Klimadebatte

Cédric Wermuth fordert vier autofreie Sonntage pro Jahr – und hofft auf Volksfeste

Zwei junge Mädchen geniessen  beim Rollschuhlaufen die leeren Strassen während einem autofreien Sonntag am 21. November 1973 in Zürich.

Zwei junge Mädchen geniessen beim Rollschuhlaufen die leeren Strassen während einem autofreien Sonntag am 21. November 1973 in Zürich.

Der Aargauer Nationalrat Cédric Wermuth will pro Jahr vier autofreie Sonntage einführen. Er erinnert an Volksfeste zur Zeit der Ölkrise.

Familien unternehmen, unbehelligt vom Auto, eine Velotour. Hauptstrassen mutieren zu Rollschuh-Fahrbahnen. Spaziergänger nehmen den Asphalt in Beschlag, ohne dass in ihren Ohren Motorenlärm dröhnt: Die drei autofreien Sonntage im Jahr 1973, eine Folge der Erdölkrise, haben sich im kollektiven Gedächtnis der Schweiz eingebrannt.

Zuletzt lehnte das Volk im Jahr 2003 eine Initiative für einen autofreien Sonntag pro Jahreszeit deutlich ab. 2008 scheiterten die Grünen mit dem gleichen Anliegen im Parlament. Jetzt, in einer Zeit, in der die Klimadebatte die Agenda dominiert, nimmt Cédric Wermuth einen neuen Anlauf. In der abgelaufenen Session hat der Aargauer SP-Nationalrat eine Motion eingereicht, in der er einen autofreien Sonntag pro Jahreszeit verlangt. Alle öffentlichen Plätze und Strassen, inklusive Autobahnen, sollen für Autos tabu sein. Stattdessen könnten sich dort die Bürger verschiedensten Freizeitaktivitäten widmen und eigentliche Volksfeste veranstalten.

Cédric Wermuth: «Wir haben alle schon selber die Möglichkeit, autofreie Sonntage zu machen.»

    

Für Blaulichtorganisationen sieht Wehrmuth Ausnahmen vor. Die Feuerwehr dürfte bei einem Brand also mit ihren Fahrzeugen ausrücken, die Ambulanzen für Kranken- und Verletztentransporte ebenso. Um das Fahrverbot abzufedern, schwebt Wermuth die Gratisbenutzung des öffentlichen Verkehrs vor. Dass sich die Erdkugel wegen ein paar autofreien Sonntagen in der Schweiz nicht abkühlt, weiss auch Wermuth. «Der Kampf gegen den Klimawandel aber», sagt der Aargauer Nationalrat, «habe verschiedene Ebenen, auch eine symbolische.» Er erhoffe sich mit seiner Motion eine Diskussion über Mobilitätsformen. Zudem habe die SP in der Frühlingssession zahlreiche Vorstösse zugunsten des Klimas deponiert. «Da erträgt es auch einen symbolischen.»

Auf dem Höhepunkt der Erdölkrise wurden 1973 in der Schweiz einige autofreie Sonntage eingeführt, was diesen Passanten den seltenen Anblick einer leeren Autobahn bescherte.

Auf dem Höhepunkt der Erdölkrise wurden 1973 in der Schweiz einige autofreie Sonntage eingeführt, was diesen Passanten den seltenen Anblick einer leeren Autobahn bescherte.

«Unglaubliche Schnapsidee»

18 Nationalräte aus dem links-grünen Lager haben den Vorstoss mitunterzeichnet. Dass Wermuth damit bei der aktuellen Zusammensetzung des Parlaments auflaufen wird, ist ihm bewusst. In der Tat wollen bürgerliche Verkehrspolitiker nichts wissen von Velofahrern, Inlineskatern oder Fussgängern, die sonntags Autobahnen bevölkern. «Wermuth recycelt eine unglaubliche Schnapsidee mit null Einfluss auf das Klima», sagt der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann.

Von einer unrealistischen und nicht durchdachten Forderung spricht Nationalrat Thierry Burkart (FDP, AG). «Rund 350'000 Erwerbstätige arbeiten regelmässig an einem Sonntag und unregelmässig gar über eine Million. Sie alle bräuchten eine Ausnahmebewilligung.» Martin Candinas (CVP, GR) findet Wermuhts Idee zwar sympathisch, aber in der Praxis undurchführbar. Und:

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