Nachfolge
Blochers Zögling: Der SVP-Fraktionschef Aeschi steht für die neue Generation

Thomas Aeschi wird neuer SVP-Fraktionschef. Sein stärkster Widersacher zog sich vorzeitig zurück.

Jonas Schmid
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Neuer SVP-Fraktionschef: Der Zuger Thomas Aeschi.

Neuer SVP-Fraktionschef: Der Zuger Thomas Aeschi.

Keystone

Die Ausgangslage versprach Spannung: Mit dem Zürcher Alfred Heer, der sich kurz vor Ablauf der Anmeldefrist ins Spiel brachte, erwuchs dem Zuger Thomas Aeschi doch noch ein ernsthafter Gegner im Rennen um die Nachfolge von SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz. Beide Kandidaten politisieren zwar linientreu, könnten im Stil aber gegensätzlicher nicht sein: hier der fleissige, ehrgeizige Harvard-Absolvent, da der hemdsärmelige Inhaber einer Zweimann-IT-Bude. Als Dritter brachte sich zudem der Berner Werner Salzmann als krasser Aussenseiter ins Spiel.

Doch aus dem Zweikampf wurde nichts: Überraschend zog sich Heer in letzter Sekunde zurück – dem Frieden innerhalb der Fraktion zuliebe, wie er sagte: «Ich wollte eine Auseinandersetzung vermeiden.» Die Medien hätten die Wahl zu einem Pro oder Kontra Christoph Blocher zugespitzt. Davon halte er nichts. «Wir sind beide für Blocher.» Warum er bis zuletzt gezögert hat, sagte der 56-Jährige nicht. Er habe mit Fraktionskollegen telefoniert und sich dann entschieden, auf die Wahl zu verzichten, meinte er nur. Heer bleibt nun der Posten des Vizepräsidenten, den er zusammen mit Felix Müri (LU), Céline Amaudruz (GE), Michael Buffat (VD) und Hannes Germann (SH) teilt.

Die Ziele des neuen Chefs

Der logische Sieger hiess also Thomas Aeschi. Der erfolglose Bundesratsanwärter von 2015 gilt als Ziehsohn von SVP-Chefstratege Christoph Blocher. Er setzte sich mit 39 Stimmen gegen Werner Salzmann (20 Stimmen) durch.

«Ich freue mich über die Herausforderung», sagte Aeschi kurz nach der Wahl. Und: «Ich werde die Arbeit von Adrian Amstutz weiterführen», versprach der 38-Jährige. Von «grossen Fussstapfen» war gar die Rede. Und was sind Aeschis Ziele? Nach innen müsse die Fraktion geschlossen bleiben, eine «Familie». Es gelte, jene Teile der Fraktion besser zu integrieren, die sich bisher vielleicht zu wenig integriert gefühlt hätten. Ihm kommt dabei zugute, dass er besser Französisch spricht als sein Vorgänger. Aeschi bleiben zwei Jahre, um sich einzuarbeiten. Dann folgt mit den eidgenössischen Wahlen der Lackmus-Test.

Auf der anderen Seite freue er sich auf die Zusammenarbeit mit FDP und CVP, sagte der neue Fraktionschef. Sein Ziel sei es, Mehrheiten im bürgerlichen Lager zu finden, um die Anliegen der SVP durchzusetzen. Er nannte etwa die Steuervorlage für Unternehmen oder die AHV-Reform. Auch am Erfolg dieser Zusammenarbeit wird seine Leistung gemessen werden.

FDP wählt Beat Walti

An die Spitze der FDP-Fraktion wurde am Freitag einstimmig der Zürcher Beat Walti gewählt. Ihn kennt Aeschi aus der gemeinsamen Arbeit in der Wirtschaftskommission. «In der Wirtschafts- und Finanzpolitik arbeiten wir gut zusammen», sagt Aeschi. Unterschiedliche Auffassungen bestünden aber bei der Zuwanderung und der Europapolitik. Dort werde die SVP weiterhin auf ihren Positionen beharren. Aeschi ist Ökonom und arbeitet als Unternehmensberater in Zürich. Seine Steckenpferde sind Steuern, Abgaben und Ausgaben. Zu Wort meldet er sich aber auch in der Asyl- und Ausländerpolitik. Diesen Sommer fuhr er in den Ferien auf einem Motorrad durch Algerien und Tunesien. Streckenweise von der Polizei eskortiert, wollte er die Schlepperrouten erkunden. Aeschi ist typisch für die neue Generation SVP-Politiker: jung, gut ausgebildet, strategisch denkend, alles andere als hemdsärmelig. Kommentar: Meinungsseite