Café Fédéral
Wo sich Medienschaffende die Nase einrennen: Die Bundespforte der Kontemplation

In Bern befindet sich die langsamste Türe seit der Erfindung des Scharniers. Sie steht ausgerechnet im Weg der rasenden Bundeshausreporterinnen und Korrespondenten. Das tut weh.

Stefan Bühler
Stefan Bühler
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Wer hier rein will, etwa um an einer Pressekonferenz von Verteidigungsministerin Viola Amherd teilzunehmen, muss sich in Geduld üben.

Wer hier rein will, etwa um an einer Pressekonferenz von Verteidigungsministerin Viola Amherd teilzunehmen, muss sich in Geduld üben.

Anthony Anex / KEYSTONE

Die Bundespforte der Kontemplation Der Bund stellt uns Bundeshausjournalistinnen und Bundeshausjournalisten freundlicherweise ein Medienzentrum zur Verfügung, wo wir unseren Recherchen nachgehen können. An bester Lage. Und fürsorglich, wie der Bund nun einmal ist, sorgt er auch für unsere Sicherheit: Mit automatischen Türen, die sich nur mit persönlichem Badge öffnen lassen.

So weit, so einträchtig. Wären da nicht die unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Reporter sind rasend, wie der Volksmund sagt. Beamte hingegen sind ... nicht ganz so schnell. Um nicht zu sagen: langsam wie der Stundenzeiger am Zytglogge. Prestissimo gegen Largo – die Kollision ist programmiert.

Und sie findet statt. Täglich, auf unsere Kosten. Am Hintereingang zum Medienzentrum – der langsamsten Türe seit Erfindung des Scharniers. Jeden Morgen, wenn der rasende Reporter zur Arbeit hetzt, den Badge an den Leser neben der Pforte hält und dann – gedanklich schon bei seiner Recherche – weiter eilt, knallt er in die Tür, wie dieser Tage unsere Eishockeystars nach einem Cross-Check in die Bande. Denn die Pforte öffnet erst nach einer längeren Phase der Kontemplation. Nach einer doppelten Ewigkeit. Als überprüfte sie behördlich unser Eintrittsbegehren.

Und wir werden uns – niedergestreckt von der Sicherheitstechnik der Bundesbeamten – jeden Morgen aufs Neue gewahr, wer in Bern das Sagen hat. Und das Tempo bestimmt.

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