Booster-Impfung
Kantone rüsten sich – bald kommt die dritte Impfdosis

Der Bund ziert sich noch mit der Zulassung der Booster-Impfung, doch die Heime machen Druck.

Nina Fargahi
Drucken
Teilen
Piks in einem Impfbus des Kantons Zürich.

Piks in einem Impfbus des Kantons Zürich.

Keystone

Ende 2020 erhielt die damals 90-jährige Alice Schmidli-Amrein im luzernischen Kriens den neuen Impfstoff gegen Covid-19. Das Interesse am Start der Impfkampagne war riesig, die Hoffnung gross, dass die Pandemie bald überstanden sein werde. Doch jetzt ist die Rentnerin verstorben – an Corona. Ihr Sohn erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörden: «Hätte meine Mutter eine Booster-Impfung bekommen, wäre sie jetzt noch am Leben», sagte er gegenüber Tamedia.

Trotz Doppelimpfung haben sich schweizweit 52 Betagte mit Corona angesteckt und sind daran gestorben. Auch deshalb drängen viele auf eine Drittimpfung. Der Bund steht in der Kritik. Hätten die Todesfälle mit der Drittimpfung vermieden werden können?

Auffrischimpfung in Heimen muss prioritär umgesetzt werden

«Wir erachten die dritte Impfung als wichtig, warten aber die ordentliche Zulassung von Swissmedic ab», sagt Peter Burri von Pro Senectute. Denn die dritte Impfung sei eine «hochkomplexe Sache», die Daten müssten genau evaluiert werden. «Es ist nicht so, dass man einfach ein Reservat auffüllt.» Aber:

«Wir sind zuversichtlich, dass die Booster-Impfung bald kommt.»

Er weist darauf hin, dass bei den über 80-jährigen 84 Prozent mittlerweile durchgeimpft sind, bei den über 60-Jährigen ist man ebenfalls bei einer Impfquote von über 80 Prozent. Wie kommt es, dass sich Seniorinnen und Senioren dennoch in den Heimen anstecken? «Es besteht immer ein Restrisiko», so Burri. Ähnlich sieht es Marco Borsotti, Verwaltungspräsident der Krienser Heime. In einem dieser Heime sind seit dem 1. September 14 Personen an Corona erkrankt, drei von ihnen sind verstorben. Zehn waren zweifach geimpft. Borsotti sagt:

«Die absolute Sicherheit gibt es leider nicht.»

Obwohl alle Massnahmen eingehalten würden, die allermeisten Heimbewohner geimpft seien, Besucher ein Zertifikat vorweisen müssten. Auch er hofft auf die baldige Zulassung der Booster-Impfung.

Beim Heimverband Curaviva zeigt man sich gar etwas ungeduldig. «Eine rasche und prioritäre Durchführung der Auffrischimpfung in den Pflegeheimen» erwartet Daniel Höchli, Direktor des Heimverbands Curaviva, sobald die Zulassung durch Swissmedic und die Empfehlung der Kommission für Impffragen vorliegt. «Laut unseren Informationen sind die dafür zuständigen Kantone gut vorbereitet», so Höchli.

Tatsächlich stehen viele Kantone in den Startlöchern. Alles deutet darauf hin, dass Risikogruppen schon bald den dritten Piks erhalten könnten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat im September die Kantone in einem Schreiben gebeten, sich auf die Booster-Impfung einzustellen. Dies, damit Auffrischimpfungen möglichst zeitnah nach der entsprechenden Zulassung und Impfempfehlung umgesetzt werden können. Das bestätigen die Konferenz der Gesundheitsdirektoren sowie der Luzerner Regierungsrat Guido Graf. Er sagt:

«Wir verlangen einen verbindlichen Terminfahrplan sowie konkrete Angaben, wann und wie wir mit der Booster-Impfung loslegen können.»

Aktuelle Nachrichten