Bildungsraum Nordwestschweiz

Bröckelnder Bildungsraum wenig bedauert

Der am Donnerstag ausgerufene «Bildungsraum light» erhält in ersten Reaktionen gute Noten, weil nun über «realisierbare Änderungen» gesprochen wird.

Jürg Gohl

Nein, Korken knallten keine in Binningen. Nachdem die vier Nordwestschweizer Bildungsdirektoren vorgestern Abstand genommen hatten von ihrem ursprünglichen Entwurf eines gemeinsamen Bildungsraums und Staatsvertrag wie Basisstufe durchgestrichen hatten, verzichtete der Lehrerverein Baselland (LVB) darauf, den Sieg auzukosten. Präsidentin Bea Fünfschilling, Bininger FDP-Landrätin, verbringt in England Ferien und weiss nichts von der neusten Entwicklung.

Christoph Straumann, der LVB-Geschäftsführer und Vizepräsident, möchte die neue Ausgangslage erst mit der Geschäftsleitung erörtern und bittet deshalb um Geduld bis nach den Schulferien. Der LVB zählte zu den prominentesten Kritikern des ursprünglichen Bildungsraums und darf seine Kritik nun bestätigt sehen.

«Das lag ja auf der Hand. Der Kanton Aargau hat sich nach seiner Kleeblatt-Abstimmung und dem Streichen der zweiten Frühfremdsprache ja aus dem Bildungsraum verabschiedet», kommentiert auch Karl Willimann, der Präsident der landrätlichen Bildungs-, Kultur- und Sportkomission, die abgespeckte Variante, die nach Abschluss der Vernehmlassung ausgearbeitet worden ist.

Sonderpädagogik im Auge

Für den SVP-Landrat aus Füllinsdorf, der wie Fünfschilling in den Ferien weilt, die neuste Entwicklung aber aus den Medien kennt, stellt die Sonderpädagogik die nächste Knacknuss dar, nachdem die Basisstufe aus den Traktanden gefallen ist.

«Ich würde hier vom Prinzip des Integrierens wieder abkommen, weil dies sonst die Lehrer überfordert und in der Klasse zu einer Nivellierung führt.» Er fordert, dass nun wesentlichere Punkte als die Tagesstrukturen diskutiert werden, zum Beispiel das sechste Primarschuljahr, gemeinsame Lehrmittel, Lehrpläne und Lernziele.

Auch Rolf Coray, der Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz, also aller Baselbieter Lehrpersonen, sieht es gelassen. «Was nun vorliegt, ist das Realisierbare», sagt er, «nun muss man möglichst viele Kooperationen schaffen.» Und der vielen Arbeit, die in das erste Projekt gesteckt worden ist, trauert er nicht nach: Das habe eine Bildungsdiskussion ausgelöst, an der sich so viele beteiligten wie nie zuvor.

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