Coronavirus
So hoch ist die Durchseuchungsrate in der Schweiz: 4 Erkenntnisse aus der Genfer-Studie

Für eine gross angelegte Corona-Studie haben Forschende an der Uni Genf von 4000 Personen Blutproben genommen. Untersucht wurde das Blut auf spezifische Antikörper. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

ohe / watson
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Ein Coronavirus-Patient wird im Universitätsspital Zürich behandelt.

Ein Coronavirus-Patient wird im Universitätsspital Zürich behandelt.

Keystone

So hoch ist die Durchseuchungsrate in der Schweiz

In der medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» publizierten die Forschenden erste Ergebnisse ihrer Untersuchung. Zwischen Mitte November und Mitte Dezember wurden die 4000 Blutproben untersucht. Dabei wurden in 820 Proben Antikörper nachgewiesen. Dies entspricht einer Durchseuchungsrate (Seroprävalenz) von 21,1 Prozent.

Im Vergleich zur gesamten Schweiz haben sich im Kanton Genf deutlich mehr Menschen angesteckt. Bereits während der ersten Welle war die Westschweizer Stadt ein Hotspot der Corona-Infektionen. Und auch in der zweiten Welle wiesen Kantone wie Genf, Waadt und das Wallis höhere Zahlen aus.

Mit den Daten aus Genf berechneten die Forschenden auch einen Wert für die ganze Schweiz: Schätzungsweise haben sich rund 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz mit dem Virus infiziert. Schweizweit würde das folglich eine Durchseuchungsrate von 16 Prozent bedeuten.

Wer sich am meisten infiziert hat

Die aktuelle Studie zeigt, dass die Anzahl der Menschen mit Sars-Cov-2-Antikörper im Blut seit der ersten Welle zugenommen hat. Und sie zeigt auch, dass es grosse Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen gibt.

Die höchste Durchseuchungsrate wurde bei den 18- bis 35-Jährigen festgestellt. Diese wiesen eine Seroprävalenz von rund 25 Prozent aus. Etwas geringere Werte hatten die 6- bis 18-Jährigen (23,2%) und die 35- bis 65-Jährigen (22,4%). Kleinkinder zwischen 0 und 5 Jahren und 65- bis 75-Jährige wiesen mit 14,9 Prozent deutlich weniger infiziert. Noch tiefer war die Durchseuchungsrate bei den über 75-Jährigen. Diese lag bei knapp 10 Prozent.

Kinder können Virentreiber sein

Während der ersten Welle wurde bei den Kindern im Schulalter eine geringere Durchseuchungsrate nachgewiesen. Während der zweite Welle waren die Schulen geschlossen.

Die Studie habe klar gezeigt, dass Kinder im Schulalter ebenso eine Rolle bei der Ausbreitung des Virus spielen, so Antoine Flahault gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Flahault ist Direktor des Institute of Global Health an der Universität Genf und Mitautor der publizierten Studie.

Immunität hält etwa ein halbes Jahr an

Weiter gibt die Genfer Studie Aufschluss über die Dauer der Immunität. Denn viele der Probanden, die zwischen November und Dezember 2020 an der Untersuchung teilnahmen, waren schon im Frühjahr 2020 Teil einer ähnlich angelegten Studie.

Praktisch alle Studienteilnehmer, welche schon in der ersten Welle Antikörper gegen Sars-CoV-2 im Blut hatten, hatten dies auch sechs bis sieben Monate später noch. Das bedeutet, dass diejenigen, welche sich schon im Frühjahr mit Corona infizierten, mindestens sechs bis sieben Monate gegen das Virus immun waren.