Bundesratswahlen

CVP präsentiert mögliche Bundesrätinnen und Bundesräte

Drei Frauen und ein Mann bewerben sich um die Nachfolge von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard. Am Mittwochabend haben sie sich der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine eindeutige Favoritin oder ein eindeutiger Favorit war nicht auszumachen.

Eigentlich war es der Abend, an dem Elisabeth Schneider-Schneiter erklären sollte, welche Schwerpunkte sie ausserhalb der Aussenpolitik setzen will, Peter Hegglin hätte sich als guter Kommunikator beweisen können, Heidi Z’graggen ihre Kenntnisse der Bundespolitik auswälzen und Viola Amherd die Konkurrenz in Grund und Boden reden – um ihre Favoritenrolle zu zementieren. Denn am Mittwochabend bot die CVP ihren Kandidaten eine Plattform, um sich für die Nachfolge von Bundesrätin Doris Leuthard beliebt zu machen.

Nun, die ersten 24 Minuten mussten die Kandidaten zwei unterschätzte Tugenden unter Beweis stellen: zuhören und schweigen. Moderator Claude Longchamp redete und redete. Er redete über sich, die Bundesratswahl, die Frauenfrage. Und als er sich endlich den vier Kandidaten zuwandte, spielte er ihnen auch noch einen Steilpass: Sie durften über ihr Kernthema referieren.

Aussenpolitikerin Schneider-Schneiter wählte die Aussenpolitik, der frühere Finanzdirektor Hegglin Finanz- und Steuerpolitik, die Politologin Z’graggen die Schweizer Institutionen und die Verkehrspolitikerin Amherd Mobilität. Vermeintlich spannender waren die vorbereiteten Referate zu den selbst gewählten Themen Migration, Sicherheit, Umwelt und Digitalisierung.

Erster Auftritt seit Spitalaufenthalt

Viola Amherd: erster Auftritt seit Spitalaufenthalt

Im Interview erläutert sie ihre Beweggründe, Bundesrätin zu werden.

Was wirklich zählt

Das Zückerchen sparte sich Longchamp bis zum Schluss auf, als er den Kandidaten Fragen stellte, auf die sie nicht vorbereitet waren. Es zeigte sich einerseits, dass die Kandidaten in der Sozialpolitik nach rechts neigen: Sie befürworten ein höheres Rentenalter.

Andererseits kamen nun Sekundärtugenden und Schwächen zur Geltung. Heidi Z’graggen versuchte es mit Ironie, merkte aber schnell, dass dadurch leicht Missverständnisse entstehen können. Zudem bewies sie Mut, versuchte sich auf Französisch, auch wenn es neben Viola Amherd eher holprig tönte. Diese schien wiederum erst etwas nervös, punktete aber mit ihrem Italienisch-Statement und in Sachen Originalität: Da sie als Deutschschweizerin im Französisch-dominierten Wallis lebe, wisse sie um die Bedürfnisse von Minderheiten in der Schweiz.

CVP präsentiert mögliche Bundesrätinnen und Bundesräte

CVP präsentiert mögliche Bundesrätinnen und Bundesräte

  

In technischen Fragen kann sie jedoch noch dazulernen: Flüstern mit dem Mikrofon am Mund funktioniert nur beschränkt. Wir wissen nun, dass sie kalte Hände hatte. Schneider-Schneiter wirkte abgeklärt, zeigte sich wirtschaftsfreundlich und sprach auch fliessend Englisch und Italienisch. Überraschendes liess sie sich leider nicht entlocken. Mit den Fremdsprachen hatte hingegen Hegglin seine liebe Mühe. Französisch, Englisch und Italienisch gehören definitiv nicht zu seinen Kernkompetenzen – wobei er die schwierigsten Fragen aus dem Publikum mit viel Musse beantworte.

Falls trotz allem die CVP-Kandidaten nicht fassbarer wurden, wissen wir nun immerhin über den Moderator etwas mehr, der zwar in der Mitte sass, aber nicht im Zentrum stand, wie er etwas überraschend selbst feststellte. Deshalb zum Schluss für alle, die es nicht interessiert: Longchamps Leibspeise ist Schweinsfilet an Morchelsauce.

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Autor

Anna Wanner

Anna Wanner

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