, Spitäler vor dem Konkurs – das schreiben die Sonntagszeitungen

© CH Media

Die wichtigsten Themen aus der heutigen Sonntagspresse in der Übersicht für Sie zusammengestellt.

CVP-Präsident Gerhard Pfister schlägt Konkordanz-Gipfel vor

Der CVP-Präsident Gerhard Pfister schlägt den Grünen und allen anderen Parteien nun Gespräche über die künftige Zusammensetzung der Regierung an. Er will einen «Konkordanzgipfel» einberufen, um zu klären, «wie man in Zukunft die Konkordanz im Bundesrat gewährleisten kann», wie Pfister im Interview mit der «NZZ am Sonntag» sagt.

Der CVP-Chef lanciert dafür bereits auch eine erste Idee. Er schlägt vor, künftig die Sitze der Fraktionen im Parlament als Massstab für die Regierungszusammensetzung zu nehmen. «Man würde also schauen, wie viele Sitze eine Fraktion im Nationalrat hat und wie viele im Ständerat», sagt Pfister.

Gemessen an den total 246 Sitzen ergäbe sich so für jeweils 35 Sitze ein Platz im Bundesrat. Und das wiederum würde bei den aktuellen Verhältnissen wohl bedeuten, dass die Grünen früher oder später doch zu ihrem ersten Sitz kämen und sich die FDP als nächste von ihrem zweiten verabschieden müsste.

Psychiatrie-Fälle bei Kindern und Jugendlichen steigen dramatisch

Um die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz steht es schlecht. In den vergangenen Jahren haben die Besuche bei Psychiatern deutlich zugenommen. Von 2006 bis 2017 beispielsweise hat sich die Zahl der Konsultationen von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre allein in der ambulanten Spitalpsychiatrie mehr als verdoppelt, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei den Hospitalisierung und den Besuchen in Psychiatrie-Praxen. Die Zahlen stammen aus einer neuen Auswertung des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Obsan. Laut Fachleuten ist diese Entwicklung nicht nur schlecht, sie zeige, dass heute das psychiatrische Angebot besser sei und eher in Anspruch genommen werde. Allerdings sind sich Psychiater einig darin, dass Kinder und Jugendliche heute tatsächlich kränker sind als früher.

Als Hauptgründe gelten der vermehrte Schuldruck, die Digitalisierung sowie die sozialen Netzwerke. «Studien belegen, dass junge Menschen, die viel Zeit mit sozialen Medien verbringen, wesentlich depressiver sind als andere», sagt Oliver Bilke-Hentsch, der Präsident der Vereinigung kinder- und jugendpsychiatrischer Chefärzte, in der «SonntagsZeitung». Eine Zunahme insbesondere komplexer Fälle registrieren auch die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen.

Peter Spuhler zum Engagement von Leuthard: «Sie verdient 90’000 Franken pro Jahr»

Peter Spuhler holt Doris Leuthard in den Verwaltungsrat von Stadler Rail. Die ehemalige Bundesrätin verdient ihr Geld also in Zukunft in einer Branche, auf die sie in ihrer Zeit als Verkehrsministerin direkten Einfluss hatte. Dafür gibt es nicht nur Applaus. Im «SonntagsBlick» verteidigt Spuhler das aufsehenerregende Engagement. «Als Unternehmer erwarte ich von Schweizer Politikern, dass sie die Wirtschaft unterstützen. Und zwar nicht nur, wenn sie im Amt sind, sondern auch danach.» Er verstehe nicht, wie man an der Tatsache, dass Doris Leuthard in den Stadler-Rail-Verwaltungsrat komme, etwas Negatives sehen könne.

«Frau Leuthard hat in der europäischen Verkehrspolitik grosses Know-How erworben. Davon kann Stadler Rail bei strategischen Entscheiden profitieren.» Es sei falsch, wenn man den Bundesräten nach ihrer politischen Karriere praktisch ein Berufsverbot auferlegen wolle. «Wir müssen doch für unser Land und unseren Werkplatz schauen und auf dieses Know-How zurückgreifen.» Zudem betont Spuhler gegenüber «SonntagsBlick», dass das Engagement von Leuthard zum Wohle des Steuerzahlers sei.

Denn das Verwaltungsratshonorar werde Frau Leuthard von der Bundesrats-Pension abgezogen. Spuhler fordert: «Alt-Bundesräte sollen sich weiter engagieren!» Weiter gibt Spuhler bekannt, dass Leuthard für ihr Mandat 90’000 Franken pro Jahr erhalte.

Politiker fordern Streichung von Bundesgeldern für Aids-Hilfe Schweiz

Ein Inserat in der aktuellen Ausgabe von «Display», einem Magazin für Homosexuelle, hat die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) derart erzürnt, dass der Verband per sofort die Zusammenarbeit mit dem Lifestyle-Magazin gekündigt hat. Das berichtet die «SonntagsZeitung». Das Inserat, das sich gegen eine Erweiterung der Rassismus-Strafnorm auf die sexuelle Orientierung ausspricht, wurde vom Komitee «Sonderrechte Nein» geschaltet. Die Gruppierung besteht aus schwulen Politikern, wie beispielsweise dem Präsidenten der Stadt-Berner SVP und Alt-Nationalrat Thomas Fuchs.

Das Inserat torpediere die Präventionsarbeit der Aids-Hilfe, weshalb die vom Bund mitfinanzierte Nonprofit-Organisation im «Display» ab sofort keine Inserate mehr schalten oder Kolumnen schreiben wird. Für das Gay-Magazin mit einer Leserschaft von 40 000 ist der Boykott der AHS existenzbedrohend. Das SVP-Vorstandsmitglied des Bezirks Dielsdorf ZH, Michael Frauchiger, der als Co-Präsident des Komitees das Inserat in Auftrag gegeben hat, spricht von «Zensur» und «linkem Gesinnungsterror». Für SVP-Nationalrat Erich Hess handelt es sich um Unterdrückung der Meinungsäusserungsfreiheit.

Hess will deshalb, dass die finanzielle Unterstützung des Bundes an die Aids-Hilfe Schweiz aus dem Budget gestrichen wird. Das Bundesamt für Gesundheitswesen, das der AHS jährlich 1,5 Millionen Franken zahlt, erklärt, dass es alleinige Sache des Vereins sei, in welchen Magazinen er Werbung schalte und wo nicht.

Federer Exklusiv-Interview: «Fashion ist eine grosse Passion von mir»

Tennisstar Roger Federer wird Teilhaber der Zürcher Firma On und folgt damit seiner Leidenschaft. «Mit Uniqlo und jetzt mit On habe ich die Fashion-Route eingeschlagen. Das ist eine grosse Passion von mir», sagt der Tennisstar im Exklusiv-Interview mit der «NZZ am Sonntag». Möglich wurde dies, weil vergangenes Jahr sein Vertrag mit Nike auslief. Das schaffte neue Kapazitäten: «Es war emotional, nachdem ich 20 Jahre mit Nike zusammen war. Aber es war auch eine Riesen-Möglichkeit für mich, zu schauen, wohin mein Weg mich führt.»

Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» erläutert Federer, wohin dieser führen könnte. Auf eine Unternehmer-Karriere sei er nicht aus, sagt er. «Geldverdienen macht mich nicht happy. Mich macht happy, wenn ich weiss, dass einen Unterschied mache bei On. Ganz ehrlich.» Federer betont im Gespräch mit der «NZZ am Sonntag», wie wichtig ihm seine Familie sei. «Ich will genug Flexibilität haben, damit ich der Vater sein kann, der ich sein will.» Alles andere, auch On, müsse sich dem unterordnen. Deshalb sei es praktisch, dass On seinen Hauptsitz in Zürich habe.

«Ich werde in der Schweiz wohnen. Darum wird das mit On so interessant. Die wohnen um die Ecke.» So könne man auch einfach mal auf einen Kaffee. «Für mich ist wichtig, dass ich nicht jetzt schon mein Leben überlade.» Abgesehen vom Laver Cup hat Federer keine Absicht, sich bei einem weiteren Turnier auf der ATP-Tour zu engagieren. «Das war früher mal ein Thema mit den Swiss Indoors in Basel. Sie wissen, was passiert ist …»

Damals überwarf sich Federer mit Turnierdirektor Roger Brennwald. Aber auch sonst sei das kein Ziel mehr von ihm. Ein Turnier fresse viel Zeit, sagt Federer. «Da arbeitet man das ganze Jahr daran, dass die eine Woche perfekt ist.»

Jedem zehnten Spital droht der Konkurs

Der Schrumpfkurs der Schweizer Spitalmärkte beschleunigt sich, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Das geht aus der Analyse des Beratungsunternehmens Price Waterhouse Coopers (PwC) hervor: «Unsere Studie zeigt, dass 37 der 44 untersuchten Spitäler nicht mehr profitabel genug sind, um in den nächsten fünf bis zehn Jahren wettbewerbsfähig zu bleiben», sagt Philip Sommer von PwC.

Hochgerechnet auf die 163 Akutspitäler bedeute das, dass etwa jedes zehnte Spital akut konkursgefährdet sei. Diese Zahl werde steigen, falls die Spitäler nicht rasch Zugeständnisse bei ihrem Angebot machten. Als eine wichtige Massnahme müssten weitere bisher stationären Leistungen in den günstigeren, ambulanten Bereich verlagert werden.

Meistgesehen

Artboard 1