Migration

Bundesverwaltungsgericht rügt das SEM: Asylbehörde machte junge Flüchtlinge zu Volljährigen

Eine Volljährigkeit könne nicht sicher belegt werden. Trotzdem setzte das SEM das Alter des Afghanen auf 18 Jahre fest. (Symbolbild)

Eine Volljährigkeit könne nicht sicher belegt werden. Trotzdem setzte das SEM das Alter des Afghanen auf 18 Jahre fest. (Symbolbild)

Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bemängelt, dass das Staatssekretariat für Migration (SEM) einen jungen Afghanen zum Volljährigen gemacht hat.

Zu Unrecht, wie das Gericht zum Schluss kommt. Wie die „Schweiz am Sonntag berichtet“, reiste der afghanische Jugendliche vor einem knappen Jahr in die Schweiz ein und gab an, minderjährig zu sein. Das SEM liess ein Altersgutachten erstellen. Der Arzt attestierte ein Skelettalter von 17 Jahren.

Die zahnärztliche Untersuchung liess auf ein Alter von mindestens 16 Jahren schliessen. Weiter musste sich der Afghane einer körperlichen Untersuchung unterziehen, bei der es zu einer Begutachtung seiner Genitalien kam. Daraus ergab sich ein Mindestalter von 17 Jahren. Zusammenfassend schliesst das Gutachten auf ein wahrscheinliches Alter zwischen 17 und 22 Jahren. Eine Volljährigkeit könne nicht sicher belegt werden.

Trotzdem setzte das SEM das Alter des Afghanen auf 18 Jahre fest. Das Bundesverwaltungsgericht gibt dem Jugendlichen und seinem Anwalt Recht, dass die Asylbehörde das Alter willkürlich festgelegt hat. Für Ruth-Gaby Vermot von der Schweizerischen Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht ist das Urteil ein Erfolg.

Gegenüber der „Schweiz am Sonntag“ sagt sie: «Dieses Urteil zeigt erstmals auf, dass die Altersbestimmung von jugendlichen Asylsuchenden durch das SEM beliebig und ungenau ist“.  Im Fall des jungen Afghanen muss die Behörde nochmals über die Bücher. Die Methoden zur Altersbestimmung ändern, will sie deswegen aber nicht.

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