Brandstiftung
«Brandstifter sind oft Narzissten, die ihren Geltungsdrang ausüben»

In Riehen treibt ein Brandstifter weiter sein Unwesen. Und auch im Limmatal gingen zuletzt mehrere Gartenhäuser in Flammen auf. Welche Motive stecken hinter dem Phänomen der Brandstiftung? Eine Expertin gibt Antworten.

Anna Wanner
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Drei Gartenhäuser wurden bei der Riehener Grenzacherstrasse komplett zerstört.

Drei Gartenhäuser wurden bei der Riehener Grenzacherstrasse komplett zerstört.

Karen Fürstenau, wie sieht das Krankheitsbild eines Brandstifters aus?

Karen Fürstenau*: Brandstifter weisen kein einheitliches Krankheitsbild auf. Sie sind eine heterogene Tätergruppe. Es gibt zwar die Diagnose «Pyromanie», im Sinne von «Brandstiftung ohne nachvollziehbares Motiv», diese Störung ist aber selten. Die meisten Brandstifter haben andere psychische Störungen – oder sind gesund und handeln aus kriminellen Motiven.

Welche unterschiedlichen Krankheitsbilder können zu Brandstiftung verleiten?

Ein mögliches Motiv ist Geltungsdrang. Bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erfährt der Brandstifter beim Legen eines Brandes zum Beispiel ein Gefühl der Macht. Durch eine kleine Tat kann er viel bewirken. Er kann mit dem Entzünden eines Feuers die «Puppen tanzen lassen». Durch den gelegten Brand erhält er ausserdem viel Aufmerksamkeit. Andere Motive für Brandstiftung können bei schizophrenen Störungen zum Beispiel Wahnvorstellungen auftreten, das heisst, wenn der Realitätsbezug einer Person gestört ist. Auch Minderintelligenz oder Alkoholeinfluss kann Menschen dazu verleiten, einen Brand zu entfachen.

Sind sich die Brandstifter trotz Krankheit bewusst, dass sie eine Straftat begehen?

Grundsätzlich gibt es auch rein kriminelle Motive für Brandstiftung, wie zum Beispiel Versicherungsbetrug. Beim Brandstifter von Riehen wäre eine narzisstische Problematik denkbar. Er scheint ja Katz und Maus mit den Leuten zu spielen und weiss sicher, dass er etwas Strafbares tut. Er legt ja andauernd wieder neue Feuer, ohne gefasst zu werden. Das könnte darauf hindeuten, dass er seine Spuren wirksam verwischt.

Sind in diesem Fall noch andere Motive möglich wie Hass, Neid oder Rachegefühle?

Dass es so häufig brennt, lässt vermuten, dass es dem Brandstifter eher darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen. Mit einem Feuer kann er die Feuerwehr mit Löschfahrzeugen in Bewegung setzen. Diese «Action», die er durch seinen Brand auslöst, ist eine Form von Machtdemonstration und auch Kontrolle. Der Geltungsdrang eines Narzissten wird durch die mediale Aufmerksamkeit zusätzlich befriedigt.

Kann ein Brandstifter «geheilt» werden?

Narzisstische Persönlichkeitsstörungen können zum Beispiel psychotherapeutisch behandelt werden. Die Behandlung muss immer auf die zugrunde liegende Störung abgestimmt sein und die spezifischen deliktbegünstigenden Faktoren bearbeiten, zum Beispiel Alkohol oder mangelnde soziale Kompetenzen.

*Karen Fürstenau ist forensische Psychiaterin und leitende Oberärztin des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes der Universität Bern. Fürstenau befasst sich mit der Begutachtung und Behandlung von psychisch kranken Straftätern, zu denen auch Brandstifter gehören.