Spielverderber

Bundesangestellte guckten bei Federer-Wawrinka in die Röhre – Informatik sperrte Streaming-Seiten

Stan Wawrinka (l.) und Roger Federer umarmen sich nach dem Schweizer Viertelfinal in Roland Garros, bei dem sich Federer durchsetzte.

Stan Wawrinka (l.) und Roger Federer umarmen sich nach dem Schweizer Viertelfinal in Roland Garros, bei dem sich Federer durchsetzte.

Der Viersatz-Sieg von Roger Federer über Stan Wawrinka in Paris war ein Leckerbissen für die Zuschauer. Den Angestellten der Bundesverwaltung wurde er verwehrt.

Es gab gute Gründe, am Dienstagnachmittag den Schweizer Viertelfinal am French Open zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka zu verfolgen. Viele Grand-Slam-Duelle der beiden dürfte es nicht mehr geben. Federer befindet sich mit 37 Jahren schon längst im Herbst seiner Karriere, Wawrinka ist auch schon 34 und gezeichnet von Verletzungen.

Und so dürften denn viele Arbeitstätige ab und zu einen Blick auf die Liveübertragung aus Paris geworfen haben. Das Spiel gab auch einiges her. Es dauerte vier Sätze und dreieinhalb Stunden, bis Federer den Waadtländer niedergerungen hatte. Keine Möglichkeit, die Partie auf ihrem Computerbildschirm zu verfolgen, hatten hingegen die rund 38'000 Angestellten des Bundes.

Den Spielverderber spielte das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT). Dieses verschickte kurz vor dem ersten Aufschlag eine Rundmail mit einer unerfreulichen Nachricht für die Tennis-affinen Verwaltungsangestellten: Aufgrund der hohen Netzauslastung im Zusammenhang mit dem French Open behalte man sich vor, «die Internet-Streamingplattformen heute Nachmittag ab 14 Uhr zu sperren».

Damit könne sichergestellt werden, dass alle anderen Internetdienstleistungen des BIT verfügbar blieben. «Betroffene Kunden: Alle.» Mutmasslich also selbst Sportministerin Viola Amherd.

Die nächste Belastungsprobe folgt schon am Freitag

Wurde die Drohung tatsächlich umgesetzt? «Ja, die Videostreaming-Plattformen waren aus den Bundesnetzen temporär nicht erreichbar», sagt BIT-Mediensprecherin Sonja Uhlmann-Haenni auf Anfrage. Will heissen: Wer die enge Partie über das Mobilfunknetz auf dem Handybildschirm verfolgen wollte, der konnte dies tun.

Gemäss Uhlmann-Haenni hat das Informatikbundesamt schon in der Vergangenheit bei Anlässen wie der Fussball-WM zu diesem Mittel gegriffen. Ansonsten sperre das BIT «grundsätzlich nur Internetseiten, welche das Funktionieren der Bundesinformatik gefährden». Seiten, die Schadsoftware verteilten, könnten dauerhaft gesperrt werden. Und falls einzelne Verwaltungseinheiten aus anderen Gründen Seiten sperren wollten, setze das BIT diesen Auftrag um.

Zur nächsten Belastungsprobe für die Bundesinformatik und die Nerven der Tennisliebhaber in den Bundesämtern kommt es am Freitag. Dann steht der Traum-Halbfinal zwischen Federer und dem Sandkönig Rafael Nadal an. Wann die Partie starten wird, ist noch offen. Bei einer Anspielzeit nach 17 Uhr müsste das Bundesamt für Informatik aber kaum mehr vor einer Netz-Überlastung warnen.

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