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Bern–Zürich in 27 Minuten: «Die Idee ist verlockend»

Bern-Zürich: Tempi von 300 km/h dank direkter Strecke (zvg)

«Die Idee ist verlockend»

Bern-Zürich: Tempi von 300 km/h dank direkter Strecke (zvg)

Der SBB-Präsident Ulrich Gygi schlägt eine Neubaustrecke zwischen Bern und Zürich vor – Die Politiker aus der Nordwestschweiz reagieren offen bis skeptisch.

Christof Forster

Neu ist die Idee nicht, neu ist aber ihr gewichtiger Fürsprecher. SBB-Präsident Ulrich Gygi schlägt vor, zwischen Bern und Zürich eine vollständig neue Strecke für Geschwindigkeiten bis 300 km/h zu bauen. Das würde die Fahrzeit auf 27 oder 28 Minuten halbieren, wie er in einem Interview im «Sonntag» sagt. «Davon würden alle profitieren, auch die Genfer, die dann deutlich schneller in Zürich oder St. Gallen wären.»

Gygi setzt damit einen Kontrapunkt zu den aktuellen Bahnausbauplänen des Bundesrats. Dieser will mehr Sitzplätze, mehr Züge und mehr Platz in den Bahnhöfen. Hochgeschwindigkeitsstrecken sind jedoch keine vorgesehen.

«Die Richtung stimmt»

«Die Idee ist verlockend», sagt der Solothurner SP-Ständerat Roberto Zanetti. Es sei erfreulich, dass der oberste Chef der SBB innovative Vorschläge mache. Ähnlich äussert sich mit FDP-Ständerat Rolf Büttiker ein weiterer Politiker aus der Nordwestschweiz: «Die strategische Stossrichtung von Gygis Idee stimmt.» Der Präsident der SBB müsse eine Vordenkerrolle übernehmen. Solche Reaktionen sind insofern überraschend, als die Nordwestschweiz keinen direkten Nutzen aus der Neubaustrecke ziehe.

Selbst der Aargauer SVP-Ständerat Maximilan Reimann findet es vernünftig, wenn durch eine Schnellstrecke West- und Ostschweiz langfristig besser miteinander verknüpft werden. Doch für die kommenden 20 Jahre setzt Reimann andere Prioritäten. Vordringlich sei der Bau des Wisenbergtunnels. Der Bundesrat hatte jüngst Politiker aus Basel und dem Aargau aufgeschreckt, als er diese Verbindung zwischen Olten und Liestal zurückstufte. Sie sehen den Tunnel unabdingbar, um im Gütertransit auf der Nord-Süd-Achse genügend Kapazitäten zu haben.

Wer soll das bezahlen?

Wenn es darum geht, auf Kosten der Hochgeschwindigkeitsstrecke Bern–Zürich auf andere Bahnprojekte zu verzichten, wie das Gygi realistischerweise vorschlägt, werden auch Zanetti und Büttikofer zurückhaltender. Der Bau der Schnellstrecke heisse für ihn nicht, auf zusätzliche Kapazitäten zu verzichten, sagt Zanetti. Nüchterner zeigt sich Büttiker. Angesichts des immensen Finanzbedarfs im Bahnverkehr kommt für ihn die neue Strecke erst im übernächsten Ausbauschritt nach 2030 infrage.

Stratege Gygi hat solche Einwände einkalkuliert. Er legt deshalb auch eine Budget-Variante vor: Neubau nur zwischen Zürich und Roth-rist sowie die bestehende Neubaustrecke nach Bern auf
300 km/h umrüsten.

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