Im Netz kursieren Werbeanzeigen mit dem Konterfei von Bundesrat Ueli Maurer (SVP). Dahinter stecken mutmasslich Betrüger. Das Finanzdepartement hat Strafanzeige gestellt – aber die Urheber sind schwer zu fassen.
Wer in den vergangenen Tagen von der Schweiz aus per Smartphone oder am PC ausländische News-Websites ansteuerte, begegnete dort manchmal einem bekannten Gesicht: Bundesrat Ueli Maurer (SVP), dem Finanzminister der Eidgenossenschaft. Nicht etwa, weil Maurer dieser Tage für Schlagzeilen in der internationalen Presse sorgen würde.
Nein: Mit seinem Namen und Gesicht wurden Online-Werbeanzeigen geschaltet, die zielgenau Schweizer Leserinnen und Lesern von Artikeln der «Huffington Post» aus den USA oder des «Guardian» aus Grossbritannien ausgespielt wurden. «Der Ueli-Maurer-Skandal: Das hat die Welt verrückt gemacht und die Banken haben Angst», heisst es in einer der Anzeigen.
Wer auf die Werbefläche klickt, landet auf einer Website, auf welcher über spektakuläre Geldgewinne dank Investments in Kryptowährungen berichtet wird. Die Website kommt in einer Gestaltung daher, die einem Artikel des Onlineangebots von SRF ähnelt. Im Text wird Ueli Maurer zitiert, er selber habe derartige Wertsteigerungen nicht für möglich gehalten, bis ihm ein Freund ihm von seinen Gewinnen mit Kryptowährungen erzählt habe.
Wirbt Bundesrat Maurer tatsächlich auf dem Newsportal der öffentlich-rechtlichen SRF für Investitionen in Bitcoin & Co.? Nein. Weder stammt der erwähnte Artikel von SRF, noch hat Bundesrat Maurer die oben erwähnten Sätze je gesagt. Bei der Website, auf welcher man landet, wenn man auf die Werbeanzeigen mit Maurers Konterfei klickt, handelt es sich um eine mutmasslich betrügerische Masche.
Sie soll Besucherinnen und Besucher dazu verlocken, Geld zu überweisen, mit dem sie vermeintlich Kryptowährungen erwerben. In Wahrheit landet es in den meisten Fällen ohne irgendwelche Gegenleistung oder der Möglichkeit auf eine Rückerstattung in den Händen der anonym bleibenden Urheber der Website.
Bei Maurers Finanzdepartement (EFD) hat man Kenntnis von der betrügerischen Werbung mit Fake-Zitaten des Bundesrats – und will juristisch dagegen vorgehen. Bereits im letzten Jahr seien ähnliche Websites aufgetaucht, erklärt Maurers Sprecher Peter Minder auf Anfrage von CH Media: «Der Rechtsdienst des EFD hat zum Thema Bitcoin Code bereits am 18. Mai 2020 eine Strafanzeige wegen (versuchten) Betrugs an die Bundesanwaltschaft (BA) eingereicht. Die neuerlich aufgetauchte Aktion wird als Ergänzung zur bestehenden Strafanzeige der Bundesanwaltschaft zugestellt.»
Ob die Köpfe hinter der Fake-Maurer-Werbung gefunden werden können, ist fraglich. Denn die BA sistierte die nach der Strafanzeige im Mai 2020 eingeleiteten Ermittlungen nach vier Monaten, «da keine Angaben zur Täterschaft vorlagen, welche deren Identifizierung erlaubt hätte», wie eine Sprecherin mitteilt.
Auch bei SRF hat man keine Freude an solchen Werbeanzeigen. Mediensprecher Stefan Wyss sagt gegenüber CH Media:
«Diese Fake-Ads ärgern uns sehr und wir tolerieren diese selbstverständlich nicht.»
Seit mehreren Monaten kursierten Werbeanzeigen, bei welchen unerlaubt Bilder aus Sendungen von SRF verwendet werden oder die – wie im aktuellen Fall - gar in einem gefälschten SRF-Layout aufgemacht sind. Oftmals missbrauchten die Urheber auch Bilder von SRF-Moderatorinnen und Moderatoren für ihre dubiosen Zwecke.
Welche Massnahmen SRF dagegen ergreift, verrät Wyss nicht, da man den Urhebern keine Hinweise geben wolle: «Wichtig ist es, die Bevölkerung zum Thema zu sensibilisieren», sagt Wyss. SRF begrüsse deshalb die Medienberichterstattung zum Thema, das auch von SRF mehrfach aufgegriffen worden sei.
Betrügerische Anzeigen für Krypto-Investments tauchen seit mehreren Jahren immer wieder im Netz auf. Zu den Prominenten, in deren Namen für solche Angebote geworben worden ist, zählen etwa Roger Federer, DJ Bobo oder Roger Schawinski.
Vor der Masche warnt auch das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC). Es sei häufig schwer zu erkennen, dass es sich dabei um unseriöse Werbung und nicht um einen echten Zeitungsartikel handelt. Das NCSC rät, Werbung dieser Art zu ignorieren und im Zweifelsfall auf der Website der Finanzmarktaufsicht FINMA zu überprüfen, ob es sich beim Anbieter um einen in der Schweiz zugelassenen Finanzdienstleister handelt.