Artenvielfalt

Berner Forscher stellt alte Hypothese zur Artenvielfalt in Frage

Ein Berner Forscher untersuchte, wo Raubfische wie der Hai in den Weltmeeren am meisten Beute machen (Themenbild).

Ein Berner Forscher untersuchte, wo Raubfische wie der Hai in den Weltmeeren am meisten Beute machen (Themenbild).

Der Berner Forscher Marius Rösti hat in einer Studie Grundlagen erarbeitet, um Fragen zur Verteilung der Artenvielfalt auf dem Planeten zu klären. Seine Ergebnisse fordern nun eine lange bestehende Erklärung heraus.

Seit den Zeiten von Charles Darwin treibt die Forschung die Frage um, warum die Artenvielfalt in den tropischen Gewässern nahe des Äquators so gross ist. Bisher zogen Biologinnen und Biologen die sogenannte "Biotic interactions-Hypothese" zur Erklärung heran.

Die Hypothese besagt, dass Interaktionen zwischen Arten zunehmen, je näher man dem artenreichen Äquator kommt. Je intensiver die Interaktion der Arten, desto schneller der evolutionäre Wandel und desto grösser die Artenvielfalt, bedeutet dies vereinfacht.

Unter Interaktionen verstehen die Forscher langfristige Beziehungen wie etwa zwischen Parasiten und Wirten oder auch kurzfristige Kontakte wie jene zwischen einem Raubfisch und dessen Beute.

In der Praxis stellt es sich als äusserst schwierig heraus, diese populäre Hypothese zu testen, wie die Universität Bern in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt. Entsprechende Versuche haben in der Vergangenheit zu verschiedenen Ergebnissen geführt.

Eine neue Publikation in der Fachzeitschrift "Nature Communications" leistet nun einen Beitrag zu dieser alten Problemstellung. Die Studie von Marius Rösti legt nahe, dass eine bestimmte, jedoch fundamentale Interaktion zwischen Arten, nämlich die Beutejagd von grossen Meeresraubfischen wie Thunfischen oder Haien, gerade nicht in Äquatornähe, sondern in der gemässigten Klimazone am häufigsten stattfindet.

Gemäss der alten Hypothese müsste dieses intensive Interagieren eine grosse Vielfalt an Fischarten in den gemässigten Zonen zur Folge haben, was aber nicht der Fall ist.

900 Millionen mal zugebissen

Um die Intensität der Interaktion grosser Raubfische mit kleineren Beutefischen zu messen, analysierten die Forschenden vier grosse Datensätze der Langleinenfischerei aus allen vier offenen Weltmeeren.

Diesen Daten kann laut Mitteilung der Universität Bern entnommen werden, wie viele Raubfische pro Köder an Langleinen gefangen wurden.

"Möglich wurde diese Untersuchung überhaupt erst dank diesem aussergewöhnlichen Datensatz. Die Daten umspannen den ganzen Planeten und verzeichnen während eines Zeitraums von 55 Jahren insgesamt über 900 Millionen Fänge von grossen Raubfischen mittels Langleinen", wird Rösti in der Mitteilung zitiert.

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