Tabakindustrie

Branche kommt mit Codex dem Bundesrat vor: Zigaretten gibt es neu erst mit 18

Der Lungenliga Schweiz geht der Codex zu wenig weit.

Der Lungenliga Schweiz geht der Codex zu wenig weit.

In 15 Kantonen können Minderjährige Zigaretten kaufen. Die Tabakbranche will das nun ändern mit einem eigenen Codex. Der Lungenliga Schweiz geht dieser zu wenig weit.

Der Kauf von Zigaretten soll schweizweit erst ab 18 Jahren erlaubt sein. Darauf haben sich Detailhändler und Vertreter der Schweizer Tabakbranche geeinigt. Unterzeichnet haben den Codex unter anderem Aldi, Denner, Coop und Zigarettenhersteller wie JTI, BAT und Philip Morris. Die Branche verpflichtet sich etwa, vor dem Verkauf Alterskontrollen durchzuführen. Sie verzichtet auch auf Werbung, die sich speziell an Minderjährige richtet. Verstösse sollen sanktioniert werden. Der Codex tritt per sofort in Kraft.

Damit kommt die Branche dem Bundesrat vor, der die Alterslimite für den Zigarettenkauf schweizweit auf 18 festlegen will. Die entsprechende Botschaft zum Tabakproduktegesetz liegt seit Ende November beim Parlament und soll dort demnächst beraten werden. Die Inkraftsetzung des Gesetzes ist aber erst für Mitte 2022 vorgesehen.

Die Altersgrenze 18 gilt heute in elf Kantonen, darunter Basel-Stadt und Basel-Land. In den zwölf Kantonen können Jugendliche bereits ab 16 Zigaretten kaufen, beispielsweise im Aargau, in Solothurn und in Zürich. Appenzell Innerrhoden, Genf und Schwyz kennen überhaupt keine Vorschriften zum Abgabe-Alter.

Kritik von der Lungenliga

Die Tabakbranche hatte schon zuvor in Form einer Selbstregulierung per 1. Oktober 2018 das Mindestalter 18 für E-Zigaretten eingeführt. Per Anfang 2019 hatte sich zudem bereits der Kiosk-Betreiber Valora dazu entschieden, Zigaretten und andere Tabakprodukte künftig in der ganzen Schweiz nur noch Kunden zu verkaufen, die mindestens 18 Jahre alt sind.

Der Lungenliga Schweiz geht der Codex zu wenig weit. Claudia Künzli, Projektleiterin Politik, sagt: «Die Tabakindustrie will mit ihrem Codex zur Selbstregulierung die Aufnahme von strengeren Regulierungen im Tabakproduktegesetz verhindern.» Studien hätten gezeigt, dass nur ein striktes Verbot von Tabakwerbung Wirkung auf die Anzahl Rauchender habe. Teilweise Verbote führten nur zu einer Verlagerung in andere Werbekanäle. Der Tabakindustrie gehe es nicht in erster Linie um Jugendschutz, sondern um die Vermarktung und den Verkauf eines Produktes, das jährlich 9500 Menschen in der Schweiz töte, kritisiert Künzli.

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