Coronakrise

Bundesrat Guy Parmelin: «Trinkt Schweizer Wein und esst Schweizer Produkte»

Guy Parmelin im Bundeshaus: Der 60-jährige SVP-Bundesrat schnürte als Vorsteher des Wirtschaftsdepartements mit Finanzminister Ueli Maurer das 42-Milliarden-Corona-Hilfspaket.

Guy Parmelin im Bundeshaus: Der 60-jährige SVP-Bundesrat schnürte als Vorsteher des Wirtschaftsdepartements mit Finanzminister Ueli Maurer das 42-Milliarden-Corona-Hilfspaket.

Bundesrat Guy Parmelin verrät im Interview mit der «Schweizer Illustrierten», wie er die Lücken im Rettungsplan für die Wirtschaft schliessen will. Damit die Spargeln nicht verrotten, sollen Kurzarbeiter auf den Feldern aushelfen.

Die vom Bundesrat getroffenen Massnahmen zur Soforthilfe der Wirtschaft weisen noch einige Lücken auf. So gehen beispielsweise Selbständige trotz des 42-Milliarden-Pakets noch immer leer aus. Das will Bundesrat Guy Parmelin nun ändern, wie er der «Schweizer Illustrierten» im Interview vom Freitag verrät. Der 60-Jährige relativiert auch: «Wir sind laufend am Optimieren. Wir stemmen die grösste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.»

Die Betriebe von Kleinstunternehmern wie Taxifahrern, Physiotherapeuten und Gärtnerinnen sind zwar offiziell nicht geschlossen und bekommen deshalb im Moment keine Hilfe — sie haben aber trotzdem kaum noch Kunden. Da setze der Bundesrat an. «Bis zum 8. April habe ich Vorschläge parat», versichert Parmelin. Er selbst liesse seine Frisur momentan, wie sie eben sei, weil er ja auch nicht zum Coiffeur gehen könne. Diese müssen ihre Geschäfte seit dem Lockdown geschlossen halten.

Für die arbeitslos gewordenen Selbständigen hat Parmelin noch einen anderen Vorschlag parat als auf Hilfsgelder zu warten: Der Wirtschaftsminister ruft sie dazu auf, den Bauern etwa bei der Spargelernte auszuhelfen. «Das Frühlingsgemüse muss bald geerntet werden und die Einreise der Saisonniers aus dem Ausland ist erschwert.» An die Konsumenten appelliert er: «Trinkt jetzt Schweizer Wein und esst Schweizer Produkte.»

A-fonds-perdu-Beiträge sind kein Tabu

Auch Auto- und Velohändler sind von der Coronakrise stark betroffen. Sie dürfen zwar reparieren, aber nichts verkaufen. «Genau für solche Fälle suchen wir nach Erleichterungen», sagt Parmelin. Es gebe auch weitere gefährdete Branchen, bei denen er mehr wissen wolle. «Der Tourismus ist lebenswichtig für unser Land. Mit Swiss und anderen Airlines sind wir dran», sagt Parmelin. Weil die jetzt vergebenen Kredite für viele Firmen langfristig untragbar seien, könnten weitere Möglichkeiten folgen. «Auch A-fonds-perdu-Beiträge sind nicht tabu.»

Auch das Problem diverser Unternehmen, die ihre Miete nicht bezahlen können, will der Wirtschaftsminister lösen. Dies sei zwar nicht einfach, doch gewisse institutionelle Immobilienbesitzer würden signalisierten, dass sie für Lösungen bereit seien. So oder so rate er allen betroffenen Mietern, das Gespräch zu suchen.

Bundesrätliche Kaffeepausen mit zwei Meter Abstand

Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» spricht Parmelin auch darüber, wie er die Coronakrise persönlich erlebt: «Ich gehe zu Fuss von meiner Berner Wohnung ins Bundeshaus, und alles ist anders. Diese plötzliche Stille in den Gassen.»

Auch die Gänge im Bundeshaus seien leer. Die meisten Sitzungen mit den Chefbeamten fänden jetzt per Skype statt. Bei den Treffen halte sich der Gesamtbundesrat an die eigenen Vorschriften: «Wenn wir sieben zusammen einen Kaffee trinken oder zusammen essen, sitzen wir zweieinhalb bis drei Meter auseinander.» (sku) 

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